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Niederwild: Population immer kleiner

Artikel vom 10.05.2010 - 02.00 Uhr

Niederwild: Population immer kleiner

Bad Nauheim (dl/bd). Die Auswirkung des hessischen Jagdgesetzes von 1999 und das Thema Niederwildhege standen im Fokus des Landesjägertags, der im Fortbildungszentrum der Landesärztekammer veranstaltet wurde. Ministerin Silke Lautenschläger bezeichnete das Jagdgesetz als »vernünftigen Kompromiss« und warnte vor einer Zersplitterung der Gesetzgebung in Deutschland.
LJV-Präsident Möller (l.) und Ministerin Lautenschläger ehren Norbert Weyland.	(Foto: bd)
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LJV-Präsident Möller (l.) und Ministerin Lautenschläger ehren Norbert Weyland. (Foto: bd)
Eröffnet wurde der Samstagvormittag mit einem Begrüßungssignal des Bad Nauheimer Bläsercorps. Nach einem Grußwort von Bürgermeister Bernd Witzel sowie Kurzansprachen zahlreicher Ehrengäste, darunter die jagdpolitischen Sprecher der im Landtag vertretenen Parteien sprach Staatsministerin Lautenschläger. Das hessische Jagdgesetz, das anfangs ungeliebt gewesen sei, aber inzwischen von einer breiten Mehrheit akzeptiert werde, wird ihren Worten zufolge sowohl den Interessen der Jägerschaft als auch denen der Allgemeinheit gerecht. Es stärke die Eigenverantwortung der Jäger. Das Gesetz laufe 2012 aus, schon jetzt müsse man über mögliche Änderungen reden. In Sachen Wildfütterung, Nachsuche, Jagdhundeausbildung, Verlängerung der Jagdzeiten und Rehwildabschussplan gelte es, die Regelungen neu an der Lebenswirklichkeit auszurichten.

Es sei nicht förderlich, dass das Saarland und Rheinland-Pfalz in ihren Landesjagdgesetzen eigene Wege gingen, das in Hessen geltende Prinzip »Wald mit Wild« dort nicht mehr gelte und »selbst ernannte Experten« den Fachleuten aus Jagd und Natur immer mehr zu schaffen machten. Gemeinsam mit dem Präsidenten des Landesjagdverbandes (LJV), Dietrich Möller, ehrte Lautenschläger zwei verdiente hessische Jäger. Den Staatsehrenpreis für Lebensraumgestaltung erhielt Werner Weber aus Eichenzell-Lütter. Die Hegemedaille (Sonderstufe Gold) ging an Norbert Weyland aus Bad Vilbel. Er betreut seit mehreren Jahren das Revier Bad Vilbel-Massenheim in der südlichen Wetterau und engagiert sich umfassend und praxisnah für den Schutz der Natur und die Hege des Wildes. Gleichzeitig sorgt Weyland in Absprache mit den Landwirten für eine schrittweise Verbesserung der Lebensraumqualität durch die Anlage und Pflege von Biotopen.

Exkursion nach Massenheim

Am Freitag stand der Landesjägertag ganz im Zeichen der Niederwildprobleme. Durch eine Vielzahl von Faktoren verzeichnen die meisten Jagdreviere Hessens seit Jahren einen Rückgang von Hasen, Fasanen und Rebhühnern. Wie Bemühungen zur Verbesserung der Biotopqualität aussehen können, erfuhren 50 Interessierte am Freitagvormittag bei einer Exkursion ins Revier von Norbert Weyland bei Massenheim. Der Revierpächter unternimmt auf dem 280 Hektar großen Areal in Großstadtnähe erhebliche Anstrengungen, um die Lebensqualität des Niederwilds zu verbessern. So hat er Äsungsflächen und Topinamburstreifen angelegt, die Tierarten wie Hase, Fasan und Rebhuhn als Deckung dienen. Außerdem bemüht sich Weyland, den Strom von Spaziergängern, die mit Tafeln über das Niederwild und seinen Schutz informiert werden, zu »kanalisieren« und das Raubwild verstärkt zu bejagen. Der Pächter berichtete über die regelmäßige Erfassung der Hasenbestände. Demnach handelt es sich um eines der besten Hasenreviere Hessens.

Am Nachmittag wurden kurze Vorträge über das Thema »20 Jahre Feldhasen-Taxation in Hessen« gehalten. Wie Werner Wittich vom LJV-Vorstand und Rolf W. Becker von der LJV-Geschäftsstelle berichteten, werde der Hasenbestand in rund 100 hessischen Revieren regelmäßig erfasst. Gerhard Weber, Dr. Johannes Pürstl und Adam Hulbert gingen auf die Hege von Feldhasen im Ronneburger Hügelland, im Raum Darmstadt und Eltville ein. Norbert Weyland schilderte die hervorragende Zusammenarbeit mit der Stadt Bad Vilbel. Da in seinem Revier neben dem Fuchs auch Nutria und Mink vorkommen, müsse er viel Zeit für die Raubwildbejagung aufbringen. Pro Jahr erlege er etwa 40 Hasen, ohne den Bestand zu dezimieren.

»Haben wir das Niederwild aus den Augen verloren?« lautete das Thema einer Podiumsdiskussion am Freitagnachmittag. Nach einer musikalischen Begrüßung durch das Bläsercorps des Jagdclubs Bad Nauheim bezeichnete Moderator Dr. Nikolaus Bretschneider (LJV-Vizepräsident) die intensivierte Landwirtschaft und den Flächenverbrauch als Probleme, die den Niederwild-Populationen zu schaffen machten. Dr. Guido Steinmetz, dessen Familie seit 100 Jahren das Revier in Nieder-Wöllstadt gepachtet hat, referierte über »50 Jahre Hasenhege im Herzen der Wetterau«. Obwohl man sich intensiv um den Schutz des Niederwilds bemühe, sei seit Jahren ein ständiger Rückgang zu beobachten. Eine Umkehr dieser Entwicklung hält er für unwahrscheinlich. Der Revierpächter setzte sich kritisch mit dem Thema Pflanzenschutzmittel auseinander und bezeichnete den Herbizid- und Pestizideinsatz als wichtigen Grund für den Rückgang des Niederwildbestands. Gerade beim Federwild ist es nach Ansicht des Jägers schon »mehr als fünf vor zwölf«.

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Artikel vom 10.05.2010 - 02.00 Uhr
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