Butzbach (bd). Seit ihrer Errichtung im Jahr 1894 ist die JVA eine wichtige Einrichtung des Hessischen Justizvollzugs. Vieles habe sich seitdem geändert, erklärte Justizminister Jörg-Uwe Hahn gestern bei seinem Besuch in der Anstalt und beim Leiter Jörg-Peter Linke. Geblieben sei freilich das unter Denkmalschutz stehende panoptische Kerngebäude aus dem Jahr 1886, das nach und nach durch moderne Gebäude, beispielsweise für das Arbeitswesen, die Gefangenenausbildung und die Energieversorgung ergänzt worden sei.
Zeigt Minister Jörg-Uwe Hahn (M.) und Ministerialdirigent Dr. Helmut Roos (re.) seine Anstalt: Leiter Jörg-Peter Linke.
»Die Bediensteten sind es hier beinahe schon gewohnt, mit Baustellen der unterschiedlichsten Art zu leben«, sagte der Minister und verwies auf das aktuelle Projekt Sporthalle. Schon jetzt sei klar, dass nach deren in Kürze erfolgenden Fertigstellung bereits das nächste Projekt warte: Das alte Kerngebäude, in dem sich die Unterkünfte der Gefangenen befinden, müsse in den kommenden Jahren von Grund auf saniert werden. Das habe schon deshalb erhebliche Belastungen für die Bediensteten und Gefangenen zur Folge, weil die Modernisierung nur flügelweise durchgeführt werden könne und sich deshalb fünf bis sechs Jahre dauern werde.
Ferner interessierte sich der Minister für die im Bau befindliche Detektoranlage. Sie war nötig geworden, weil andere Methoden zur Sicherung der denkmalgeschützten Mauern, wie etwa Stahlgeflechte, nicht möglich seien. Hahn zeigte sich beeindruckt von der Funktionsweise der künftigen Anlage.
Durch elektronische Sensoren und eine Videoüberwachungsanlage werden Bewegungen an den Gebäudefassaden gemeldet. Sofort schwenkt eine Kamera automatisch zu dem entsprechenden Punkt. Über einen optischen und akustischen Alarm in der Sicherheitszentrale wird dies dann angezeigt, so dass sofort reagiert werden kann. Die Detektoranlage ermittelt auch Manipulationsversuche an den Gittern der Haftraumfenster.
Ende dieses Jahres soll die Anlage in den Probebetrieb gehen und im Februar oder März ihren regulären Betrieb aufnehmen.
Justizminister Hahn interessierte sich auch für das Behandlungszentrum für Sexualstraftäter und andere Gewalttäter mit 66 Haftplätzen. Es ist eingerichtet worden für Männer, die einer besonderen Behandlung bedürfen, deren Unterbringung in einer sozialtherapeutischen Anstalt aber nicht zwingend erforderlich erscheint.
Einzel- und Gruppentherapie sollen eine verhaltensändernde Wirkung entfalten: Verstärkung der emotionalen Kontrolle, Ausbau der Fähigkeit, mit Zurückweisung umzugehen, Beherrschung im Umgang mit Alkohol und Drogen. Hahn: »Mit dieser Einrichtung ist das Ziel verbunden, die Gefahr eines Rückfalls deutlich zu vermindern, und somit ist sie auch auf den Opferschutz ausgerichtet.« (Foto: Dörr)