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04.02.2010 - 20.37 Uhr
Raubüberfall: 34-jähriges Opfer hatte Todesangst
Bad Nauheim/Gießen (ti). »Ich hatte Angst, dass sie mich umbringen«, sagte der 34-jährige Friedberger im Zeugenstand. Eigentlich war er mit seinen drei frisch gebackenen »Freunden« in der Nacht zum 4. Februar vergangenen Jahres auf dem Weg von einer Bad Nauheimer Kneipe in die nächste, als seine Begleiter ihn plötzlich überfielen und beraubten. Am Karlsbrunnen wurde er im Genick gepackt, zu Boden gedrückt und seines Portemonnaies beraubt.
Doch die 30 Euro darin waren den Männern zu wenig, er wurde geschlagen und musste von seinem Konto weitere 200 Euro abheben. Wegen Raubes, gefährlicher Körperverletzung und Freiheitsberaubung müssen sich die drei Täter, heute 19, 21 und 24 Jahre alt, seit Donnerstag vor der Ersten Großen Strafkammer des Gießener Landgerichts verantworten. Zum Prozessauftakt räumten die drei Angeklagten die Vorwürfe im Wesentlichen ein.
Laut Staatsanwaltschaft packte der 24-jährige D. - »der Boss«, wie ihn der Geschädigte nannte - den Friedberger und drückte ihn zu Boden. Der 21-jährige F. zog ihm das Portemonnaie aus der Tasche. Als die Täter sahen, dass sich darin nur 30 Euro befanden, schlug D. dem Opfer ins Gesicht. »Danach war ich benommen«, erinnerte sich der Geprügelte.
Die in der Geldbörse befindliche EC-Karte habe die Angeklagten auf die Idee gebracht, sich mithilfe des Girokontos ihres Opfers zu bereichern. Laut Oberstaatsanwältin Christina Kreis forderte F. die Herausgabe der Geheimnummer, und D. drohte dem 34-Jährigen mit dem Tod. Sie zwangen ihn, am Bankautomaten Geld abzuheben, während sie sich - um der Videoaufzeichnung zu entgehen - vor der Filiale des Kreditinstituts versteckten. Sein Mobiltelefon nahmen sie ihrem Opfer ab, damit es nicht um Hilfe rufen konnte.
Nach Angaben des 34-Jährigen hatten ihn seine Peiniger dann erneut in die Grünanlage am Karlsbrunnen getrieben, wo er zunächst gefesselt, später aber doch freigelassen wurde. Nachdem sie sich lustig darüber gemacht hätten, dass er so einfach alles herausgebe, sei gesagt worden: »Jetzt kannst Du gehen.« Der 19-jährige P. sei zu diesem Zeitpunkt aber nicht mehr dabei gewesen. Wann sich dieser Angeklagte von der Gruppe entfernt hatte, blieb gestern unklar. Er selbst sagte aus, er sei gar nicht mehr mit zur Bank gegangen. »Da war ich wirklich nicht dabei.« Bereits als auf den 34-Jährigen eingeschlagen worden sei, habe er die beiden anderen Täter aufgefordert, aufzuhören. »Irgendwann war mir das zu blöd, da bin ich gegangen.«
Sein Kumpel D. allerdings behauptete von Anfang an, P. sei mit zum Geldautomaten gegangen und erst später »irgendwann zum Auto gerannt«. Allerdings hatte »der Boss« zuvor nicht gerade durch Glaubwürdigkeit auf sich aufmerksam gemacht.
Behauptete er zu Prozessbeginn noch, von der Aktion in der Bank aufgrund seines massiven Alkoholkonsums an jenem Abend überhaupt nichts mehr zu wissen (auch sonst legte er erhebliche Erinnerungslücken an den Tag), räumte er später ein, dass die Anklage richtig sei. »Ich wollte das irgendwie schön reden« - aus Angst vor dem Gefängnis.