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Starker Einsatz für starke Kinder

Artikel vom 21.12.2008 - 19.55 Uhr

Starker Einsatz für starke Kinder

Bad Nauheim (hau). »Einen solchen Abend hat Bad Nauheim noch nicht erlebt«, strahlt Monica Ivancan unter tosendem Beifall. Neben der attraktiven Fernsehmoderatorin hat sich eine für die Kurstadt außergewöhnlich geballte Ladung an prominenten Künstlern versammelt, um mit Veranstaltern und Gästen im voll besetzten Kursaal des Hotels Dolce den großartigen Erfolg der Charity-Gala zugunsten der Sophie-Scholl-Schule Wetterau zu feiern.
Die Sänger Oli.P und Jens Decker reißen zu Ovationen hin.
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Die Sänger Oli.P und Jens Decker reißen zu Ovationen hin.
Sie ließ in Sachen Professionalität und Herzblut keine Wünsche offen.

Bei der Wohltätigkeitsgala am Freitagabend konnte die magische Spendenmarke von 150000 Euro Anschubfinanzierung für die geplante integrative Grundschule geknackt werden. In Bad Nauheim sollen ab dem kommenden Schuljahr Kinder mit und ohne sonderpädagogischen Bedarf nach dem Konzept der »inklusiven Bildung« gemeinsam unterrichtet werden. Das Konzept reagiert auf die traurige Tatsache, dass Deutschland laut Statistik in Bezug auf die Integration von Menschen mit Handicaps weit abgeschlagen bei 13 Prozent liegt (Italien 99, Schweden 96, Norwegen 94 Prozent). Wesentlichen Beitrag zum Traumergebnis leistete Comedian Oliver Pocher. Mit 25 000 Euro aus Mitteln der Per-Mertesacker-Stiftung unterstützte er die Idee der inklusiven Pädagogik, die weit mehr Menschen am Herzen liegt als die siebenköpfige Elterninitiative vor anderthalb Jahren zu hoffen gewagt hatte.

Überwältigt dankte Katja Weigand als Sprecherin der Initiative für die beispiellose Unterstützung durch Weggefährten, Bevölkerung, Vereine, Firmen und Prominente. Ihr zur Seite standen sichtlich gerührt Mitorganisator Oliver Wohlers und Magnus Schneider, Geschäftsführer der Lebenshilfe, die sowohl Träger der Bad Nauheimer Sophie-Scholl-Schule ist als auch der gleichnamigen Schule in Gießen. Hier wird seit zehn Jahren das von der Lebenshilfe entwickelte pädagogische Konzept mit großem Erfolg umgesetzt. Weiterführende Schulen rissen sich um die Sophie-Scholl-Schüler, so Schneider, da sie neben fundierten Kenntnissen über deutlich mehr soziale Kompetenz verfügten. »Die Lebenshilfe tritt für eine Gesellschaft ein, die die Verschiedenheit ihrer Bürger als Reichtum erkennt. Alle Menschen gehören gleichermaßen dazu, unabhängig vom individuellen Unterstützungsbedarf aufgrund von Behinderung oder anderen Benachteiligungen.«

Zur Benefiz-Gala mit anschließender Charity-Party strömten denn auch Menschen, die von der Sache überzeugt sind, sie unterstützen möchten oder bereits gute Erfahrungen mit dem gemeinsamen Grundschulunterricht für Kinder mit und ohne Handicap machten. Auf Hochtouren kamen Fernsehkameras, Radiosender und Fotografen, als die ersten Promis über den roten Teppich im Foyer liefen, sich auf der langen Reihe von Sponsorentafeln verewigten und bereitwillig Auskunft gaben über eigene Erfahrungen.

»Bernd wohnte in unserer Straße«, erzählte Radiomoderator und Comedian Johannes Scherer. »Jeden Tag haben wir Kinder zusammen gespielt, und niemandem fiel auf, dass Bernd anders war. Als er plötzlich mit dem Kleinbus in eine andere Schule gefahren wurde, haben wir das nicht verstanden. Er gehörte doch zu uns.« Erst später sei ihm klar geworden, dass der Kamerad wegen einer spastischen Lähmung eine Sonderschule zu besuchen hatte.

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