Parkinson-Klinik: Zweifelhafter Ruf schreckt Investoren ab
Bad Nauheim. Über Interesse von Investoren würden sich die Verantwortlichen der Parkinson-Klinik, für die am 26. Mai ein Insolvenzantrag gestellt wurde, sicherlich freuen. Fragt man nach bei möglichen Interessenten, fällt allerdings unisono das Wort »marode«, und gemeint ist die wirtschaftliche Lage der Träger-GmbH des Spezialkrankenhauses.
Seit Jahren ein Problemfall: die Parkinson-Klinik. (Foto: nic)
Bürgermeister Bernd Witzel, der Vorsitzender des GZW-Aufsichtsrats ist, winkt auf Anfrage unserer Redaktion ebenso ab wie Marcus Jürgens, Geschäftsführer der Kalovida Grundbesitz GmbH, der die Gebäude der Parkinson-Klinik in der Franz-Groedel-Straße gehören. Witzel und Jürgens halten die Unternehmensstruktur der »Parkinsonklinik im Zentrum für Bewegungsstörungen«, so der offizielle Name, für undurchschaubar und wollen sich auch aufgrund der Geschichte des Krankenhauses, die mit zahlreichen Klagen, Ermittlungsverfahren (siehe auch unten stehenden Bericht) wirtschaftlichen Flauten, Entlassungen von Spitzenpersonal und einem Gewaltverbrechen (vor zwei Jahren wurde Klinik-Geschäftsführerin Karin Prokein von ihrem ägyptischen Berater erschlagen) belastet ist, nicht auf ein Geschäft einlassen. Äußerst einsilbig geben sich Insolvenzverwalterin Petra Fuchs und die derzeitige Geschäftsführerin der Parkinson-Klinik, Marion Schiebel-Zuske. Unterlagen, die der WZ vorliegen, lassen den Verdacht zu, dass der Insolvenzantrag spät, wenn nicht gar zu spät gestellt wurde. Insolvenzverschleppung ist strafbar.
Ein Blick ins Zeitungsarchiv genügt, um die Vergangenheit der Parkinson-Klinik, deren Existenz nun ernsthaft gefährdet ist, als bewegt bezeichnen zu können. Wobei die Verantwortlichen, allen voran die verstorbene Karin Prokein, Entscheidungen in der Öffentlichkeit als harmlos oder gar als erfolgversprechend verkauften. Ein Beispiel aus dem Jahr 2002: »Einvernehmlich«, so die offizielle Sprachregelung, trennte sich die Klinik damals von der renommierten Chefärztin Prof. Alexandra Henneberg. Tatsächlich war eine handfeste Auseinandersetzung vorausgegangen. Schon damals gab es Gerüchte über ein bevorstehendes Aus der Klinik. Weniger unklar drückte sich Prokein 2007 aus, als sie erneut einen Chefarzt feuerte, diesmal fristlos. Vorwurf: Unregelmäßigkeiten bei privatärztlichen Abrechnungen. Ob es zu der angekündigten Strafanzeige gegen den Mediziner kam, ließ die Geschäftsführerin nie verlauten.
Spätestens 2006 spitzte sich die finanzielle Lage in der Franz-Groedel-Straße zu. Und wieder hatte Prokein scheinbar eine Lösung des Problems parat. Nachdem der ehemalige Eigentümer der Immobilie Insolvenz anmelden musste, zauberte die Geschäftsführerin den ägyptischen Geschäftsmann Khaled Al-Toukhy als Käufer aus dem Hut. In einer Pressemitteilung wurde der Eindruck erweckt, der Eigentümer der Kairoer Misr-University for Science und Technology habe auch die Klinik übernommen. Tatsächlich wurden nur die Immobilien veräußert - was selbst dem Käufer offenbar nicht klar war.
Käufer über den Tisch gezogen?
So schildert es heute zumindest Kalovida-Geschäftsführer Marcus Jürgens: »Al-Toukhy hat in dem guten Glauben gehandelt, für 5,5 Millionen Euro Gebäude und Betriebs GmbH zu erwerben.« Heißt auf gut Deutsch: Der Ägypter sei über den Tisch gezogen worden. Und Jürgens glaubt auch zu wissen wie. Der Mitarbeiter Prokeins - ebenfalls Ägypter und heute wegen Totschlag an seiner Chefin im Gefängnis - habe den Vertrag falsch übersetzt. Weiterer schwerer Vorwurf des Kalovida-Geschäftsführers: Damals sei von der Klinikleitung ein Gutachten vorgelegt worden, wonach die Immobilie in gutem Zustand sei, was sich als falsch erwiesen habe.
Wie Jürgens erklärte, seien Gerichtsprozesse die Folge dieser »Partnerschaft« gewesen. Al-Toukhy sei unterlegen, weil er den Kauf der Betreiber GmbH nicht habe nachweisen können. Prokein tat ein Übriges, um den Käufer zu verärgern: Die Parkinsonklinik zahlte lange Zeit keine Miete, weil die Gebäude angeblich trotz Zusage nicht saniert worden seien. Jürgens: »De facto lag kein Grund zur Mietminderung vor.« Prokein war zunächst nicht nur Klinik-Chefin, sondern auch Geschäftsführerin der Kalovida Grundbesitz GmbH und der ebenfalls im Al-Toukhy-Besitz befindlichen Kalovida Beteiligungs GmbH (sie wird derzeit liquidiert). Diese beiden Posten verlor sie, vermutlich aufgrund des Zerwürfnisses mit dem ägyptischen Investor.