Bad Vilbel (aho). Mit dem Auftritt des Jörg Seidel Swing Trios ging die diesjährige Reihe »Jazz in den Stadtteilen« zu Ende. Die Musiker spielten am Dortelweiler Bahnhof zum Frühschoppen bei der Gemeinschaftsveranstaltung von Freiwilliger Feuerwehr und städtischer Kulturpflege.
Das Jörg Seidel Swing Trio spielt am Dortelweiler Bahnhof viele Klassiker der 1930er und 40er Jahre. (Foto: Hofmann)
Die für die Veranstaltungsreihe verantwortliche Annette Zindel-Strauß erklärte, die Sommerreihe habe sich inzwischen bei den Musikern herumgesprochen. Viele Künstler aus dem ganzen Land würden sich inzwischen bewerben. So kämen auch bekannte Musiker wie Jörg Seidel aus Bremerhaven nach Bad Vilbel. Der renommierte Jazz-Gitarrist beantwortete die WZ-Frage, wie er denn auf die Veranstaltung in der Quellenstadt aufmerksam geworden sei, augenzwinkernd: »Durch hartnäckiges Telefonieren mit Annette Zindel-Strauß, bis die Veranstalterin mürbe war und sagte: ›Um Gotteswillen, dann kommt eben und spielt bei uns.‹« Sie habe dann noch geklärt, für welche Veranstaltung in welchem Stadtteil Seidel passe und ob er mit einem Big-Band-Projekt, dem Trio oder einer anderen Formation komme, erzählte Zindel-Strauß. Zudem arbeite Seidel mit Bill Ramsey zusammen. Letztlich habe man sich aber für das Trio ohne Schlagzeug und für Dortelweil entschieden.
»Wir spielen schon seit 20 Jahren in dieser Ursprungsformation zusammen«, erklärte Seidel. Am Klavier saß der Bremer Joe Dinkelbach, und hinter dem Bass stand der Hamburger Gerold Donker. Nat King Cole, Oscar Peterson, Dean Martin oder zeitgenössichen Jazz von John Paul Pizzarelli jr. - den klassischen Swing der 30er und 40er Jahre spielte das Trio. Das Spiel ohne Schlagzeug sei »ein Alleinstellungsmerkmal«, so Seidel. Und man vermisse es kaum.
Zum Repertoire des Trios zählten zudem Titel von Sammy Davis jr., Burt Bacharach, Tony Bennett und fast vergessene Songs von Doris Day, Mel Tormé oder Julie London. Neben der hervorragenden Musik und seiner einschmeichelnden Singstimme begeisterte Seidel mit seiner Moderation und den kleinen Geschichten rund um die Stücke. Wie er sie für sich entdeckte oder wie sie entstanden. Zwischendurch erfuhren die Zuhörer auch ein wenig über einige Musiker, zum Beispiel Dean Martin. »Der ist der originärste des legendären ›Rat Packs‹ mit Frank Sinatra und Sammy Davis jr.«, sagte Seidel. Er spielte von ihm »Fly me to the Moon« und »Everybody loves somebody«.
Die Atmosphäre auf dem Alfred-Manassek-Platz am Bahnhof gefiel Seidel: »Das hat eher Frühschoppen- und Brunch-Charakter, die Leute unterhalten sich, aber applaudieren immer. Das zeigt, dass sie sich wohlfühlen und zuhören. Und wenn die S-Bahn kommt, muss der Bassist eben ganz schnell ein Solo spielen.«