Frankfurt (AFP). Der Hamburger »Tatort« macht es vor: Dort ermittelt seit einiger Zeit der türkischstämmige Kommissar Cenk Batu. Auch im wirklichen Leben bemüht sich die deutsche Polizei, mehr Beamte mit ausländischen Wurzeln zu gewinnen.
Werbekampagnen und Broschüren brachten bislang jedoch nur mäßigen Erfolg. Die hessische Polizei geht nun gemeinsam mit der türkischen Tageszeitung »Hürriyet« neue Wege. Reportagen und Interviews sollen Migranten die Polizeiarbeit schmackhaft machen.
Wie in anderen Bundesländern herrscht in hessischen Polizeirevieren bislang nicht besonders viel Multikulti. Von landesweit rund 14.000 Polizeibeamten haben laut Statistik etwa 200 einen Migrationshintergrund. Zu wenig, findet Hessens Innenminister Volker Bouffier (CDU). Er hat sich vorgenommen, dass insbesondere im Rhein-Main-Gebiet bald mehr Beamte ausländischer Herkunft ermitteln und auf Streife gehen.
Doch bislang zieht es nur wenige Migrantenkinder in den Polizeiberuf. Viele wissen gar nicht, dass die hessische Polizei seit 1994 auch Ausländer einstellt. Wer die Fachhochschulreife oder das Abitur hat, studiert lieber gleich Jura oder Medizin, statt die schwierige Aufnahmeprüfung zu machen und drei Jahre an der Verwaltungsfachhochschule der Polizei zu büffeln. »Der Polizeiberuf ist oft gar nicht im Blickfeld«, sagt Bouffiers Sprecher Michael Bußer.
Das soll sich ändern. »Wir werden in den kommenden Wochen und Monaten immer wieder über die Arbeit der hessischen Polizei berichten«, sagt der stellvertretende »Hürriyet«-Chefredakteur Ayhan Can. Reportagen und Interviews auf türkisch und deutsch sind ebenso geplant wie eine Telefonhotline.
Die Kampagne nimmt nicht nur junge Türken ins Visier, sondern auch deren Eltern. Die spielten nämlich traditionell eine wichtige Rolle bei der Berufswahl, sagt Can. »Wir versuchen Eltern zu vermitteln, dass sie ihrem Kind ruhig zu diesem Beruf raten können.«