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Politisches Kabarett mit Florian Schröder

Artikel vom 11.03.2010 - 20.30 Uhr

Politisches Kabarett mit Florian Schröder

Bad Vilbel (aho). »Du willst es doch auch« heißt das aktuelle Programm, mit dem der Kabarettist Florian Schröder derzeit durch die Lande zieht. Dabei überschreitet er permanent und nach beiden Seiten die Grenze zwischen Comedy und politischem Kabarett, ohne je abzustürzen. Dass es der Alten Mühle gelang, diesen bundesweit gefragten Künstler auf ihre Bühne zu bekommen, kann man nur als gelungen Coup bezeichnen.
Seine Spitzen sitzen: Florian Schröder in Aktion.	(Foto: aho)
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Seine Spitzen sitzen: Florian Schröder in Aktion. (Foto: aho)
Schnell wurde klar, warum Schröder politisches Kabarett macht: »Ich bin Fan dieser Regierung. Das Komikerpotenzial ist so hoch, wie man es als Kabarettist nie geglaubt hätte.« Deshalb hangelt er sich gnadenlos eng an der aktuellen Tagespolitik entlang. Die Spenden für Vorträge vom CDU-Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers zogen ebenso Schröders Aufmerksamkeit auf sich, wie die Debatte um die Daten-CD von Steuerhinterzieher. Allerdings werde Baden-Würtemberg keine solche Steuer-CD kaufen, sondern eine mit den 100 besten auf Englisch gehaltenen Reden des heutigen EU-Kommissars und ehemaligen Ministerpräsidenten Günther Öttinger, verkündete der Kabarettist. In dieser Rent-a-Ministerpräsident-Affäre und mit Blick auf »Mövenpick«-Geschichte um die Freidemokraten werde der Unterschied der Berliner Koalition klar: »Politiker mieten: CDU. Politiker kaufen: FDP.«

Zwischendurch zog er eine Verbindung zwischen dem Besuch des um finanzielle Hilfe Suchenden Griechischen Regierungschefs Giorgos Papandreou bei Kanzlerin Merkel und dem nur 24 Stunden später erfolgten Überfall auf das Berliner Poker-Turnier. »Wenn der’s nicht war, wer dann?« fragte Schröder rhetorisch. Allerdings traue er auch Johannes B. Kerner diesen Überfall zu, damit der sich in seiner nächsten Sendung quotenträchtig selbst interviewen könne.

Zum »besten Rücktritt seit langem«, dem von Margot Käßmann, konnte Schröder nur den Kopf schütteln. »Bei 1,54 Promille geht das Gefummel in der katholischen Kirche doch erst los«, spannte er den Bogen zu den immer zahlreicheren Missbrauchs-Skandalen. Angesichts der Querelen in der Koalition müsse sich Merkel wohl die Große Koalition zurückwünschen, mutmaßte Schröder und ließ seine Kanzlerin-Parodie den Herrn Steinmeier zum Abendessen einladen: »Ackermann kommt auch.« Dieweil mache sich Müntefering wieder fit fürs Comeback als SPD-Vorsitzender in zwei Jahren, »wenn die Partei wieder so richtig am Ende ist«.

Nachdem er die politische Karriere des derzeit unvermeidlichen Guido Westerwelles vom Jung-Liberalen bis zum Außenminister nachvollzogen hatte, lästerte Schröder: »Er lebt sei 20 Jahren vom Staat, ist also eine Art FDP-Hartz-IV-Empfänger.« Seine bösartigen Politiker- und Showgrößen-Parodien - unter anderem Wolfgang Schäuble, Roland Koch, Ottfried Fischer oder Matthias Riechling - gehören zum Besten, was auf diesem Markt zu finden ist. Aber noch stärker wurde er, als er sich zur »Generation imM - irgendwas mit Medien« und deren multimedialen Lifestyle ausließ. Das ist Kabarett vom Besten. Denn er beschimpft nicht nur jene oberflächlichen »Jungen«, sondern auch eine gnadenlose Gesellschaft, die diesen Jung-Dynamischen im Prinzip kaum eine Chance lässt.

Der »Literatur-Plagiats-Skandal« um die inzwischen 18-jährige Helene Hegemann wird bei Schröder eigentlich zum Kritiker-Skandal. Und die »G8«-Schulreform »G8« - nebst »Bachelor«-Abschluss an den Universitäten - lasse nur einen Schluss zu: »Wir müssen sehen, dass die jungen Leute noch schneller auf den Arbeitsmarkt kommen, auf dem sie so garantiert keiner braucht.« Das hat gesessen.

Im Lauf des Abends findet sich eine Antwort auf die Frage, was der Titel »Du willst es doch auch« eigentlich mit politischem Kabarett zu tun habe. Denn Florian Schröder verführt fast zwei Stunden immer wieder: zum Nachdenken, nämlich. Und wenn man ihm bei seinen schnellen Gedankengängen und vielfachen -sprüngen doch folgen konnte, spendete Schröder gern Trost: »Ein gewisses Maß an Unverständnis ist notwendig, damit Bewunderung möglich wird.« Die wird ihm niemand verwehren.

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Artikel vom 11.03.2010 - 20.30 Uhr
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