Nachrichten Web
Sie sind hier: Startseite » Lokales » Städte und Gemeinden » Bad Vilbel »

»Tierpatenschaften sind eine ideale Lösung«

Artikel vom 16.07.2010 - 09.35 Uhr

»Tierpatenschaften sind eine ideale Lösung«

Bad Vilbel (cf). Aufmerksam beobachtete Xilla vom Hermsenberg, genannt Gini, die pensionierte Richterin Gundula Ort. Die eineinhalb Jahre alte Havaneser Hündin hatte ihre Halterin Heike Vogt in die Tierschutzsprechstunde der Juristin im Haus der Begegnung begleitet.
Während sich Gundula Ort (l.) mit Besucherin Gerda Proessler über artgerechte Hundehaltung austauscht, spricht ihr Ehemann Jost
Lupe - Artikelbild vergrössern
Während sich Gundula Ort (l.) mit Besucherin Gerda Proessler über artgerechte Hundehaltung austauscht, spricht ihr Ehemann Jost Diettrich Ort (hinten, r.) mit einem weiteren Besucher der Tierschutzsprechstunde im Haus der Begegnung. (Foto: Fauerbach)
Gini ist nicht das einzige Tier der Kernstädterin. Seit 1996 wohnt in ihrem Hühnerstall der weiße Erpel Charlie zusammen mit sechs Zuchttauben. Die gefiederten Freunde von Gini pflegte ihre Halterin gesund. »Rund 50 Enten fielen vor 14 Jahren einer Botulismus-Infektion im Ritterweiher zum Opfer. Das Bakterium lähmt das zentrale Nervensystem und die Enten ertranken. Charlie rettete sich ins Schilf. Ich fand ihn, nahm ihn mit nach Hause und pflegte ihn gesund«, berichtet die langjährige aktive Tierschützerin. Seither gehört der rund 17 Jahre alte Charlie zur Familie.

Bei Ort holte sich Vogt Informationen zum Tierschutzrecht: »Tiere sind abhängig vom Menschen. Bei vielen vermisse ich den Respekt vor den Tieren und der Natur. Immer wieder ärgere ich mich über Halter, die ihre Hunde in Wald und Feld frei herumlaufen lassen. Sie gefährden mit ihrem Fehlverhalten Wildtiere.« Bei Ort stieß die Kernstädterin mit ihren Ansichten und Anliegen auf offene Ohren: »Ich bin mit Tieren aufgewachsen. Peterchen, mein erster Kater, lief mir als Kind zu.« Zum Haushalt von Gundula und Jost Diettrich Ort gehören heute Kater Dimitri und Katze Bianca, Pudelmischung Ronja und sieben Meerschweinchen. »Ronja ist eine Strandstreunerin aus Teneriffa. Wir haben sie vor zehn Jahren aus einer Tötungsstation gerettet. Unsere Katzen und die Meerschweinchen haben wir beim ›Bund für Missbrauch gegen Tiere‹ geholt«, berichtete die 65-Jährige.

Seit Januar erfüllt sie sich jeden zweiten Sonntag im Monat mit ihrer kostenlosen Tierschutzsprechstunde einen lang gehegten Wunsch. »Die Sprechstunde richtet sich an jeden, der Fragen zur Tierhaltung und zum Tierschutz hat. Ich gebe Beratungen zum Kauf, zur Haltung und zum richtigen Umgang mit Hunden oder anderen Tieren. Auf Wunsch betreue ich die neuen Tierbesitzer auch eine Weile.«

In der Tierschutzsprechstunde gibt die in Vilbel lebende Juristin konkrete Tipps. »Generell empfehle ich, Tiere aus Tierheimen zu holen, um gewerbliche Zucht nicht weiter anzuheizen. Außerdem sind Tiere aus Heimen meist sozial sehr verträglich.«

Dies bestätigte auch Gerda Proessler. »Ich holte meinen Schäferhundmischling Lisa vor über zwölf Jahren aus dem Tierheim in Fechenheim. Damals als Begleiterin für eine andere Hündin, die nach dem Tod ihres Rüden sehr trauerte«, berichtete die Tierfreundin. Inzwischen sei Lisa allein. »Wenn sie stirbt, dann hole ich mir ein älteres Tier aus dem Tierheim. Schließlich bin ich selbst inzwischen über 60 Jahre alt, und da wäre ein Welpe nicht mehr das Richtige.« Ein großer Wunsch von ihr: »Schön wäre es, wenn Senioren ihre Tiere mit ins Altenheim nehmen könnten.« Dies sei bei privaten Einrichtungen inzwischen möglich, berichtete Ort.

An Interessenten verteilt sie an diesem Nachmittag Informationsmaterial zu unterschiedlichen Themen. Unter anderem an einen jungen Mann, der gegen die Zirkushaltung von Tieren ist. Kann sie eine Frage nicht selbst beantworten, vermittelt sie kompetente Gesprächspartner. Nebenbei sensibilisiert sie die Besucher über tierschonendes Verhalten. »Man kann als Konsument viel bewirken, indem man seinen Fleisch- und Fischkonsum überdenkt. Möchte man auf Fleisch nicht verzichten, sollte man Biofleisch aus artgerechter Haltung kaufen. Auch sollten nur Eier aus Freiland- und nicht aus Käfighaltung verzehrt werden. Beim Kauf von Kosmetik sollte auf tierversuchsfreie Produkte geachtet werden.«

Sorge bereitet der Juristin die prekäre finanzielle Situation vieler Tierhalter. Senioren mit kleinen Renten oder Arbeitslose könnten oft die Kosten für Futter, Medikamente und Behandlungen nicht mehr aufbringen. Sie geben ihre Tiere aus wirtschaftlichen Gründen ab. Deshalb rief sie die »Vilbeler Tierpatenschaften« ins Leben, die sie in ihrer Sprechstunde vermittelt. »Tierpatenschaften sind eine ideale Lösung, wenn jemand aus beruflichen Gründen keine Zeit für ein Tier hat, zu alt oder krank für ein eigenes Tier ist. Engagieren kann er sich, indem er einen finanziell notleidenden Tierhalter unterstützt.« Für solche Fälle sucht die Juristin Paten. Anfragen können an das Haus der Begegnung gerichtet werden, Koordinatorin Ulrike Greiner leitet die Anfragen an Ort weiter. Infos unter Telefon 0 61 01/9 83 30 44.

Artikel Drucken Drucken  Versenden
Artikel vom 16.07.2010 - 09.35 Uhr
Social Networks
Facebook Twitter studiVZ meinVZ schülerVZ MySpace  Del.icio.us
X Diesen Artikel versenden






* Bitte füllen Sie alle Felder aus.
Kommentar schreiben
Impressum Kontakt AGB Nutzungsbedingungen Datenschutz
TopSeitenanfang