Bad Nauheim (piz). Traditionell stellt die Musikschule Bad Nauheim bei ihrem Neujahrskonzert die vielversprechenden Kandidaten für den alljährlichen Wettbewerb »Jugend musiziert« vor, bei dem begabte junge Musiker prämiert werden. Die 35 Kinder und Jugendlichen, die beim Neujahrskonzert vorgestellt wurden, dürften wohl keine Probleme haben, die über die Region hinaus bekannte Erfolgsgeschichte der Kurstädter bei dem bundesweiten Wettbewerb fortzuführen.
Die beim Neujahrskonzert mitwirkenden Jungen und Mädchen. (Foto: piz)
Die Jury wird es nicht einfach haben, wenn es darum geht, Anfang
Februar in Frankfurt die Gewinner des Regionalwettbewerbs zu ermitteln,
die eine Runde weiter geschickt werden.. So war zum Beispiel das Andante aus der Sonate für Klarinette und Klavier von Mendelssohn-Bartholdy ein wahrer Ohrenschmaus, wenn auch auffiel, dass Etienne Plantade am Klavier eine sehr romantische Spielweise vorzog, während die Klarinettistin Leandra Wegener in einem viel sachlicheren Stil spielte. Interpretatorische Harmonie bewiesen die Brüder Alberto und Fabio D’Aquino Hilt an Violine und Klavier mit dem »Polish Dance« von Edmund Severn. Sie spielten das Stück sehr ausdrucksstark und betonten somit auch die folkloristischen Elemente, von denen es so lebte. Zwar spielte der neunjährige Alberto nicht alle Doppelgriffe auf seiner Violine perfekt, doch ist allein schon die Tatsache, dass ein Neunjähriger Doppelgriffe spielt und die raffiniertesten Techniken eindrucksvoll unter Beweis stellen kann, ist bemerkenswert.
Auch fünf Gitarrenensembles stellten sich vor. Allen gemein war ein überaus sicheres Zusammenspiel. Die Schüler aus den Gitarrenklassen brachten typische Literatur für das Instrument zu Gehör, in temperamentvoller Manier und in allen Weisen des musikalischen Ausdrucks. Sehr schön war das melancholische Werk »Priere« von Erik Marchelie, welches Judith Vonsien und Mate Skaria vortrugen. Ein eher selten solistisch zu hörendes Instrument präsentierte Carlotta Brendel, die mit ihrem Fagott das Allegro brillante aus dem Scherzo von Oleg Miroschnikow intonierte. Den Klavierpart übernahm hier Vivian Sparenberg. Das äußerst impulsive Thema wechselte sich mit nachdenklich klingenderen Passagen ab und beinhaltete auch jazzige Elemente. Die ausgelassenen Sprünge und anspruchsvollen Läufe stellten dabei eine große Herausforderung für das junge Mädchen am Fagott dar, doch diese meisterte sie fabelhaft.
Die neue Kategorie Popgesang wird bei den Regionalentscheidungen durch Katharina Kremer und Nadine Dannehl vertreten. Beide erhielten sehr sichere Begleitung durch Anna Mackrodt (Gitarre) bzw. Bettina Kienle (Klavier). Kremer brachte den Song »One« der irischen Rockband U2 sowie Katy Perrys »Waking Up in Vegas« zu Gehör. Sehr beeindruckend war dabei eine angenehm klingende Rauheit, die ihrer Stimme ein besonderes Etwas gab. Dannehl sang »Cry Me A River«, einen Jazz-Standard von Arthur Hamilton sowie eine beeindruckende Eigenkomposition, eine Ballade, die sie mit sehr viel Hingebung und Leidenschaft präsentierte.
Den letzten Programmpunkt stellte ein Klaviertrio dar, welches den zweiten und dritten Satz aus dem Klaviertrio G-Dur von Joseph Haydn kredenzte. Maria Ließ an der Violine, Amelie Meyer-Mölck am Cello und Henriette Büsing am Klavier ernteten dafür zu recht großen Applaus. Das Poco Adagio lebte von sehr schönem Ausdruck und sauberer Intonation. Beim Finale, einem »Rondo In The Gypsie’s Style«, schienen die drei jungen Damen jedoch noch ein wenig gehemmt, vielleicht auch einmal zu übertreiben und den wilden Charakter, den das Stück verlangt, durchkommen zu lassen. Die Kontraste, insbesondere auch in den wechselnden Tempi, sowie dynamische Aspekte hätten noch schöner ausgekostet werden können. Glücklicherweise gingen sie zum Ende des Stückes doch noch aus sich heraus und brachten allerhand technische Raffinessen zu Gehör. Vor allem die letzten Takte waren genial und sorgten für den würdigen Abschluss eines überaus lohnenswerten Konzertes.