Nachrichten Web
Sie sind hier: Startseite » Lokales » Städte und Gemeinden » Bad Vilbel »

Protest vor der Schlecker-XL-Filiale

Artikel vom 13.02.2010 - 02.00 Uhr

Protest vor der Schlecker-XL-Filiale

Bad Vilbel (cf). Von einer zweistündigen Protestaktion begleitet wurde am Freitag die Eröffnung des Schlecker XL-Ladens in der Frankfurter Straße 51-53. Gewerkschafter, Politiker der Linkspartei, Bürger und Mitarbeiter demonstrierten gegen »Dumpinglöhne, Leiharbeit statt Festanstellung, Kündigung der bisherigen Stammbelegschaft, Streichung von Urlaubstagen, Weihnachts- und Urlaubsgeld, Flucht aus dem gültigen Tarifvertrag sowie Profit auf Kosten der Steuerzahler«.
Gewerkschafter, Linke und Kunden protestieren am Tag der Neueröffnung des Schlecker XL-Marktes in der Frankfurter Straße 51-53.
Lupe - Artikelbild vergrössern
Gewerkschafter, Linke und Kunden protestieren am Tag der Neueröffnung des Schlecker XL-Marktes in der Frankfurter Straße 51-53. (Foto: cf)
Mit Flyern, Plakaten und Megafonen machten die Demonstranten Passanten und Kunden auf ihr Anliegen aufmerksam. Zu ihnen gehörte der Darmstädter ver.di-Sekretär Walter Busch-Hübenbecker, der in Hessen für Schlecker zuständig ist: »Bei den neuen XL-Märkten stellt Schlecker sein Vertriebsnetz vollständig zulasten der Angestellten um. Jede dieser Neueröffnungen kostet 20 Arbeitsplätze in den bisherigen Filialen. Bei den neuen Mitarbeitern handelt es sich um Personal, das nicht nach Tarifvertrag bezahlt wird. Die Einkommens- und Arbeitsbedingungen der neuen Mitarbeiter sind schlechter gestaltet als die der bisherigen. Die Niedriglöhne betragen pro Stunde ab 6,50 Euro, der Jahresurlaub ist auf vier Wochen reduziert, es gibt weder Weihnachts- noch Urlaubsgeld.«

Busch-Hübenbecker berichtete, dass sich Gewerkschafter bereits mit Schlecker-Vertretern in Düsseldorf zu einem Sondierungsgespräch trafen. Thema war, ob Verhandlungen für die neuen XL-Drogeriemärkte geführt werden. Die Schlecker-Beauftragten hätten signalisiert, sie würden in den neuen Läden unterhalb des Flächentarifvertrages bleiben. Sie könnten sich aber vorstellen, einen Sozialtarifvertrag abzuschließen. »Wir wollen, dass die Beschäftigten der XL-Läden in den Betriebsvertrag bei AS zu den bisherigen Arbeitsbedingungen eingebunden werden. Wir fordern Schlecker zum Abschluss eines Beschäftigungs- und Sozialtarifvertrages auf.«

Das neue Einkaufsflair in den größeren XL-Märkten wie in Bad Vilbel geht nach Gewerkschaftsangaben auf Kosten der Mitarbeiter und Steuerzahler. Schleckers neue Geschäftsstrategie funktioniert laut ver.di so: Der Konzern macht alte AS-Filialen (wie einige Wochen zuvor in der Frankfurter Straße 51-53, Anm. d. Red.) dicht und eröffnet neue XL-Märkte. Die Mitarbeiterinnen dort verdienen aber nur noch knapp halb so viel wie bisher.

Das Unternehmen benutze das Arbeitnehmer-Überlassungsgesetz, um Löhne zu drücken und Mitarbeiter in die Leiharbeit zu drängen. Dazu habe der Konzern für seine neuen Märkte eine eigenständige GmbH gegründet. »Damit wurde der Kündigungsschutz ausgehebelt, und für die neuen Großmärkte gelten nicht mehr die bisherigen Tarifverträge.«

Nach Angaben des Wetterauer Linken-Kreisvorsitzenden Manfred Bausung, der gestern ebenfalls an der Protestaktion in Bad Vilbel teilnahm, orientierten sich die Löhne in Schlecker-Filialen bisher am Einzelhandelstarif von durchschnittlich 12,71 Euro pro Stunde. Eine Leiharbeitsfirma habe an das Unternehmen bundesweit bereits 4300 Arbeiter vermittelt. Es fordere Mitarbeiter bei Einstellungsgesprächen auf, ihren Niedriglohn durch Hartz IV aufzustocken, so Bausung. »Es ist doch perfide, wenn der Steuerzahler das Lohndumping bei Schlecker subventioniert«, findet Maja Mosler, die Kundin bei AS in Frankfurt ist. »Schlecker gibt seinen Mitarbeitern weniger Geld und kann deshalb seine Waren zu Discountpreisen offerieren.«

Erfreut zeigten sich die Demonstranten von der positiven Reaktion der Bürger auf ihre Protestaktion. »Wir haben keine einzige negative Antwort erhalten. Die Leute wissen, dass es hier nicht gerecht zugeht.«

Eine Stellungnahme von der Schlecker-Zentrale, den Mitarbeitern im neuen XL-Laden oder vom Bad Vilbeler Bereichsleiter Schleicher war trotz mehrfacher Bemühungen der WZ-Mitarbeiterin nicht zu bekommen.

Artikel Drucken Drucken  Versenden
Artikel vom 13.02.2010 - 02.00 Uhr
Social Networks
Facebook Twitter studiVZ meinVZ schülerVZ MySpace  Del.icio.us
X Diesen Artikel versenden






* Bitte füllen Sie alle Felder aus.
Leserkommentare
(16.02.2010 08:03)
Avellania
Warum denn?
Ei warum denn Opa?
Die FDP kümmert sich doch um die Deppen der Nation, die wegen der sich im Luxus sonnenden Hartz IV-Empfänger so wenig verdienen. Nur die sind daran schuld.
Ironie aus
(15.02.2010 15:30)
opaauskarben
Schlecker
Der Inhaber ist sich der macht der Kunden nicht bewußt. Meidet die Schleckermärkte , geht dort nicht mehr einkaufen. Das ist die Art wie Herr Westerwelle sie haben möchte. Lasst die Finger von der FDP und wählt was anderes
(14.02.2010 19:04)
Avellania
Warum darf diese Firma das?
Es ist eine Sauerei.
Das alles passiert weil es die Gesetze zulassen.
Was beweist uns das?
Genauso will man es haben.
Lohnabstandsgesetz? Eine Lachnummer.
Statt Löhne zu erhöhen wird Hartz IV gesenkt.
Dann stimmt es wieder.
Pfui Deibel.
(13.02.2010 03:39)
bla
Bei Schlecker kaufen,
das möchte ich nicht!
Das solche Arbeitsverhältnisse möglich sind, liegt an den Fähigkeiten der politisch Verantwortlichen.
Was Deutschland braucht ist ein gesetzliches Mindesteinkommen von 1200 Euro NETTO, bei maximal 160 Stunden im Monat!
Da braucht dann auch kein Arbeitnehmer sein Gehalt mit "Hartz4" aufzustocken.
"Mehr Brutto vom Netto" - da muss halt auch das Brutto stimmen!
Weiter so, dann haben wir in Deutschland bald "griechische Verhältnisse"!
Kommentar schreiben
Impressum Kontakt AGB Nutzungsbedingungen Datenschutz
TopSeitenanfang