Butzbach (bd). Auf Einladung des Butzbacher Bündnisses, der Wetterauer Antifa-Bi und anderer Organisationen sprach Andrea Röpke, Politologin und Journalistin mit dem Spezialgebiet »Rechtsextremismus« am Mittwochabend im Bürgerhaus. Gegen den Auftritt der Journalistin hatten die »Jungen Nationaldemokraten« mobil gemacht. Aber nur rund 25 junge NPD-ler und Gesinnungsfreunde tauchten vor dem Bürgerhaus auf, sie sahen sich einem großen Polizeiaufgebot gegenüber.
Warten auf die Referentin und die Rechten: Antifa-Mitglieder mit Transparent vor dem Bürgerhaus. (Fotos: Dörr)
Mit einem Transparent waren 15 von ihnen vom Bahnhof zum nahen Bürgerhaus gezogen. Die vor dem Gebäude wartenden Antifaschisten zeigten ebenfalls »Fahne«. Die Lage blieb aber friedlich.
Die Jungnazis zogen sich auf einen Parkplatz an der Gutenbergstraße zur »Demo« zurück, immer abgeschirmt von Polizisten. Von dort hörte man ein Sammelsurium von Blockwart-Parolen übers Megaphon gegen die missliebige Journalistin - immer begleitet vom Protest etwa 70 linker Gegendemonstranten, die aus dem Bürgerhaus auf den Vorplatz gekommen waren.
Irgendwann wurde die Demo aufgelöst, und etwa 15 Neonazis fuhren nach Bad Nauheim, wo sie in der Bahnhofsallee eine spontane Demonstration veranstalteten, die ebenfalls aufgelöst wurde.
Ermittlungen laufen gegen den Sprecher der Rechten, der in seiner Rede gegen Auflagen verstoßen haben soll, und gegen einen der Vortragsbesucher, bei dem ein Radkreuz gefunden worden war.
Im gut gefüllten kleinen Bürgerhaussaal - darunter auch die Bürgermeister Merle
(Butzbach) und Wetz (Rockenberg) sowie Polizeidirektor König (Friedberg)
- saßen unterdessen mit Röpke am Podium Pfarrer Otto Seesemann (Butzbach) sowie
Tobias Gniza (Rockenberg) von den Wetterauer Jusos. Röpke sprach unter
dem Titel »Ferien im Führerbunker« über die Kindererziehung der
»Heimattreuen Deutschen Jugend«.
Röpke wurde 2007 »Reporterin des Jahres« und ist mit dem Medienpreis »Leuchtturm« des Netzwerks Recherche ausgezeichnet. Bürgermeister Michael Merle hieß sie mit Blumen und aufmunternden Worten willkommen. In ihrem Vortrag widmete sie sich fakten- und kenntnisreich auch anhand von Filmeinspielungen und Fotos dem Erziehungsideal der Neonazis und ihren »pädagogischen Methoden«.
Neonazis hatten ausdrücklich keinen Zugang. Man hätte sie mit den Mitteln des Hausrechts sofort des Bürgerhauses verwiesen.
Zum Weltbild der extremen Rechten gehöre, so Andrea Röpke, dass sie ihren Nachwuchs von Kindesbeinen an in ihrem Sinne erzögen, alles erinnere an Hitlerjugend und BDM.