Echzell (dab). Stellvertretend für alle anderen Bürger, die sich ehrenamtlich engagieren, wurden Elisa Lauster und Julia Schneider am Dienstagabend beim Neujahrsempfang der Gemeinde auf die Bühne der Horlofftalhalle gebeten. »Bürger, die sich einsetzen und aktiv werden, machen Echzell lebenswert«, sagte Bürgermeister Dieter Müller, bevor er den beiden jungen Frauen mit Blumen und Süßem für deren uneigennützige Freizeitgestaltung dankte.
Während die Gäste sich am Büffet laben, sorgt der Musikverein für Unterhaltung. (Fotos: dab)
Lauster und Schneider gehören seit zwei Jahren zum festen Team der Jugendpflege. Sie helfen der Hauptamtlichen Christine Woderski bei den Ferienspielen und beim alljährlichen Vidoeseminar in Wetzlar. Das fachliche Wissen und die praktische Kompetenz haben die beiden sich bei Fortbildungen angeeignet. An mehreren Wochenenden besuchten sie Pädagogik- und Rechtsseminare, lernten Erste-Hilfe-Regeln und ließen sich zu Rettungsschwimmern ausbilden. »Es ist in der heutigen Zeit seltener geworden, dass junge Menschen ihre Freizeit opfern, um sie der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen. Sie alle, liebe Vereinsvertreter, erleben das jeden Tag«, begründete Bürgermeister Müller die öffentliche Auszeichnung von Lauster und Schneider. Bald bekommen die beiden jungen Frauen übrigens noch etwas überreicht: ihre Jugendleitercard.
Zuvor hatte Müller in seiner Ansprache auf ein schwieriges Jahr zurückgeblickt, »in dem viele wegweisenden, folgenschweren Entscheidungen getroffen wurden«. Was bei den Finanzmärkten begonnen habe, habe schnell den realen Markt erreicht - und damit auch die Gemeinde Echzell. »Die Zahl der Arbeitslosen ist nicht, wie 2008, zurückgegangen. Einige Betriebe haben auf Kurzarbeit umgestellt. Nicht alle Jugendlichen haben eine Lehrstelle gefunden.« Müller lobte allerdings die Bürger, die trotz Krise ihre Umsicht behalten hätten. Das Ersparte auf der Bank zu lassen und weiter zu konsumieren, habe zur Stabilität des Binnenmarktes beigetragen. Alles andere als Lob hatte er für den Finanzsektor übrig: Müller forderte Kontrollmechanismen ein, »denn die Zockermentalität, die die Krise mit verursacht hat, ist nicht überwunden«.
In einer weltweiten Krise könne eine kleine Gemeinde wie Echzell zwar wenig ausrichten, werde aber nicht tatenlos sein, versprach Müller. Zurzeit werde ein Konzept erarbeitet, um Echzell für Bürger und Firmen noch attraktiver zu machen. Dazu zähle etwa der Ausbau der Betreuung von unter Dreijährigen und des Ganztagesangebots an der Kurt-Moosdorf-Schule. »Eltern wollen Beruf und Familie vereinbaren. Dazu gehört, dass sie ihre Kinder während ihrer Arbeitszeit gut betreut wissen.«
Im Anschluss waren alle Vertreter von Vereinen, Schulen, Kirchen, Feuerwehr, Wirtschaft und Politik eingeladen, sich am Büffet mit Schnitzeln, Cevapcivi, Steaks, Spießen und zahlreichen Beilagen zu bedienen. Beim Essen wurde munter geplauscht, während auf der Bühne der Musikverein Echzell unter Kapellmeister Andreas Heil aufspielte.