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Mahnmal soll ans Ehrenmal

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Artikel vom 05.06.2013 - 12.39 Uhr

Mahnmal soll ans Ehrenmal

Echzell (dab). Das »Mahnmal gegen das Vergessen« soll neben dem Ehrenmal, gegenüber der evangelischen Kirche in Echzell, errichtet werden. Alle Gemeindevertreter haben am Montag dem vom Arbeitskreis »Jüdisches Leben« vorgeschlagenen Standort zugestimmt. Wie das Mahnmal umgesetzt werden kann, das sollen die Verwaltung und der Ausschuss für Gemeindeentwicklung erarbeiten.

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Das Modell vom »Mahnmal gegen das Vergessen«, das Künstler Alf Seckel gestaltet hat, ist diesen Monat in der Volksbank-Filiale in Echzell ausgestellt. Bei der Präsentation mit dabei sind die Bankmitarbeiterinnen Andrea Müller (l.) und Christin Papendorf. (Foto: pv)
Ein Modell des Mahnmals ist diesen Monat in der Volksbank-Filiale ausgestellt, danach ist es etwa vier Wochen bei der Sparkasse zu sehen. Der aus Bingenheim stammende Künstler Alf Seckel hat das Thema umgesetzt und den Prototyp aus Pappmaché erstellt. Das echte Mahnmal soll aus einem etwa 1,20 Meter hohen Sockel aus Stahlblech mit rostiger Patina bestehen. Darauf stehen 30 Figuren, die einen halben Meter groß sein werden. Sechs der insgesamt 36 vorgesehenen Plätze sollen frei bleiben.

Dr. Jochen Degkwitz, Vize-Vorsitzender der CDU-Fraktion, betonte die Absicht, durch das Mahnmal nicht nur ans Schicksal der jüdischen Bevölkerung zu erinnern, sondern an alle Opfer der Nazi-Diktatur. »Es gibt keinen Unterschied zwischen diesen und jenen Opfern. Alle gemeinsam mahnen sie, den Frieden zu bewahren und niemals andere Menschen auszugrenzen.«

Er erzählte von einem Bild, das in einem Echzeller Partyraum hängt. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg aufgenommen, zeigt es vier junge Männer, die den Staffellauf über viermal 100 Meter in 48,2 Sekunden schafften. »Ein Bild der Eintracht, auf das in der Rückschau schwere Schatten fallen, denn zwei der jungen Männer mussten Echzell für immer verlassen.« Der eine, Sigmund Simon, weil er Jude war. Der andere, Hermann Reitz, weil er als Soldat eingezogen wurde. Beide überlebten die NS-Zeit nicht.

»Alle unsere Opfer, tote Soldaten ebenso wie tote Juden, sind Opfer desselben verbrecherischen, menschenverachtenden und menschenmordenden Systems der Nazis. Sie haben im Leben zusammengehört, und sie gehören auch im Tode zusammen«, betonte Degkwitz. Deshalb solle das Mahnmal direkt neben dem Ehrenmal, als Ergänzung, errichtet werden.

Gudrun Friedrich, Sprecherin des Arbeitskreises »Jüdisches Leben«, begründete die Vorlage, die von den Grünen erarbeitet, dann aber als gemeinsamer Antrag aller Fraktionen eingebracht worden war. »Leider fehlt in unserer Gemeinde ein sichtbares Zeichen im öffentlichen Raum, das als Mahnung und Warnung dienen kann.« Der Arbeitskreis beabsichtige mit diesem Projekt auch, die Bevölkerung für die Auseinandersetzung mit diesem dunklen Kapitel der Echzeller Geschichte zu gewinnen. Dieses Anliegen sollte auch die Politik unterstützen.

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Artikel vom 05.06.2013 - 12.39 Uhr
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