Am Echzeller Institut Lucius soll gebaut werden dürfen
Echzell (dab). Die Internatsschule Institut Lucius ist zwar die älteste deutsche Internatsschule. Bebauungsrecht besteht allerdings nicht für die Bildungseinrichtung, die in der sechsten Generation von der Familie Lucius geführt wird.
Lucius-Geschäftsführerin Vera Kissner und Planer Vladimir Marksl haben schon einige Ideen, was in der Internatsschule umgestaltet werden kann. Handlungsbedarf sehen die beiden vor allem beim Schulhaus, in dem auch die Bibliothek untergebracht ist. (Foto: dab)
Die Auswirkungen sind absonderlich. Würde zum Beispiel ein Gebäude abbrennen, dürfte es nicht wieder aufgebaut werden.
Der Grund: Seit der erstmaligen Aufstellung der Flächennutzungs- und Bebauungsplanung nach dem Zweiten Weltkrieg, mit Inkrafttreten des Baugesetzbuches im Jahr 1961, wird das am Wald gelegene Gelände lediglich als »Außenbereich« ausgezeichnet. Damit soll bald Schluss sein. Die Gemeindevertreter stimmten am Montagabend dem Entwurf eines Bebauungsplans mit der Bezeichnung »Am Forsthaus« zu; nun folgt die Offenlegung. Künftig soll das Areal als »Sondergebiet Schule« ausgewiesen werden, was nicht nur Standort-, sondern auch Zukunftssicherheit bieten soll. Denn nun können die Betreiber auch ihre Umbaupläne angehen, um auf dem Internatsmarkt konkurrenzfähig zu bleiben.
Herzstück des Internatsgymnasiums ist das sogenannte Forsthaus, das frühere Jagdschloss des hessen-darmstädtischen Landgrafen Ludwig VIII. Auf die Vergangenheit seines Fleckchens Erde nahm Ludwig beim Bau im Jahr 1747 wenig Rücksicht: Das Forsthaus steht mitten auf dem Limes. Der Verlauf der antiken römischen Reichsgrenze dürfte dem Landgrafen bekannt gewesen sein, vermutet Vladimir Marksl, der mit Ulrich Wagner die neuen Pläne ausgearbeitet hat. Denn die Front des Forsthauses verläuft exakt parallel zum Limes. »Der Landgraf hatte es einfacher als wir«, erklärt Marksl. Seit der Limes 2005 als Weltkulturerbe eingetragen wurde, sind Bauarbeiten in dessen unmittelbarer Nähe bestimmten Einschränkungen unterworfen. Sollte demnächst auf dem Internatsgelände gebaut werden, müssten archäologische Ausgrabungen damit verbunden werden. Die Erde müsste schichtweise abgetragen werden, um zu sehen, ob Funde aus der Römerzeit zu Tage treten. Im Fachjargon heißt das: Das Bodendenkmal darf nicht gestört werden.
Konkrete Baupläne gibt es derweil noch nicht. Dafür wollten die Verantwortlichen erst den Beschluss der Gemeindevertreter abwarten. Doch Ideen haben die Lucianer schon reichlich. Marksl hat ein Konzept mit dem Titel »Schule der Zukunft« erarbeitet, das anhand einer Bestandsaufnahme auch die Schwachstellen des Campus analysiert und bewertet. Klar ist demnach, dass vor allem das Schulhaus mit Unterrichtsräumen und Aula für die 160 Schüler nicht mehr zeitgemäß ist und erneuert werden sollte. »Dabei geht es um energetische, aber auch um inhaltlich-pädagogische Fragen«, erklärt Lucius-Geschäftsführerin Vera Kissner. So seien zum Beispiel die Klassenräume für den heutigen Unterrichtsstandard schlicht zu klein. Frontalunterricht ist »out« - ein modernes Klassenzimmer muss ausgelegt sein für Gruppenarbeit, und auch Unterrichtsmaterialien wie Beamer wollen untergebracht werden. Hinzu kommt, dass die energetische Sanierung des Schulhauses sehr teuer wäre. »Das ist ein Fachwerkgebäude mit einfacher Verglasung. Eine Unterkellerung, so dass eine Dämmung von unten möglich wäre, gibt es auch nicht«, erklärt Marksl.
Hier, im Schulhaus, sieht Kissner den dringendsten Handlungsbedarf. »Wir wollen konkurrenzfähig gegenüber anderen Internaten bleiben.« Die hätten es im Gegensatz zu der familiengeführten Privatschule in Echzell um einiges leichter, weil häufig Stiftungen oder eine der beiden Kirchen dahinter stünden. »Wir müssen das Geld selbst erwirtschaften, wir sind ein mittelständisches Unternehmen.« Das Institut Lucius besteche vor allem durch seine einmalige Lage und die Überschaubarkeit der Schule. Damit diese Vorteile ausgebaut werden könnten, sei die jetzige Entscheidung der Kommunalpolitiker ein erster wichtiger Schritt.
Das betonten am Montagabend auch die Gemeindevertreter. Die Schule sei ein Aushängeschild für die Gemeinde, lobte etwa CDU-Fraktionsvorsitzende Marisa Lipp. Die Möglichkeit zur baulichen Erweiterung sei wichtig für die Zukunftssicherung der Schule. Auch SPD-Fraktionschef Hans Hermann Stete betonte, man müsse den Fortbestand einer der größten Arbeitgeber in der Gemeinde sichern: 60 Mitarbeiter sind hier beschäftigt.