Butzbach (en). Mancher hatte es geahnt, und doch schlug es wie eine Bombe ein: Die noch rund 50 Mitarbeiter des Verpackungsmaschinenherstellers Hassia in der Schorbachstraße erfuhren vorgestern, dass ihre Firma zahlungsunfähig ist - und zwar nicht erst seit ein paar Tagen, sondern bereits seit dem 1. Oktober. Ende des Monats waren keine Löhne und Gehälter gezahlt worden - daraufhin wandte man sich mit Bitten um Aufklärung an die Konzernleitung.
Noch gehen die Lichter nicht aus in der Schorbachstraße 11, direkt an der A 5. Die Belegschaft ist frustriert, aber willig, mit neuer Führung durchzustarten. (Foto: Engel)
Die Mutterfirma Rovema in Fernwald-Annerod jedoch zog mit etwa 450 Beschäftigten einen Monat später selbst nach und stellte ihren Insolvenzantrag (siehe auch Seite 37). Jetzt hofft man in Butzbach angesichts der gut gefüllten Auftragsbücher, dass ein fähiger Konkursverwalter die Karre gerade noch aus dem Dreck zieht, bevor sie darin versinkt.
Auf den Verwalter, den Frankfurter Rechtsanwalt Jan Markus Plathner, wartete die Belegschaft gestern Nachmittag lange. Für 14 Uhr war eine Informationsveranstaltung angesetzt, gegen 16 Uhr gingen die meisten Mitarbeiter enttäuscht nach Hause, um kurz nach 17 Uhr erfuhren die Ausharrenden auf Anfrage telefonisch aus Fernwald, dass dort immer noch beraten werde.
Erst im März war Hassia Redatron in den Schlagzeilen: Man gab bekannt, dass der Fernwalder Marktführer Rovema das Butzbacher Traditionsunternehmen übernommen hatte, nachdem es einige Jahre zur Piltz-Gruppe gehört hatte. Von einer »idealen Ergänzung des Portfolio« war damals die Rede, und vom Ziel, »Arbeitsplätze zu sichern und langfristig neue zu schaffen«.
Frust und Verantwortung
Dass das nicht nach Wunsch gelaufen ist, lasten die Mitarbeiter vor allem der Geschäftsführung an. Während man auf den Insolvenzverwalter wartet, lässt eine Gruppe ihrem Frust freien Lauf. Rovema-Geschäftsführer Klaus Krämer kommt dabei noch am besten weg: Man sieht ihn eher als Opfer denn als Täter - sowohl der langjährige Redatron-Geschäftsführer (laut der Website des Unternehmens Reinhard Fangmeier) als auch der Chef der Piltz-Gruppe, Alexander Piltz, hätten das Unternehmen bei der Übergabe in ein zu positives Licht gerückt, so dass an den Butzbacher Altlasten jetzt nicht nur die Hassia, sondern auch die Rovema selbst zu ersticken drohe.
Damit sind auch die Namen genannt, die von den Beschäftigten für das Zustandekommen der Altlasten verantwortlich gemacht werden: In der Piltz-Ära seien den Kunden Maschinen versprochen worden, die man mit dem notorisch knappen Personal nicht habe bauen können. »Die waren nicht schlecht gedacht, aber einfach unfertig«, hieß es. Sie seien trotz vieler Warnungen aus der Belegschaft ausgeliefert worden, hätten dann nicht richtig funktioniert und seien nur zum Teil oder überhaupt nicht bezahlt worden. Das habe dem Unternehmen letztlich das Genick gebrochen.