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Mit neuem Herzen: Niko Gözüpekli

Artikel vom 27.12.2011 - 17.00 Uhr

Mit neuem Herzen: Niko Gözüpekli

Bad Nauheim (ihm). Niko Gözüpekli war 25, als er auf dem Fußballplatz umfiel. Diagnose: Schwere Herzrhythmusstörungen. 30 Jahre später war sein Zustand so schlimm, dass er ein neues Herz brauchte. Im März 2010 wurde der heute 56-Jährige in der Kerckhoff-Klinik operiert. Nach wie vor geht es ihm gut.

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Niko Gözüpekli geht es 21 Monate nach der Herztransplantation unverändert gut. Wegen Infektionsgefahr muss er allerdings auf sein Hobby Kanarienvögel verzichten, der Käfig ist leer. (Foto: ihm)
Wie das Beispiel der Operateure Dr. Manfred Richter (Leiter Transplantationsprogramm) und Dr. Markus Schönburg (Privatdozent, geschäftsführender Oberarzt) zeigt, sind die Eingriffe mit hohem logistischen Aufwand, ausgetüfteltem Timing und Nervenstärke verbunden. Um ein neues Herz zu bekommen, bedarf es auch Glück. Denn hierzulande herrscht Mangel an Spenderherzen.

Steigt Dr. Manfred Richter nachts ins Auto, ist er hochkonzentriert. Unterwegs ist er in solchen Fällen, um ein Herz zu holen. Kurz zuvor hat er die Nachricht erhalten: Eurotransplant, Vermittlungsstelle für Organspenden mit Sitz in Holland, hat der Kerckhoff-Klinik ein Herz zugeteilt. In der Regel passiert das nicht tagsüber. Richter prüft darauf in einer Datenbank, ob Organ und Patient zusammenpassen. Wenn ja, macht er sich schnell auf den Weg. Nicht immer, aber meist führt die Fahrt zum Flughafen Reichelsheim. Dort wartet eine Turboprop-Maschine auf ihn, einen weiteren Arzt und einen Kardiotechniker. Organisiert hat das die Deutsche Stiftung für Organtransplantation. Auch in der Nacht auf Sonntag, 7. März 2010, wird Richter vom Telefon geweckt: »Hier Intensivstation. Man hat uns ein Herz angeboten.« Nachdem der Mediziner die Datenbank gecheckt hat, weiß er: Für Niko Gözüpekli geht es jetzt um alles.

Als der Rosbacher auf dem Fußballplatz zusammenbrach, diagnostizierten die Ärzte schwere Herzrhythmusstörungen bei ihm. Fortan lebte Gözüpekli mit Tabletten, bekam später zweimal einen Defibrillator. 2008 verschlechterte sich sein Zustand, immer öfter litt er unter Luftnot. »Das Herz pumpte nicht mehr stark genug. Es kam zu Wassereinlagerungen«, erzählt er. Dreimal wurde er punktiert, 2009 schlug ihm Prof. Veselin Mitrovic (Medizinischer Direktor Kerckhoff-Forschungsgesellschaft) eine Herztransplantation vor. Ein Schock. Er legte sich, als ihm ein körperlich fitter, transplantierter Patient vorgestellt wurde.

»Wir haben ein Herz für Sie«

Am 7. März 2010, um fünf Uhr morgens, klingelt auch bei Gözüpekli das Telefon: »Hier Kerckhoff-Klinik, wir haben ein Herz für Sie.« Richter ist zu diesem Zeitpunkt bereits unterwegs. Im OP-Saal wartet Oberarzt Dr. Markus Schönburg auf Gözüpekli: Auch er ist aus dem Bett gesprungen und rasch in die Klinik gefahren. Die OP, bei der eine Herz-Lungen-Maschine eingesetzt wird, muss vorbereitet werden. In trockenen Tüchern ist die Sache aber noch nicht – obwohl der Patient nun eintrifft. Richter muss in dem auswärtigen Krankenhaus den Brustkorb des hirntoten Spenders erst öffnen und nachsehen: »Alles in Ordnung? Oder sind die Herzkranzgefäße verkalkt? Ist das Herz massiv vergrößert?« Wenn ja, müsste die Aktion abgeblasen werden. Der Arzt atmet durch: Das Spenderherz ist gesund. Er ruft in Bad Nauheim an und entnimmt das Organ. Es wird nun mit konservierender Flüssigkeit behandelt.

»Kein einsamer Wolf«

»Wir operieren«, sagt Schönburg. Gözüpekli schließt die Augen, Minuten später steht er unter Vollnarkose. Schönburg beginnt, den Brustkorb zu öffnen, bald darauf trifft Richter ein. Das Timing ist wichtig. Die Zeit, in der das Spenderorgan von der Blutversorgung abgeschnitten ist, muss möglichst kurz sein. Gemeinsam schauen die Ärzte das Spenderherz an, schneiden es ein wenig zurecht. Richter entnimmt Gözüpeklis krankes Herz, näht unter Assistenz Schönburgs das gesunde Organ ein. »Es ist wichtig, einen erfahrenen Kollegen dabei zu haben. Das ist keine Sache eines einsamen Wolfs«, sagt er.



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Artikel vom 27.12.2011 - 17.00 Uhr
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