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Stromausfall: Defekte Geräte und Umsatzminus

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Artikel vom 02.07.2013 - 11.33 Uhr

Stromausfall: Defekte Geräte und Umsatzminus

Bad Nauheim (bk). Schäden im hohen sechsstelligen Bereich dürften durch den Stromausfall am Freitag verursacht worden sein, von dem 20 000 Kunden betroffen waren. Wer dafür aufkommt, ist offen, Versicherungen dürften sich darüber die Köpfe zerbrechen. Am gravierendsten schlagen sicherlich Umsatzeinbußen in Firmen zu Buche – ob es dafür überhaupt einen Ausgleich gibt, ist fraglich.

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Rund 30 Jahre alt, »50 Jahre plus x« sollen sie eigentlich funktionieren: zwei der defekten Kabelstücke. (Fotos: nic)
In der Stadtwerke-Chefetage ist die Analyse des Blackouts der Stromversorgung noch im Gange, wie Geschäftsführer Dr. Berndt Hartmann am Montag im Rahmen einer Pressekonferenz sagte. Bei noch so guter Vorsorge seien solche Ereignisse nicht völlig auszuschließen. »Ein Sechser im Lotto ist wahrscheinlicher als ein fast zeitgleicher Defekt in zwei Hauptstromkabeln.«

Sind Lebensmittel in der Tiefkühltruhe verdorben, ist ein Elektrogerät defekt, könnte die Hausratversicherung einspringen, meinte Stadtwerke-Chef Hartmann. Ähnliche Versicherungen dürften Supermarkt-Filialen, Apotheker oder Eisdielen haben. »Bevor die zahlen, werden sie sich erst mal an die Stadtwerke wenden«, sagte Ovag-Vorstand Rolf Gnadl, der ebenfalls am Pressegespräch teilnahm. Die Haftpflichtversicherung des Bad Nauheimer Versorgers würde aber nur einspringen, wenn fahrlässiges Verhalten vorliege. »Das kann wohl ausgeschlossen werden. Letztlich handelt es sich um höhere Gewalt«, betonte Gnadl.

Skeptisch in Sachen Schadenersatz zeigte sich auch Bürgermeister Armin Häuser. Wie er auf Anfrage erklärte, sei der Blackout nicht auf Fehlverhalten zurückzuführen. »Versicherungstechnisch wäre es am einfachsten, wenn ein Bagger Leitungen gekappt hätte. Das ist aber ebenso wenig der Fall wie ein Fehler bei den Stadtwerken«, sagte Häuser. Umsatzeinbußen seien nicht genau zu beziffern. Rechnet man diese Verluste dazu, geht er von Schäden in sechsstelliger Höhe aus. Ein Beispiel: Im Max-Planck-Institut müssen Geräte im Wert eines niedrigen fünfstelligen Betrags erneuert werden.

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Sieht keine Fehler im Krisenmanagement: Dr. Berndt Hartmann.
Geschäftsführer Hartmann sowie die fürs Stromnetz verantwortlichen Experten Alfred Kraus (Ovag) und Thomas Heß (Stadtwerke) gingen auf technische Details ein. »Um die Kernstadt und Nieder-Mörlen zu versorgen, reichen zwei Hauptkabel aus. Vom Ovag-Umspannwerk führen drei nach Bad Nauheim, zwei davon sind ausgefallen – vermutlich aufgrund von Erdverdichtungen oder Quetschungen, die vor etlichen Jahren bei Bauarbeiten entstanden sind, aber erst jetzt ihre verheerende Wirkung gezeigt haben«, sagte Kraus. Außerdem gebe es ein Kabel für die Wettertal-Stadtteile, die ebenso nicht betroffen waren wie Teile des Goldstein-Gebiets, und eine Reserveverbindung. Nach dem fast zeitgleichen Defekt in den zwei Hauptleitungen sei es zu einer Kettenreaktion gekommen, von der alle Sicherungen im Stadtgebiet betroffen waren. Außerdem sei es zu drei weiteren Kabeldefekten gekommen.

Arbeitszeit: Gut 24 Stunden

»30 Mitarbeiter der Stadtwerke sowie gut 20 Angestellte von Ovag, Tiefbau- und Elektrofirmen waren mit Reparatur und Netzaufbau beschäftigt«, berichtete Hartmann. Den Bürgern sei diese Mammutaufgabe schwer zu vermitteln. Einige Zahlen: Das Personal musste 100 Verteilerkästen, 400 Kabelverteiler und 10 000 Sicherungen kontrollieren. Als die Verantwortlichen am Freitag Licht am Ende des Tunnels sahen, sorgte der Ausfall einer Sicherung im Lee Boulevard um 20.55 Uhr für einen erneuten Stromausfall in der Kernstadt. Hartmann: »Wir mussten wieder bei null anfangen.«



