Naturschützer kümmern sich seit 30 Jahren um Kopfweiden
Echzell-Bingenheim (pm). Nur ein permanenter Pflegeschnitt sichert den Erhalt von Kopfweiden. Das hat die NABU-Gruppe Bingenheim schon früh erkannt. Anfang der 80 Jahre kartierten ihre Mitglieder der Kopfbaumbestand in Echzell und Reichelsheim systematisch und konnten so über 500 alte Bäume erfassen.
Im ehrenamtlichen Einsatz für die Kopfweiden: die NABU-Naturschützer aus Bingenheim.
Die »Schneitelung« - der Rückschnitt von Bäumen, um Triebe oder Blätter zu gewinnen - wird von November bis März durchgeführt, um die Vogel- und Tierwelt so wenig wie möglich zu stören. Das machen die Bingenheimer Natur- und Vogelschützer nun schon seit über 30 Jahren: Um die Kopfweiden zu pflegen, sind sie jedes Jahr zwischen 450 und 600 Stunden im Einsatz.
Kopfweiden zählen zu den typischen Charakterbäumen in Weichholz-Auen, sind zumeist die Begleiter von Bach- und Wasserläufen und können den periodischen Wechsel von übermäßiger Feuchtigkeit und lang anhaltender Trockenheit gut vertragen. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die ältesten voreiszeitlichen Blütenpflanzen mit großen Hohlräumen ausgestattet sind, durch die der Sauerstoff transportiert wird.
»Man sollte annehmen, dass diese Bäume robust sind«, sagte der Vorsitzende Udo Seum bei der zweiten Schnittaktion in diesem Winter. »Das ist aber nur für einen kurzen Zeitraum der Fall, denn die schnellwüchsigen Weiden erreichen im Normalfall kein hohes Alter. Schon relativ früh wird das Kernholz morsch und innen hohl.« Darin sieht Seum aber auch einen Vorteil für die Natur, denn die sich dadurch bildenden Hohlräume bieten einer Vielzahl von Insekten und Vogelarten optimale Brutmöglichkeiten.
Um dem frühen Absterben Einhalt zu gebieten, müssen Kopfweiden einem permanenten Pflegeschnitt unterzogen werden, ansonsten werden sie kopflastig und brechen auseinander. Um dem einen Riegel vorzuschieben, nehmen die Aktiven der NABU-Gruppe einen fachgerechten Pflegeschnitt vor. Von den Fachleuten in Sachen Natur- und Umweltschutz wird neben profunden Kenntnissen auch ein Höchstmaß guten Willens für das ehrenamtliche Engagement verlangt. Die Arbeiten wurden finanziell durch das Forstamt Nidda unterstützt. Dafür standen Mittel für Pflegemaßnahmen in Flora-Fauna-Habitat- und Vogelschutzgebieten zur Verfügung.
Wie es der von der Natur bestimmte Kreislauf vorsieht, wird auch die bestgepflegte Kopfweide einmal altersschwach und stirbt. Ersetzt wird sie dann durch die Natur direkt oder von Menschenhand. Das Letztere erfolgt je nach Wetterlage Anfang April. (Foto: pv)