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Siebenköpfige Familie sucht seit zwei Jahren eine Wohnung

Artikel vom 02.02.2010 - 02.00 Uhr

Siebenköpfige Familie sucht seit zwei Jahren eine Wohnung

Bad Nauheim (bk). Seit fast zwei Jahren auf vergeblicher Wohnungssuche in der Kurstadt ist eine siebenköpfige Familie aus Steinfurth. Als Grund nennt der Vorsitzende der Erwerbsloseninitiative Wetterau (EIW), Heinrich Etling, der sich in den Fall eingeschaltet hat, Feuchtigkeit und Schimmel in der bisherigen Bleibe. Vor allem für die Kinder bestehe eine Gesundheitsgefahr, habe das Kreisgesundheitsamt im September bestätigt.
Etling hat sich jetzt an die WZ gewandt, weil die Geschäftsführung der städtischen Wohnungsbau-Gesellschaft (Wobau) zunächst eine Zusage für eine neue Wohnung gemacht, dann aber kurzfristig wieder zurückgezogen habe. Wobau-Chef Hans-Peter Schäfer sprach von einem Angebot »unter Vorbehalt«, das aufgrund von Entscheidungen der Jobkomm gecancelt worden sei. Wie Schäfer erklärte, seien für die Sechs-Zimmer-Wohnung in der Kernstadt zwei Familien in der engeren Wahl gewesen, beide seien auf eine Mietübernahme durch die Jobkomm angewiesen. »Eine allein erziehende Mutter mit vier Kindern war die erste Interessentin und erfüllte alle Kriterien für die Vergabe einer öffentlich geförderten Wohnung«, erklärte der Wobau-Geschäftsführer. Als die Frau allerdings mitgeteilt habe, dass die Jobkomm den Umzug ablehne, habe man der siebenköpfigen Familie aus Steinfurth eine vorläufige Zusage erteilt. »Nachdem sich die allein erziehende Mutter an den Hessischen Rundfunk gewandt hatte, der auch berichtete, stimmte die Jobkomm einer Mietübernahme schließlich doch zu«, sagte Schäfer. Deshalb habe die Wobau der Familie aus Steinfurth, die die neue Wohnung bereits besichtigt hatte, doch noch absagen müssen.

Jobkomm-Geschäftsführer Jan Wölfl zeigte sich auf Anfrage erstaunt über diese Schilderung. Gegenüber der allein erziehenden Mutter habe es zu keinem Zeitpunkt eine Absage gegeben. Eine Entscheidung werde in solchen Fällen grundsätzlich erst getroffen, wenn ein Außendienst-Mitarbeiter die neue Wohnung begutachtet und geprüft habe, ob die Größe und der Mietpreis angemessen sind. Das sei auch diesmal geschehen. Möglicherweise habe die betroffene Frau Aussagen der Sachbearbeiterin »falsch wahrgenommen«. Wölfl: »Wir sind nicht anfällig für die Einflussnahme der Öffentlichkeit, auch nicht von Medien. Im Übrigen haben wir der Frau am 14. Dezember endgültig grünes Licht gegeben, der HR-Bericht wurde erst im Januar gesendet, als er Fall schon längst erledigt war.« Die Frage, an wen eine Wobau-Wohnung vergeben wird, sei im Übrigen allein Sache der Geschäftsführung der städtischen Gesellschaft.

Die Erwerbsloseninitiative vermutet andere Gründe hinter der Absage an die Steinfurther Familie, die seit März 2008 nach einer neuen Unterkunft suche. Zunächst sei überhaupt keine Begründung erfolgt. Aufgrund einer Nachfrage sei dann am 14. Dezember eine »ganz miese Nummer« zutage getreten. Laut Etling habe die Wobau wegen der siebenköpfigen Familie bei der Creditreform nachgefragt und dort eine negative Auskunft bezüglich der Zahlungsfähigkeit erhalten. »Zur Erinnerung: Die Mietkosten sollten von der Jobkomm übernommen werden«, erkläre der EIW-Vorsitzende. Zudem hätte der Staat bei einem Umzug Geld gespart, weil für die jetzige Wohnung in Steinfurth mehr Miete anfalle als bei der Wobau-Bleibe in der Kernstadt.

Schäfer zufolge sind die Aussagen Etlings falsch. Der Wobau-Chef räumte die Anfrage bei der Creditreform ein, das Ergebnis habe aber mit der Wohnungsvergabe nichts zu tun. »Eine solche Auskunft wird des Öfteren eingeholt. In diesem Fall lag zunächst keine Entscheidung der Jobkomm in Sachen Mietübernahme vor, deshalb haben wir uns an die Creditreform gewandt. Als die Jobkomm-Zusage vorlag, hatte sich das Thema erledigt«, betonte Schäfer.