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Artikel vom 02.07.2013 - 11.33 Uhr
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Leserkommentare
(04.07.2013 09:24)
mech952
Lob...
Für gewisse Leute ist ein Lob angebracht. Jedoch nicht für die, die nur Ihren Job machen...und Geld dafür bekommen. Loben muss man da nichts!
Bad Nauheim hat eine große Entwicklungsphase verschlafen...und damit meine ich nicht nur den Stromausfall
(03.07.2013 17:55)
kall
Lob an die Helfer
ich möchte bei all´ der Schimpferei mal ein Lob an alle aussprechen, die während es Stromausfalls, zum Teil bis zum frühen Morgen ihren Dienst (oft nach einem 8-Stunden-Tag) erledigt haben. Die Rettungsorganisationen (Feuerwehr, JUH, DRK, ...) waren sofort da und haben geholfen, wo es nötig war. DANKE
(03.07.2013 10:08)
Bad Nauheim bewegen
Höhere Gewalt Teil II
Als Bad Nauheimer können wir jetzt nur noch auf die Versicherungswirtschaft zählen; nicht, weil die so menschenfreundlich wären.
Im Gegenteil: Sie sind die einzigen Akteure, die ein ernsthaftes Interesse an einer Aufklärung der Fehlerkette haben und ein ganzes Heer an Sachverständigen einschalten werden.
Stellen diese fest, dass die Fehlerkette ursächlich bei den Stadtwerken liegt sind die Versicherer raus und die Stadtwerke müssen für ihre Fehler gerade stehen.
Sollten die Sachverständigen wider Erwarten die Stellungnahmen von Hartmann, Gnadl und Häuser bestätigen würden die Versicherer für den Schaden aufkommen.
Nur eines steht fest: Bis zu einer möglichen Aufklärung der tatsächlichen Hintergründe des Blackout werden mehrere Jahre ins Land ziehen und alle Betroffenen, vor allem diejenigen, denen materieller Schaden entstanden ist werden "in die Röhre schauen".
Derweil die Stadtwerke weiterhin ihre Preise erhöhen, die Gewinne sprudeln und die Boni von Hartmann und Co. steigen werden.
(03.07.2013 10:02)
Bad Nauheim bewegen
Höhere Gewalt als ...
... Synonym für Nachlässigkeit, mangelhafte Wartung, unzeitgemäße Messwerterhebung, Kontrollverlust, Überforderung, Organisationsverschulden, Versagen des Managements? Man darf gespannt darauf sein, ob das die Versicherer und Rückversicherer genauso einschätzen werden...
Bemerkenswert sind die Aussagen dreier Herren, die sich ansonsten nicht immer "grün" sind, hier aber in aller Eile den Schulterschluss üben:
GF Hartmann: »Ein Sechser im Lotto ist wahrscheinlicher als ein fast zeitgleicher Defekt in zwei Hauptstromkabeln.« (Aha, der Leitungsausfall lag also bei einer Wahrscheinlichkeit von ca. 1:140.000.000... Herr Hartmann hat wohl schon in der Schule seine Hausaufgaben nicht gemacht).
Der ehemalige Landrat Gnadl (SPD): Die Haftpflichtversicherung des Bad Nauheimer Versorgers würde aber nur einspringen, wenn fahrlässiges Verhalten vorliege. »Das kann wohl ausgeschlossen werden. Letztlich handelt es sich um höhere Gewalt« (Aha, man weiß noch nicht woran es lag, aber "fahrlässiges Handeln lässt sich ausschließen..."; Fazit bereits vor der Analyse - I love it...)
BM Häuser (CDU): Wie er auf Anfrage erklärte, sei der Blackout nicht auf Fehlverhalten zurückzuführen. (Aha, auch hier weiß jemand schon genauestens Bescheid, bevor die Untersuchungen abgeschlossen und alle Messwerte ausgewertet wurden).
(03.07.2013 09:39)
mech952
Wartungen der Kabel
Mich würde mal interresieren ob die Protokolle der Watungen mit
Messergebnissen vorhanden sind. Und wenn ja würden mich die Messwerte mal
interresieren. Was für ein Ergebniss entstand bei der Riso, Zk Messung???
Wurde eine grafische oder tabellarische Übersicht mit der Entwicklung der Werte aufgestellt? Es wird wirklich Zeit das die alten Hasen
mal einsehen das es neue organisatorische Systeme für eine Früherkennung
gibt... Am besten man lässt mal das junge und dynamische Volk dran...
(03.07.2013 08:12)
Franzi67
Höhere Gewalt?
Da bin ich mal gespannt, ob die Versicherungen sich nicht mit höherer Gewalt rausreden.
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