Butzbach (bd). Großes Publikumsinteresse herrschte in den Gruppenräumen des Bürgerhauses beim Vortrag von Gail Schunk über Butzbach im 16. Jahrhundert.
Spärlich sind im Museum die bildlichen Darstellungen der mittelalterlichen Stadt. Hier eine Ansicht des Malers Wilhelm Dilich aus dem Jahr 1605. (Foto: Dörr)
Das bislang höchst selten aufgegriffene Thema lockte zahlreiche Zuhörer an, denen das detailreich und spannend Geschilderte gut gefiel. Das Referat eröffnete die Vortragsreihe 2010 des Bundes für Volksbildung.
Gail Schunk, Ehefrau des langjährigen Geschichtsvereinsvorsitzenden Winfried Schunk und studierte Historikerin, berichtete nach den einführenden Worten von Museumsleiter Dr. Dieter Wolf viel Unbekanntes, betrat nach dreijährigem Quellenstudium gleichsam historisches Neuland. Denn gerade die Phase über die Zeit vor Beginn des Dreißigjährige Krieges und der Regentschaft von Landgraf Philipp III. (1609 bis 1643) ist bislang nur spärlich beackert.
Die Referentin bekannte eingangs, sie habe sich immer gewünscht, einen Tag in jener Zeit um 1600 in Butzbach zu verbringen, um die Kompositionen von Heinrich Schütz zu hören oder zeitgenössische Alltagsobjekte in Händen zu halten, etwa die prächtig bemalten Schüsseln und die feinen hellgrünen Gläser. Oder das Auge verweilen zu lassen auf den geschnitzten Verzierungen an Haus und Mobiliar, den Zeitzeugen des handwerklichen Könnens der damaligen Menschen.
Auch gelte die Zeit um 1600 als Epoche der verfeinerten Esskultur. Ein Ratsschmaus ohne Zitronen und andere südländische Obstsorten sei für die gehobenen Stände undenkbar gewesen, das wisse man aus Ratsrechnungen etwa der Stadt Münzenberg. Rund um Butzbach habe es hoch entwickelte Gartenkulturen gegeben mit mediterranen Gemüsesorten und Salaten. Das saubere Flüsschen Wetter habe Fische und Krebse geliefert. Das Butzbacher Wendelhospital hätten Patienten verlassen, weil ihnen die konsequente mittelalterliche Kost aus getrockneten Bohnen und Linsen nicht mehr schmeckte.
Dies sei aber nur ein kleiner Teil aus dem Leben der Menschen am Vorabend der Gründung der Landgrafschaft Hessen-Butzbach gewesen. denn bei näherem Untersuchen habe sie festgestellt, sagte Gail Schunk, dass die damalige Zeit für die übergroße Mehrheit der Bevölkerung »einfach schrecklich« gewesen sei. Im Ratsprotokoll vom 18. Dezember 1608 stehe die Formulierung »itzo dero seweren Zeit« (»jetzt in diesen sauren Zeiten«) und diese Formulierung stimme.