Echzell-Bingenheim (arc). Acht musikbegeisterte Menschen, ein Klavier und eine Gitarre. Mehr braucht man nicht, um die Zuhörer im ausverkauften Bürgerhaus schwungvoll in den Jahreswechsel zu entlassen. Das von Sängerin Trude Schmitz-Folkmanis organisierte traditionelle Silvesterkonzert begannt bezeichnend mit »Musik liegt in der Luft«, gesungen von Heike Schultheiß (Sopran), Ursula Enke und Maike Menzel (beide Mezzo-Sopran).
Beschwert sich über die Frauen, weil er mit einem Fächer geschlagen wurde. »Ich hab sie nur auf die Schulter geküsst«: Bariton Thomas Möller.
Begleitet wurden sie am Klavier vom Leiter des Bad Nauheimer Kurorchesters, Janos Kekési. Die zwei Stunden, in denen die ausgebildeten Sänger ihre Gäste mit Ohrwürmern aus Oper, Operette und Musical unterhielten, vergingen wie im Flug. Es wirkte alles so einfach und locker, »mal schnell« eine Arie zu singen. Durch die so ungezwungene, leichte Art entstand trotz Frack und Ballkleid der Akteure eine fast familiäre Atmosphäre.
Für diesen Abend konnte Schmitz-Folkmanis den Tenor Michael Vaccaro von der Oper Zürich gewinnen. Er stimmte gemeinsam mit Heike Schultheiß das Trinklied aus »La Traviata« von Giuseppe Verdi an. Von seiner Stimmgewalt überzeugte Bariton Thomas Möller (Oper Frankfurt) das Publikum gleich bei seinem ersten Auftritt mit der Arie des Figaro aus Gioachino Rossinis »Barbier von Sevilla«. Er trat aus dem Foyer heraus singend vor die Bühne. Ebenfalls aus »La Traviata« von Verdi war die Arie des Alfredo, die Vaccaro vortrug, bevor Möller und Schultheiß sich dem musikalischen Zwiegespräch zwischen Pamina und Pamino aus Mozarts »Zauberflöte« widmeten.
Liebesklage für Sopran und Gitarre
Maike Menzel überzeugte nun mit der Arie der Lauretta aus Giacomo Puccinis Oper »Gianni Schicki«. Der brasilianische Komponist Heitor Villa-Lobos habe 1938 eine Liebesklage für Sopran und Gitarre komponiert, leitete Schmitz-Folkmanis den nächsten Programmpunkt ein. Gerhard Bosold (Gitarre) und Heike Schultheiß trugen dieses wehmütige, lateinamerikanische Stück vor. Obwohl Vor- und Nachsatz nur auf dem Vokal »A« gesungen wurde, konnte man hören, worum es in diesem Lied geht. Etwas unbeschwerter setzten Ursula Enke mit »So oder so ist das Leben« von Theo Mackeben und Maike Menzel mit »Strahlender Mond« aus Eduard Künneckes »Vetter aus Dingsda« fort.
Mit zwei Liedern des Komponisten Robert Stolz näherte sich das Ende des ersten Konzertteils. Hingebungsvoll verkündete Schultheiß »Du sollst der Kaiser meiner Seele sein«, und Enke ließ bei dem Stück »Spiel Zigeuner das Lied von Glück und Leid« ihr Temperament durchblitzen. Gefühlvoll und melancholisch entließ Michael Vaccaro das Publikum mit »Komm Zigàny« aus Emmerich Kálmáns »Gräfin Mariza« in die Pause.
Als Aufziehpuppe »Olympia« aus »Hoffmanns Erzählungen« von Jacques Offenbach zog Heike Schultheiß die Emotionen auf sich. Die mechanischen Bewegungen und der abgehackte, langsam ersterbende Gesang, wenn die Schwungfeder ausgelaufen war, sorgte für manch trauriges »Ooooh« aus dem Publikum. Zum Glück zog Gerhard Bosold das Püppchen zweimal wieder auf. Wenn Michael Vaccaro dann sang »Gern hab ich die Frau’n geküsst« von Franz Lehar, nahm man ihm das ohne Frage ab. Maike Menzel entführte die Zuhörer danach in die Welt des Musicals, als sie »Memories« aus Andrew Lloyd Webbers »Cats« anstimmte. Den verruchten »Blauen Engel« erweckte Ursula Enke zum Leben, als sie sang »Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt« von Friedrich Hollaender.