Bad Vilbel (cf). Wer mit der Sense mäht, arbeitet mit sich und der Natur im Einklang. Das spürten die sieben Teilnehmer des ersten »Tatorts« auf dem Dottenfelderhof zum Thema »Mit der Sense mähen lernen« schnell. Sie selbst und keine Maschine bestimmten Rhythmus und Tempo ihrer Arbeit. Unter der professionellen Anleitung von Diplom-Geograf Bernd Schmehe erlernten die Teilnehmer auf einer blühenden Sommerwiese die Technik der alten Handwerkskunst.
Bernd Schmehe zeigt, wie man mit dem nassen Wetzstein den Bart des Sensblattes vom Schaft bis zur Spitze schärft. (Foto: Fauerbach)
Das Mähen mit der Sense gehört wie die Pflege weiterer alter Kultur- und Handwerkstechniken zu den Hobbys des 35-jährigen Schmehe, der in der Getreidezüchtung des Dottenfelderhofes arbeitet. Zum Programm am Samstag gehörte eine kurze theoretische Einführung. Am Beispiel verschiedener Sensen und Sensbäume erläuterte er, welches Modell sich am besten für verschiedene Schnittgüter wie Wiese oder Unterholz und bestimmte Landschaftsformen eignet. Man unterscheidet beispielsweise zwischen Land-, Garten-, Wald-oder Schleifsensen. Die Längen der Sensblätter variieren von 50 bis zu 90 Zentimetern. Kurze Sensen eignen sich zum Mähen von Böschungen, Gräben und Rasenkanten. Große ebene Flächen lassen sich am besten mit langen Blättern mähen. Doch Vorsicht: Je länger das Sensblatt ist, desto anstrengender ist die Tätigkeit.
Zum Schnupperkurs gehörte neben der Vermittlung der richtigen Technik auch das Dengeln und Wetzen des Sensblattes. »Die perfekte Sense ergibt sich aus einer feinen Abstimmung zwischen Sensenmodell, Sensenwurf, Schnittgut, Landschaftsform und Größe des Mähers«, erklärte Schmehe. »Mit der richtigen Technik ist das Mähen mit der Sense kein Problem. Beste Zeit zum Sensen ist der frühe Morgen, wenn der Tau auf dem Gras liegt.«
Der Theorie ließ Schmehe die Praxis folgen. Er zeigte seinen Schülern, wie das Mähen mit dem ergonomisch perfekt gebogenen Schneidwerkzeug funktioniert. Geschickt führte er das lange Sensblatt mit einem kurzen Schwung im Halbkreis durch das hohe Gras. Was beim Fachmann so einfach aussah, erwies sich bei den anderen Teilnehmern schnell als schwieriges Unterfangen. Mit Schwung führten sie ihre Sensen ins Gras. Doch die Spitze der Sense sauste nicht durch das Gras, sondern in den Wiesenboden, wo sie stecken blieb. Bei anderen Mähschülern bogen sich die filigranen Gräser elegant im Wind zur Seite.
Abgemäht wird nur der obere Teil der Grashalme, Wiesenkräuter und Blumen. Der Rest bleibt stehen. »Übung macht den Meister«, tröstete Schmehe und zeigte, wie der Sensbaum richtig gehalten wird und wie der Bewegungsablauf aussieht.
»Man macht es, ohne es zu können, und weiß nicht, warum es nicht klappt. Nach einigen Schwüngen hat man keine Lust mehr«, meinte Albrecht Otto. Der Büdesheimer senst seine nicht Rasenmäher gerechten Ecken im Garten. Und war bisher immer schnell erschöpft. »Richtiges Sensenmähen bewegt den ganzen Körper«, erklärte Schmehe. »Gemäht wird nicht mit der Kraft der Arme, sondern mit Schwung aus der Hüfte heraus. Der Oberkörper bleibt aufrecht, die Knie werden leicht gebeugt.«
Aufmerksam hörte die Vilbelerin Beate Ochs zu: »Ich habe einen großen Garten gepachtet. Dessen Wiese will ich sensen.« Schmehe korrigierte ihre gebeugte Haltung und zeigte ihr, dass sie die Griffe beim Wurf locker in der Hand liegen haben soll. Bei Otto korrigierte der Fachmann zwei Fehler. Zum einen war der Sensbaum für ihn zu kurz, zu zweiten sein Sensblatt stumpf. Es musste gedengelt und gewetzt werden. »Voraussetzungen für effektives und leichtes Mähen sind gut geschärfte Sensen«, erläuterte der Fachmann.