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»Hallenwälder gibt es nicht mehr«

Artikel vom 05.01.2010 - 12.00 Uhr

»Hallenwälder gibt es nicht mehr«

Büdingen (sax). Rote Markierungen an Bäumen bedeuten nicht zwangsläufig, dass diese gefällt werden sollen. Das betonten Revierförster Peter Kraus und Bürgermeister Erich Spamer bei einem Ortstermin. Besorgt hatten Bürger auf den Waldwirtschaftsbericht reagiert. Die farbigen Markierungen an zahlreichen Bäumen und dass wegen besserer Holzpreise verstärkt Eichen geschlagen würden, ließen sie befürchten, dass ganze Waldflächen kahlgeschlagen würden.
Haben unterschiedliche Vorstellungen von der Waldnutzung (v. l.).: Jürgen Faust, Bernd Uhlmann, Peter Kraus, Erich Spamer, Ellen
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Haben unterschiedliche Vorstellungen von der Waldnutzung (v. l.).: Jürgen Faust, Bernd Uhlmann, Peter Kraus, Erich Spamer, Ellen Laubner.
Beim Ortstermin mit Bernd Uhlmann und Ellen Laubner versuchten Förster und Bürgermeister, die Wogen zu glätten. Kraus wies darauf hin, dass die Punkte bei näherem Hinsehen als rote Zahlen, welche die Bäume gemäß dem Baumkataster kennzeichneten, zu erkennen seien. Viele stünden sogar unter besonderem Schutz, was durch das Schild mit der Haselmaus dokumentiert sei. Sie dürften nur gefällt werden, wenn sie Spaziergänger gefährdeten. Auch dann dürfe ihr Holz nicht verwertet werden, sondern müsse im Wald verrotten. Auf 6,7 Hektar stünden am Pfaffenwald allein 87 solcher Höhlenbäume, die ein wichtiger Lebensraum für Tiere seien.

»Sie können nicht verhindern, dass Waldwirtschaft betrieben wird«, sagte Spamer den Bürgern. Nach 160 Jahren müsse ein Baum geschlagen werden, damit er noch wirtschaftlich verwertbar sei. Kraus: »Wir schlagen jedes Jahr nachhaltig 13 000 bis 15 000 Festmeter Holz ein.« Mindestens die gleiche Menge wachse in diesem Zeitraum nach. »Die Natur macht Riesenlöcher«, beschrieb er die Auswirkungen von Schädlingen und Stürmen. »Wir machen kleine Löcher.«

»Da drüben im Wald, da ist Raubbau begangen worden«, wies Spamer auf die andere Seite des Tals, wo der ehemalige fürstliche Wald zu sehen ist. Uhlmann räumte ein, dass seine Befürchtungen auch aus den Erfahrungen mit dieser Waldnutzung genährt würden. »In Gettenbach standen Eichen, die waren Naturdenkmale, die hätten gar nicht gefällt werden dürfen«, klagte er.

Auch Laubner bereiten die Eichenbestände Sorgen. »Wir können unseren Kindern bald keine normale Eiche mehr zeigen.« Deshalb tröstet es sie auch wenig, dass Kraus schlecht gewachsene Bäume schützt. »In der Naturverjüngung haben wir mit der Eiche ein Problem«, räumte Kraus ein. Im Unterschied zur Buche ertrage sie zwar schwierigere Umweltbedingungen, doch sei sie durch Wildschäden besonders gefährdet. Weil man daher man im Unterschied zur Buche nicht darauf vertrauen könne, dass neue Bäume aus den Früchten des Bestands erwüchsen, seien in den letzten 25 Jahren mehr als 40 Hektar Eichenwald neu gepflanzt worden, betonte Kraus.

»Da hatte jeder seine eigene Vorstellung«, erkannte der Förster, dass die unterschiedliche Betrachtung des Waldes auch durch den gemeinsamen Waldbesuch nicht ausgeräumt wurde. »Hallenwälder, wie man sie früher hatte, gibt es heute nicht mehr.« Zuletzt habe der Sturm »Wiebke« sie geschädigt und ihre Verletzlichkeit gezeigt. Sie seien heute von der Forstwirtschaft nicht mehr gewollt. Ziel sei ein mehrstufiger Wald.

»Ich habe nicht mehr erwartet«, erklärte Laubner. »Hier wird keine nachhaltige Waldwirtschaft betrieben«, ist sie auch nach dem Termin sicher. Uhlmann sieht sich ebenfalls bestätigt, dass in großem Umfang Wald abgeholzt werde. Dem widerspricht Jürgen Faust, Vorsitzender des Naturschutzbunds in Hirzenhain, der auf Anregung Uhlmanns mitgekommen war. »Diese Nutzung des Waldes ist auf keinen Fall überzogen«, betonte er. »Wenn Raubbau gemacht wurde, war das der Fürst.« Die Nutzung des Büdinger Waldes geschehe offenbar nicht zur Sanierung des Haushalts. Auch der Revierförster betonte, die Wirtschaftlichkeit stehe bei der Arbeit des Forstamts nicht im Vordergrund. »Ich denke, dass ich denen die Angst genommen habe, der Wald würde bald verschwinden«, hofft er. (Foto: sax)

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Artikel vom 05.01.2010 - 12.00 Uhr
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