Für den Geschäftführer stellt sich vor allem die Frage, warum die EIW die betroffene Familie nicht bei der Auseinandersetzung mit dem jetzigen Vermieter unterstütze, der verpflichtet sei, Feuchtigkeit und Schimmel zu beseitigen. Gleichwohl könne er der Familie Hoffnung mache. Schäfer: »Am 1. April wird eine große Wohnung frei, die für diese Interessenten vorgesehen ist.«

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Artikel vom 02.02.2010 - 02.00 Uhr
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Leserkommentare
(14.02.2010 19:12)
Avellania
Was läuft hier schief?
Beim lesen dieses Berichtes,dachte ich es betrifft eine Begebenheit in einer "Banenrepublik".
Daß in unserer Gesellschaft Menschen bewußt und in Kenntnis in gesundheitliche Gefahr gebracht werden,ist eine Bankrotterklärung.Ich habe Erkundigungen bei dem Vorsitzenden der Erwerbsloseninitiative Wetterau (EIW) eingeholt und erfahren, daß der Bürgermeister Witzel und der Aufsichtsratsvorsitzende Witzel,seit spätestens Dezember 2009 über diese Situation informiert sind.Handlung indes,findet nicht statt.Der Geschäftsführer Schäfer sucht Ausflüchte,wie die
E I W solle doch Druck auf Vermieter ausüben.
Mir liegt die Information vor,daß hier Abrißbirne angesagt ist !
Wo sind die Stadtverordneten,was tun die vertretenen Parteien ???
Was dem Faß den Boden ausschlägt,ist die Meldung der WZ: Am 1.April - in welchem Jahr ? - wird eine große Wohnung frei,die für die Interessenten vorgesehen ist.Der Familie wurde laut des Vors. E I W, bis heute kein Angebot gemacht,sie erfuhr überhaupt erst aus der Zeitung.Es ist wohl ein vorweggenommener Aprilscherz.
Ich erwarte,kein Cent mehr für die Landesgartenschau,Eisstadion,Sportheim und andere prestigeträchtige Vorhaben,bis diese Familie eine menschenwürdige Unterkunft hat!
(08.02.2010 21:59)
Nicole E.
Haarsträubend
Es ist schon ein Unding, Kinder (und Eltern) über einen solch langen Zeitraum in einer mit Feuchtigkeit und Schimmel befallenen Wohnung wohnen zu lassen und dort nicht schnellstmöglich Abhilfe zu schaffen. Da gilt wohl der Satz: "Betrifft mich persönlich nicht, interessiert mich nicht!".
Weiterhin wundert es mich (oder nicht?), dass Herr Schäfer sich nun doch Gedanken über die Familie macht, den Hut allerdings versucht zurück an die EIW zu geben, statt ihn selbst zu tragen. Ich bezweifle, dass die EIW so unprofessionell arbeitet und die Möglichkeit "Beseitigung der Feuchtigkeit und des Schimmels durch den Vermieter" nicht schon verfolgt hat. Soll ja bekanntlich Dinge geben, die nicht möglich sind, oder jedenfalls nicht ohne größeren Aufwand. Wenn Herr Schäfer sich so brennend für diese Frage interessiert, sollte er selbst beim Vermieter nachfragen.
Letztendlich würde mich vielmehr die Frage interessieren, wie es sein kann, dass jeder X-beliebige Auskunft über finanzielle Verhältnisse eines anderen bekommt, ohne dessen Einwilligung? Ist Deutschland schon so weit zum Marionetten- und 2-Klassen-Staat verkommen?

Nichtsdestotrotz sollte man sich auch die sehr interessante Pressemitteilung der EIW hierzu anschauen, zu finden auf deren Website unter http://www.erwerbsloseninitiative-wetterau.de. Schließlich gibt es ja bekanntlich immer zwei Seiten der Medaille. Schon seltsam, dass unser Rechtsstaat es zuläßt, dass mache Leute sich wohl "freikaufen" können.
(07.02.2010 04:11)
bla
Ist doch logisch,
für ungefähr 4,75 Euro die von der Jobkomm pro qm Wohnfläche gezahlt werden gibt es halt nur solch unwürdige Wohnungen!

Für Banken bürgt die Bundesrepublik mit 1000 Milliarden, für Wohnraum ist da kein Geld mehr übrig!
(05.02.2010 21:08)
gabi faulhaber
Menschenverachtend
Welches Menschenbild liegt hier zugrunde? Warum erlaubt man sich mit sozial schwachen Menschen falsche Zusagen, Vertröstungen und den Verbleib in einer ungesunden Wohnung? Herr Schäfer stellt der geplagten Familie schon wieder eine Wohnung in Aussicht - Wie sicher ist das? Kann man sich erlauben mit den Hoffnungen dieser Menschen zu spielen?
Zum Glück hat der Fall durch die Einmischung der Erwerbsloseninitiative die Öffentlichkeit erreicht. Dass Herr Schäfer es lieber sähe, die Initiative streite sich mit anderen Vermietern, statt den Skandal anzuprangern, entspricht seinem Weltbild,.
(04.02.2010 22:12)
Wetterauerin
Umständliche Ausreden
Wer nun zuerst da war und auch zuerst ein Anrecht auf diese Wohnung (gibt es nur eine ?) ist trotz langer Erklärungen kaum nachvollziehbar. Fakt ist, dass eine Familie seit mindestens 2 Jahren in unzumutbaren und gesundheitsschädigenden Verhältnissen lebt und offensichtlich erst eine (relativ junge) Bürgerinitiative sich um diese wirklich hilfsbedürftigen Leute kümmert. Kann ich nur sagen: armes Deutschland!
(03.02.2010 14:19)
Melinde
Skandal
Ein typisches Beispiel dafür, wie bedürftige Menschen von einer städtischen Wohnungsbaugesellschaft in Stich gelassen werden. Besonders pikant: ein Bürgermeister als Vorsitzender des Aufsichtsrats lässt zu, das solches geschieht.
Ein Bürgermeister für alle oder nur für manche?

Das trotz Mietkostenübernahmeerklärung durch die Jobkomm negative Schufa-Auskünfte dazu führen, das Kinder weiter in einer verschimmelten Wohnung leben sollen ist ein Skandal und menschenverachtend.
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