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Auf den Spuren jüdischer Mitbürger

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Artikel vom 15.09.2010 - 06.45 Uhr

Auf den Spuren jüdischer Mitbürger

Bad Vilbel (cze). Bei der Stadtführung »Jüdisches Leben in Bad Vilbel« wird den 13 Teilnehmern eines gleich völlig klar: Die Geschichte der jüdischen Bad Vilbeler Bürger ist zu vielschichtig, um sie in 90 Minuten darzustellen.
Stolpersteine vor dem Haus des jüdischen Frauenarztes Dr. Jakob Theodor Szametz erinnern an die Verfolgung durch den Nationalsoz
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Stolpersteine vor dem Haus des jüdischen Frauenarztes Dr. Jakob Theodor Szametz erinnern an die Verfolgung durch den Nationalsozialismus.
Und es wird deutlich, die Juden, die im 19. Jahrhundert bis hin zur Zeit des Nationalsozialismus in der Quellenstadt lebten, waren bei der christlichen Bevölkerung geachtet und gesellschaftlich voll integriert. Die wenigen, die bis heute in Erinnerung blieben, haben sich vehement für das Wohl ihrer Mitmenschen eingesetzt.

Am Brunnen- und Bädermuseum begrüßt Goar Laupus – selbst Russin, aber nicht jüdisch – am Sonntagnachmittag zwölf Damen und einen Herrn, die ihr auf dem Rundgang durch die Vergangenheit folgen wollen. Durch die Lohstraße geht es hinauf zum Gronauer Weg. Ziel ist der jüdische Friedhof. Klein ist er, unauffällig und verwildert. Erst bei genauem Hinsehen entdeckt man die Religionssymbole siebenarmiger Leuchter und Davidstern auf den Türen des eisernen Tores. »Erst 1845 nach zähem Ringen mit der evangelischen Gemeinde konnte das Grundstück für den jüdischen Friedhof erworben werden«, erklärt Laupus.

Strenge Auflagen waren zu beachten, die von den Traditionen der Christen abweichen: »Ein jüdischer Friedhof ist für die Ewigkeit angelegt. Die Toten müssen am ersten Tag nach Eintritt des Todes in weiße Tücher gehüllt mit den Füßen nach Osten bestattet werden. Auf ihre Reise ins Jenseits legt man ihnen eine Handvoll Erde aus Israel, und ihre Ruhe darf niemals gestört werden.«

Die jüdische Grabstätte umfasst etwa 60 Gedenksteine aus Sandstein oder Granit. Ohne Einfassung stehen sie in unregelmäßigen Reihen in der Wiese und tragen hebräisch-deutsche Inschriften. Namen wie Hermann Strauss, Moses Goldberg, Regine Schoenfeld oder Josef Stern verweisen auf die Zeit von Anfang bis Ende des 19. Jahrhunderts.

Heute ist die jüdische Ruhestätte ein Denkmal. »Schon vor Jahrhunderten gab es Juden in Bad Vilbel, doch schriftliche Erwähnung finden sie erstmals zu Anfang des 18. Jahrhunderts«, berichtet die Stadtführerin. »Bis 1887 besaßen sie in Deutschland fast keine Bürgerrechte: Sie durften nicht wählen, keiner Zunft angehören, nur wenige Berufe ausüben. Ihre Wohnungen wurden meist außerhalb des Stadtzentrums in einem sogenannten Ghetto angesiedelt – zwischen zwei Stadtmauern.«



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Artikel vom 15.09.2010 - 06.45 Uhr
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