Bad Nauheim (bf). Die Sonne strahlt vom Himmel, wie es sich für den ersten Tag der Lichtkirche auf dem Goldsteingelände gehört. Doch mit dem symbolischen Spatenstich wird es nichts. Wolfgang Weinrich, der für die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau das Landesgartenschauprojekt Lichtkirche leitet, stochert erfolglos im Boden und konstatiert: »Noch zu hart gefroren.«
Das Lichtkirchenteam Wolfgang Weinrich (2. v. l.) und Landesgartenschaupfarrerin Anja Schwier (Mitte), Architekt Jens Gommel (3.v.r.) mit Planern und Handwerkern auf dem Goldsteingelände.
Landesgartenschaupfarrerin Anja Schwier greift darum entschlossen zum symbolischen Holzbalken. Im Grunde passt das auch viel besser zum Aufbau des mobilen Kirchengebäudes als ein Spaten. Es gibt nämlich gar kein Fundament, für das Erde ausgehoben werden müsste. Nur ein bisschen Schotter ist zu sehen, darauf ein Rechteck aus Holz, das den Umriss der Kirche nachzeichnet. Ein kleiner Lieferwagen parkt davor - alles, was die beiden Zimmerer für heute brauchen, passt auf den 3,5-Tonner. Denn sämtliche Bauteile der Lichtkirche sind so bemessen, dass sie mit relativ kleinen Fahrzeugen transportiert und von zwei Menschen getragen werden können.
Es ist erst elf Uhr morgens und die Grundlinien des 13 Meter langen und 4,30 Meter breiten Gebäudes sind schon zu erkennen. In einer Woche soll der ungewöhnliche Sakralbau aus Holz stehen, mehr als maximal fünf Menschen und das kleine Auto braucht es nicht für den Aufbau. Die Konstruktion besteht aus 14 hintereinander stehenden Rahmen aus unbehandeltem Nadelholz. Die einen Meter breiten Felder zwischen den Holzrahmen sind mit satinierten Acrylglasplatten gedeckt, durch die das Licht hindurchscheinen kann.
Trotz dieser leichten Materialien müssen insgesamt rund 15 Tonnen Gewicht bewegt werden, bis die Kirche steht. »Doch elf Tonnen davon sind nur Ballast«, erklärt Jens Gommel, der zusammen mit Lukas Hundhausen im Team von Prof. Thomas Zimmermann an der Frankfurter Fachhochschule die mobile Kirche entworfen hat. Am Boden der Kirche befindet sich nämlich ein Stahlrahmen, in den Stahlbetonfertigteile als Beschwerung eingepasst werden. Dieser »Trick«, so Gommel, erlaubt es, die Kirche auch ohne Fundament zu erstellen. Das ist wichtig, denn nur so ist es möglich, den mobilen Bau auch auf denkmalgeschützten Flächen zu errichten. Doch das ist Zukunftsmusik. Bis zum 3. Oktober ist die Lichtkirche erst einmal den Bad Nauheimern und den Besuchern der Landesgartenschau vergönnt: als heller, sonnendurchfluteter Raum von meditativer Schönheit am Tage, als Leuchtspektakel in allen Regenbogenfarben bei Nacht.