Bad Vilbel (süd). Dort, wo die Nidda im Innenstadtbereich jetzt noch ein trapezförmiges Bett hat, keine Bäume an der Böschung stehen und sie keine Strömungsvielfalt aufweist, sollen bald kleine Inseln, ein flaches Ufer, Kiesbänke und Trauerweiden für einen naturnahen Fluss sorgen. Westlich der geplanten neuen Niddabrücke mit der Mediathek soll der Fluss in Höhe des heutigen Hallenbades aufgeweitet und für die Bevölkerung zugänglich gemacht werden. Einzelheiten dieser »ökologischen Aufwertung« auf einer Länge von rund 300 Metern erläuterten am Mittwoch im Rathaus Bürgermeister Dr. Thomas Stöhr, der Gewässerökologe Gottfried Lehr und Bauamtsleiter Erik Schächer. Finanziert wird das Projekt »weitestgehend« von der Gerti-Strohm-Stiftung von Dr. Hansgeorg Jehner.
So sah es früher an der Nidda aus: Trauerweiden im Bereich der alten Rathausbrücke. Diese Bäume sind zur Böschungsbepflanzung vorgesehen.
Rund sechs Kilometer Nidda und drei Kilometer am Erlenbach seien in den vergangenen 20 Jahren renaturiert worden, sagte Lehr. »Da bleibt nicht mehr viel übrig.« Den Bereich des Flusses zwischen Rathausbrücke und Kasseler Straße bezeichnete der Gewässerökologe als »schlechtesten Abschnitt«, der im Bereich ab der neuen Niddabrücke nun naturnah gestaltet werden soll. Stöhr sprach von einem »wichtigen Entwicklungsschritt«, im Rückblick auf die anderen Renaturierungsmaßnahmen an der Nidda von einer »Erfolgsgeschichte«, die in der Quellenstadt ihren Anfang genommen habe. Mitten in der Stadt solle mit der Aufweitung der Nidda, die teilweise fast doppelt so breit wird, wie sie heute ist, eine Naturnähe geschaffen und der Fluss für die Bevölkerung unmittelbar erfahrbar gemacht werden. Durch die Öffnung auf Kurparkseite werde dieser Bereich zudem aufgewertet, weil die Nidda in den Park einbezogen werde. Das sei heute aufgrund der steilen Böschung nicht so, erklärte auch Lehr.
Weil Leitungen verlegt oder Erde weggefahren werden muss, sprach der Gewässerökologe von einer »relativ teuren Maßnahme«, sie soll sich im sechsstelligen Bereich bewegen. In Höhe des Hallenbades werden zwei Uferbuchten geschaffen, Kiesbänke sollen Spielmöglichkeiten am Wasser bieten, Trauerweiden sind für die abgeflachte Böschung vorgesehen. Kleine Inseln sind mitten im Fluss geplant, auf der Südseite sollen mehrere Buhnen die Strömung umlenken. Sogenannte Rausche werden eingebaut. So wird ein Gewässerabschnitt mit höherer Fließgeschwindigkeit und Wasserturbulenz bezeichnet.
Der Radweg auf der Kurparkseite entfällt und wird mit dem heutigen Fußweg im Park zusammengelegt. Als Sitzgelegenheiten im Bereich der Aufweitung sind auch einfache rustikale Baumstämme vorgesehen. Bei allen Maßnahmen seien die Belange des Hochwasserschutzes berücksichtigt, betonte Lehr. Der naturnah gestaltete Fluss sehe dann viel schöner aus als die heutige kanalähnliche Nidda. Der Fachmann sprach bereits vom Biologieunterricht im Freien, wenn die Schüler das flache Ufer oder die Kiesbänke betreten und Fische beobachten oder Pflanzen bestimmen.
Im Rahmen dieses Projektes soll auch der Spielplatz hinter dem Hallenbad in Richtung des neuen Erlebnisbereiches verlegt werden.
Des Weiteren führte Lehr aus, dass die Mediathek aus gewässerökologischer Sicht die Nidda nicht beeinträchtige. Im Gegenteil, aufgrund fehlender Beschattung - es stehen keine Bäume im Bereich der Böschung - hätte eine Untersuchung ergeben, dass der Fluss »überwärmt« sei. Im Bereich der geplanten Mediathek könnten jedoch aufgrund des Hochwasserschutzes keine Bäume gepflanzt werden, weil diese den Querschnitt einengen würden. Deshalb dürften Bäume nur dort vorgesehen werden, wo das Profil breiter gemacht werde.
Der Gewässerökologe bezeichnete das Engagement der Gerti-Strohm-Stiftung, die auch die Renaturierung im Bereich des Gronauer Hofes trägt, als »Glücksfall für die Nidda«.
Stöhr betonte, die Arbeiten in Höhe des Hallenbades seien gleichzeitig als Ausgleichsmaßnahme für die Neue Mitte zu sehen und somit ein »Mosaikstein« der Innenstadtgestaltung.