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21.01.2010 - 17.00 Uhr
Architekturbüro soll Weg zur Heinrichswiese weiter planen
Echzell (arc). Als Denkmalpfleger interessiere ihn weniger, wie breit die Straße würde, sondern wie tief, erklärte Thomas Becker vom Amt für Denkmalpflege Wiesbaden in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Gemeindeentwicklung, Umwelt und Soziales. Einziger Tagesordnungspunkt war die geplante Anbindung des Neubaugebiets »Heinrichswiese« an das Straßennetz.
Mit der vom Architektenbüro Eichler & Schauss favorisierten Möglichkeit, einer Verbindung vom Limesring zum Neubaugebiet, wollen sich die Anwohner des Limesrings nicht anfreunden, da dies ihre Anlieger- in eine Durchgangsstraße verwandele und mehr Verkehr bedeute. In einer Bürgerinitiative erarbeiteten sie deshalb eine Variante über den Södeler Weg. Diese wird vom Architektenbüro als nicht durchführbar angesehen, weil die Zuwegung direkt über das Weltkulturerbe Limes führen würde.
Um diese Frage weiter erörtern zu können, hatte der Ausschuss Thomas Becker als Vertreter der Oberen Denkmalschutzbehörde eingeladen. Als dieser nun erklärte, ihn interessiere mehr die Straßentiefe als deren Breite, schien es Dr. Jörg Lindenthal leichter zu fallen, den Vorschlag der Bürgerinitiative vorzutragen. Die Durchfahrtsbreite im Limesring betrage 4,40 Meter, der Södeler Weg sei im befestigten Bereich vier Meter breit. Würde man nun beidseitig Grasgittersteine von etwa 50 Zentimeter Breite verlegen, erhalte man eine fünf Meter breite Fahrbahn, die als Zubringer zum Wohngebiet ausreiche. Die Tragfähigkeit sei als ehemalige Zufahrt zur Mülldeponie gegeben. Thomas Becker sagte, wenn es sich nur um eine Erweiterung der vorhandenen Straße und nicht um in die Tiefe gehende Baumaßnahmen handele, könnte die Obere Denkmalschutzbehörde zustimmen. Eine endgültige Zusage könne aber erst nach eingehender Prüfung einer schriftlichen Eingabe erteilt werden.
Bürgermeister Dieter Müller gab zu bedenken, eine Straße dieser Art benötige aus rechtlichen Gründen stets eine Kanalisation zur Entwässerung. Becker entgegnete, in diesem Fall werde die Denkmalschutzbehörde nicht zustimmen. Lindenthal widersprach Müllers Aussage, denn eine natürliche Entwässerung sei gegeben.
Der nächste Knackpunkt war der geplante Abzweig vom betonierten Södeler Weg zum Neubaugebiet. Eine Strecke, die bisher ein nicht befestigter Feldweg ist und direkt über das Kerngebiet des Weltkulturerbes führt. Hier kam wieder ein klares »Nein« von Seiten des Denkmalschutzes. Doch riet Lindenthal, nicht beim Vorschlag der Architekten zu bleiben, sondern den Weg um einige Meter zu versetzen. Dort befinde sich ein Korridor zwischen dem Weltkulturerbe und dem Vogelschutzgebiet. Dort könne man bauen.
Die Ausschussvorsitzende Barbara Henrich erinnerte daran, dass diese Option über noch genutzte Landwirtschaftsfläche führe. Man müsse die Ackerflächen kaufen, um diese Möglichkeit umsetzen zu können. Weiter gab sie zu bedenken, dass die Straßenbaubehörde angekündigt hatte, die Kreuzung Södeler Weg und Lindenstraße neu gestalten zu müssen, da dieser für die geplante Nutzung keine ausreichende Sicherheit biete. Hierzu wären größere Baumaßnahmen nötig. Da besagte Kreuzung in der Nähe des Weltkulturerbes liegt, kam auch hier von Becker der Einwand, die Denkmalschutzbehörde könne Baumaßnahmen im Limesbereich nicht zustimmen.
Letztlich einigte sich der Ausschuss - ohne die Stimmen der SPD - darauf, den Gemeindevertretern vorzuschlagen, die Zuwegung über den Södeler Weg unter den neuen Gesichtspunkten zur weiteren Planung an das Architekturbüro zu übergeben. Dabei solle die Zusammenarbeit zwischen der Straßenbau-, Denkmalschutz- und Naturschutzbehörde stärker beachtet werden. Die von Bürgermeister Müller und der SPD geforderte Offenlegung des Bebauungsplans, um die Einwände der Bürger offiziell ins Verfahren einbringen zu können, wurden nicht berücksichtigt.