Kassel/Frankfurt (lhe/ach). Die S-Bahn-Strecke zwischen Frankfurt und Bad Vilbel darf ausgebaut werden. Der Hessische Verwaltungsgerichtshof (VGH) in Kassel wies alle 28 Klagen von Anwohnern gegen die Erweiterung der Strecke auf vier Gleise ab.
Signal auf Grün: Die Bahnstrecke zwischen Bad Vilbel und Frankfurt-West darf laut VHG von derzeit zwei auf vier Gleise erweitert werden. (Foto: koe)
»Der Senat ist nach eingehender Prüfung zum Schluss gekommen, dass der Planfeststellungsbeschluss rechtmäßig ist«, sagte der Vorsitzende Richter. Allerdings muss das Eisenbahn-Bundesamt das Konzept zum Erschütterungsschutz nochmals anpassen. Die Bürgerinitiative »Ba(h)nane« der Bahn-Ausbaugegner hat unterdessen für heute Abend zu einer öffentlichen Informationsveranstaltung in die Emmausgemeinde nach Eschersheim eingeladen.
Das Ziel des Ausbaus – die Trennung von Güter- und S-Bahn-Zügen zum Zweck von mehr Pünktlichkeit – sei rechtmäßig, urteilte der Senat. Es gebe auch keine Abwägungsfehler beim Erschütterungs- oder Lärmschutz. Zudem seien ausreichende Maßnahmen gegen Baulärm getroffen worden. Die Revision wurde nicht zugelassen.
Bereits in der Verhandlung hatte sich das Eisenbahn-Bundesamt zu zwei Nachbesserungen verpflichtet: Um vor erheblichen Erschütterungen zu schützen, will die Behörde die Grundlagen für ein entsprechendes Konzept teilweise neu ermitteln. Außerdem erhält ein Anwohnerehepaar eine Entschädigung, weil wegen des Ausbaus und der Lärmschutzwände die Sonne rund 20 Prozent weniger auf sein Grundstück scheint. Der Anwohner aus dem Stadtteil Eschersheim zeigte sich dennoch tief enttäuscht. »Das Urteil war so nicht zu erwarten«, sagte er. Ein Teil des Grundstücks werde für den Bau der Trasse benötigt, Bäume müssten gefällt werden, zudem verschatte das Grundstück.
Verkehrsminister Posch erfreut
»Das ist ein guter Tag für den Öffentlichen Verkehr im Rhein-Main-Gebiet«, kommentierte Hessens Verkehrs- und Wirtschaftsminister Dieter Posch am Donnerstag die Entscheidung des VGH. »Die beiden zusätzlichen Gleise sind dringend erforderlich für einen angemessen dichten und pünktlichen S-Bahn-Takt auf dieser hochbelasteten Strecke. Sie werden Zehntausenden Berufspendlern deutlich kürzere Fahrzeiten und regelmäßigere Abfahrten verschaffen. Zudem werden dringend benötigte Kapazitäten für den Regional- und Fernverkehr frei. Ich hoffe, dass das zugesagte Planergänzungsverfahren zügig abgeschlossen wird und die Bauarbeiten rasch beginnen können«, so Posch abschließend.
VCD begrüßt Entscheidung
Auch der ökologische Verkehrsclub VCD Hessen begrüßt die Bestätigung der Ausbaupläne. »Der viergleisige Ausbau dieser Bahnstrecke ist das größte Bahnprojekt in Hessen, für das derzeit Finanzmittel zur Verfügung stehen«, heißt es in seiner Stellungnahme. Die von der S-Bahn, Regionalverkehr, Intercity und Güterzügen benutzte Strecke sei insbesondere im Berufsverkehr überlastet. »Wir erwarten, dass die Züge nach dem Ausbau schneller und die Fahrpläne flexibler sein werden«, so VCD-Landesgeschäftsführer Martin Mützel. Intercity und Regionalzüge müssten dann nicht mehr hinter der langsameren S-Bahn anhalten, wenn sie oder die S-Bahn verspätet sind, S-Bahnen müssen nicht mehr anhalten, um schnellere Züge passieren zu lassen.