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26.01.2010 - 02.00 Uhr
Vorwurf: Vier Mädchen sexuell missbraucht
Echzell/Gießen (ti). Die Vorwürfe wiegen schwer: 14-mal soll der Mann in seiner früheren Wohnung in Echzell Kinder sexuell missbraucht haben, vier verschiedene Mädchen - heute acht, zehn und elf Jahre alt. Tatzeit: September 2007 bis Mai 2008. Seit Montag muss sich der 73-Jährige, der vor vielen Jahren bereits wegen Vergewaltigung zweier Töchter im Gefängnis gesessen hatte, vor der Ersten Großen Strafkammer des Gießener Landgerichts verantworten. Zum Prozessauftakt am Montagmorgen stritt der Angeklagte die Taten ab.
Insgesamt 14 sexuelle Handlungen wirft Staatsanwältin Dr. Catrin Finger dem Rentner vor. In einem Fall war es laut Anklageschrift beim Versuch geblieben. Der Vater von zehn Kindern soll die Mädchen im Genitalbereich angefasst, sich einmal aber auch von einem der Kinder berühren haben lassen und dafür vier Euro gezahlt haben. In einem Fall wirft Finger ihm Vergewaltigung vor: Er habe einer heute Achtjährigen einen Vibrator in die Scheide eingeführt, während ein anderes Kind dabei zusah, so die Staatsanwältin. Aufgedeckt worden war das Ganze offensichtlich, weil die Kinder sich einer Lehrerin anvertraut hatten.
Kinder wohnten in direkter Nachbarschaft
Der 73-Jährige, der bereits zwei Jahre lang wegen der Vergewaltigung von zwei Töchtern in Haft gesessen hatte, bestritt die Vorwürfe. Die Mädchen, die in unmittelbarer Nachbarschaft wohnten, seien häufig zu Besuch bei ihm und seiner Frau gewesen. Einmal hätten drei von ihnen den Angeklagten in seinem Wohnzimmer bedrängt, ihm das Hemd aufgeknöpft und ihm in den Penis gebissen. Er habe sich daraufhin in die Toilette geflüchtet und gewartet, bis sie gegangen waren. Ein anderes Mal hätten sie sich ausgezogen und seien nackt in seiner Wohnung herumgerannt. Den Vibrator, den er gekauft habe, um das Rheuma seiner Frau zu lindern, hätten sie sich beim Spielen selbst eingeführt.
Die Jüngste der vier sei tatsächlich vergewaltigt worden, allerdings nicht von ihm. Zwei Männer, Vater und Sohn, hätten sich mehrfach an dem Mädchen vergangen - unter anderem auf der Toilette eines Internetcafés und in der Hecke eines Schrebergartens. »Die hatten dann mit dem armen Kind Sex«, sagte der Angeklagte. Die Kleine habe sich seiner Frau anvertraut, und er selbst habe den verletzten Genitalbereich mit Salbe eingerieben. Als er der Mutter des Kindes davon berichtet habe, soll sie der Kleinen den Kontakt mit dem Senior untersagt haben.
Fortsetzung am Donnerstag
Für Gericht und Staatsanwaltschaft machte dies - wie auch viele andere Aspekte seiner Einlassung - keinen Sinn. Auf die Frage, wieso er mit diesem Wissen nicht einfach zur Polizei gegangen sei, antwortete der Angeklagte: »Ich weiß es nicht.«
Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.