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Meerforellen haben den Heimweg gefunden

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Artikel vom 28.11.2012 - 12.15 Uhr

Meerforellen haben den Heimweg gefunden

Bad Vilbel (lk). Die Meerforelle laicht im Erlenbach bei Massenheim. Das ist eine kleine Sensation, zumindest für Gewässerökologe Gottfried Lehr. Vor einigen Jahren hatten die Mitglieder der Interessengemeinschaft Nidda, der Notgemeinschaft Usa und des Verbands hessischer Fischer Tausende Meerforellen in Usa und Nidda gesetzt.

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Setzen sich für die Wiederansiedlung von Meerforelle, Elritze und Co. ein (v. l.): Marco Weller von der Interessengemeinschaft Nidda, Rjurik Nentwig, Präsident des Verbandes Hessischer Fischer, Gewässerökologe Gottfried Lehr und Wolfgang Heisig von der Notgemeinschaft Usa. (Fotos: Kaufmann)
»Vor fünf Jahren wurde die Idee geboren, die Meerforellen wieder anzusiedeln«, erinnert Gewässerökologe Gottfried Lehr am Dienstag während eines Pressetermins, bei dem er seinen »Sensationsfund« zeigt: Im Kiesbett im Erlenbach bei Massenheim zeigt er an zwei Stellen auf Gruben. Diese stammten von Meerforellen, die vor einigen Jahren ausgesetzt worden seien. Die Fische hätten dort ihre Eier abgelegt. »Wir haben die ganze Zeit gewartet, ob die Viecher zurückkommen«, sagt Lehr lachend und sichtlich froh darüber, dass die Tiere den Heimweg gefunden haben.

Lehr war in den vergangenen Tagen immer wieder am Ufer des Erlenbachs entlanggelaufen, auf der Suche nach Laichgruben. Auch Wolfgang Heisig von der Notgemeinschaft Usa hatte sich zwischen Bad Nauheim und Friedberg auf die Suche nach den Kinderstuben der Meerforellen gemacht und tatsächlich eine »drei bis vier Meter lange Laichgrube« gefunden. Die Eier der »Nidda-Lachse«, wie Lehr die Fische nennt, lägen dort bis zu 150 Tagen und auch die Larven blieben noch einige Zeit im heimischen Gewässer, bevor sie sich auf die Reise machten. In den Main, den Rhein, die Nordsee, nach Norwegen oder Island, würden die Tiere schwimmen. Im Meer gebe es bessere Nahrung für die Fische, die dort an Gewicht zulegten.

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Gottfried Lehr
Dass Meerforellen zurückgekehrt seien, läge unter anderem daran, dass die Stadt Frankfurt ihre Staustufen während der Wanderzeit der Fische im Frühjahr und Herbst abgesenkt habe, weiß Lehr, der daran erinnert, dass an dem Wiederansiedlungsprojekt der Wetteraukreis, die Städte Bad Vilbel und Frankfurt sowie der Getränkehersteller Hassia mitgewirkt hätten. Der Kreis habe rund 20 000 Euro für die Fische gegeben, die bereits in Usa und Nidda eingesetzt worden seien oder es noch würden. Insgesamt rund 30 00 Meerforellen gebe es für das Geld. Die Tiere kämen vom Lachszentrum Hasper Talsperre in Nordrhein-Westfalen. Bad Vilbel und die Hassia hätten eine Machbarkeitsstudie in Höhe von 6000 Euro bezahlt, die Stadt Frankfurt 3000 Euro zum Projekt beigesteuert, das wissenschaftlich vom Land Hessen begleitet werde. Lehr erinnert daran, dass vor 20 Jahren Barben angesiedelt worden seien, die heute wiederkämen, auch Elritze und Nase – Fische, die einst auf der Roten Liste standen – seien inzwischen wieder in den heimischen Bächen anzutreffen. »Wir sehen hier eine Renaissance von Fischarten.«

»Fische sind geschützt«

Durch das Absenken der Wehre sei die Durchgängigkeit der Gewässer wieder hergestellt, die Fische könnten wandern. Angler dürften die Meerforellen nicht entnehmen, sie seien im Binnengewässer ganzjährig geschützt. Zudem seien die Tiere markiert worden, man habe ihnen die Fettflosse abgeknipst, sagt Lehr. Bleibt noch das Risiko, dass die Fische in den Turbinen von Wasserkraftwerken verenden. Zwei von ihnen passieren die Meerforellen auf ihren Wanderwegen von Usa und Erlenbach ans Meer und zurück: Das Kraftwerk in Eddersheim und das in Kostheim.

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Artikel vom 28.11.2012 - 12.15 Uhr
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