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Echzeller klagt gegen Google: Prügelvideo soll aus dem Netz

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Artikel vom 23.08.2013 - 20.00 Uhr

Echzeller klagt gegen Google: Prügelvideo soll aus dem Netz

Echzell-Gettenau (dab). Am liebsten wäre Werner Schubert, wenn das, was sich am Abend des 9. Mai 2010 vor seiner Haustür abgespielt hat, in Vergessenheit geriete. Doch noch immer stehen zwei Videos im Internet, die Zeugnis davon ablegen.

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Werner Schubert kämpft gegen Youtube. Er will, dass ein Video gelöscht wird. (Foto: dpa)
Schubert geriet an diesem Abend mit seinem Nachbarn in der Wiesengasse, dem »Schlitzer«, in Streit und stellte wenig später eine Leiter an dessen Hauswand, um die Überwachungskamera wegzudrehen. Partygäste von Patrick W. zerrten Schubert von der Leiter, überwältigten ihn, drückten ihn zu Boden. Der Mitschnitt von P.s Überwachungskamera endet mit Bildern von Schubert, wie er halbnackt in sein Haus flüchtete.

Die Anklage gegen den »Schlitzer«, mit dem Einstellen des Videos ins Internet das Urheberrecht verletzt zu haben, wurde angesicht der übrigen Vorwürfe, die ihm eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren und drei Monaten einbrachten, nicht weiterverfolgt.

Für Schubert aber ist der Fall noch nicht abgeschlossen. Zunächst hatte er versucht, sich alleine zu wehren, hatte Google, zu dessen Imperium das Videoportal Youtube gehört, mehrmals angeschrieben. »Doch wie immer, wenn private Bürger Ansprüche stellen, haben Google und Youtube einfach nicht reagiert«, erzählt Tronje Döhmer, Rechtsanwalt aus Gießen, den Schubert schließlich um Hilfe bat. Der Anwalt erhielt zwar Antworten auf seine Schreiben, »doch sie wurden abschlägig beschieden«, erzählt Döhmer. Selbst bei Übersendung der Anklageschrift – Döhmer zog vors Landgericht Hamburg, deren Zivilkammer besonders erfahren in Dingen sei, die das Internet betreffen – hätten die beiden beklagten Unternehmen behauptet, sie könnten keine Verstöße gegen ihre Richtlinien feststellen. Sie beriefen sich darauf, Schubert sei auf dem Bildmaterial nicht zu identifizieren. Zeitgleich sorgten sie allerdings dafür, dass die Videos in Deutschland gesperrt wurden. Über Umwege könne man sie aber weiterhin anschauen, kritisiert Döhmer. Deshalb die Klage auf Unterlassung der weiteren Verbreitung.

Einen ersten Termin in Hamburg gab es schon, bei dem man das Gericht darauf hingewiesen habe, dass die beanstandeten und das Persönlichskeitsrecht verletztenden Videos weiterhin aufgerufen werden könnten. Der Vertreter von Youtube und Google habe eingeräumt, dass es nicht ohne Weiteres möglich sei, die Videos gänzlich aus dem Netz zu entfernen. Laut Döhmer bekamen die Richter dabei »lange Ohren, weil Youtube sonst immer behauptet, dass die Sache erledigt sei, wenn Videos in Deutschland gelöscht seien«.

Mit einem Urteil ist frühstens Ende September zu rechnen. Die Erfolgschancen sind unklar. »Es kommt auf den Einzelfall an, aber es gibt einige Fälle, die Google und Youtube verloren haben«, weiß Döhmer.

»Das Gericht muss auch die Opfer sehen«, betont Schubert und erklärt, wieso er mit seiner Klage an die Öffentlichkeit gegangen ist: »Ich bin nicht der einzige, der so ein fürchterliches Video in Youtube drin hat.«

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Artikel vom 23.08.2013 - 20.00 Uhr
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