Sie sind hier: Startseite » Lokales » Städte und Gemeinden » Bad Nauheim »

Mit Hochdruck zur Glanz-Karosse

  Anzeige

Artikel vom 11.01.2017 - 18.00 Uhr

Mit Hochdruck zur Glanz-Karosse

Bad Nauheim (en). Wie wird das Auto profimäßig sauber? Michael Börstler weiß es – schließlich ist er der Boss von vier Waschstraßen zwischen Bad Nauheim und Neu-Isenburg. Dabei muss er die Kundenwünsche ebenso im Blick haben wie die Umweltstandards. Landen doch bei jeder Wäsche 400 Liter Wasser auf und unter der Karosserie.

dab_en_Waschanlage1_100117
Lupe - Artikelbild vergrössern
Wichtiger als die Maschine: Mitarbeiter der Waschstraße befreien das Auto vom groben Schmutz und erreichen mit Hochdruck jeden Winkel. (Foto: Engel)
© Red
Das waren noch Zeiten, als der Samstag nicht nur Badetag, sondern auch der Tag des Autowaschens war. Mit Schlauch, Eimer, Schwamm und Fensterleder befreite der Hausherr sein oftmals »liebstes Kind« vom Staub und Dreck der Woche. Und gönnte sich ein Feierabendbierchen, wenn Blech und Chrom wieder glänzten. Heute fährt man in die Waschanlage, oder noch besser: in die Waschstraße. Denn das gleiche ist das beileibe nicht, erklärt Michael Börstler, der im Bad Nauheimer Gewerbegebiet am Rödger Weg eine seiner Waschstraßen betreibt. »Waschanlagen gibt’s an Tankstellen. Da fährt man rein, dann kommen die Bürsten. Und hinterher ist das Auto einigermaßen sauber«, erklärt er. In der Waschstraße hingegen fährt der Autobesitzer auf ein Förderband, nachdem die Karosserie mit Hochdruck eine Grobreinigung verpasst bekommen hat – manchmal durch Angestellte, manchmal erfolgt selbst die schon maschinell. Dann nähern sich von allen Seiten die Bürsten, je nach dem gebuchten Programm wird auch der Unterboden von Salz und Dreck befreit sowie der Wagen poliert und getrocknet.

Das Ergebnis sei viel besser als das der Waschanlage an der Tanke, bekräftigt Börstler. Doch er schränkt schon wieder ein: »Die Qualität der Autowäsche steht und fällt nicht so sehr mit der tollsten Maschine, sondern mit den Mitarbeitern, die mit dem Hochdruckstrahl davor stehen.« Deshalb rät der Fachmann: »Lassen Sie dort waschen, wo die Vorarbeiten manuell erledigt werden.« Denn nur fähiges Personal kenne bei jedem Auto die Stellen, an die selbst die besten Bürsten nicht kämen. In die Ecken rund ums Nummernschild beispielsweise, hinter die Spiegel, in die Mulden der Türgriffe oder die Einbuchtungen an den Radzierblenden. Der maschinelle Abschnitt der Waschstraße sei dann nur noch für die Feinarbeit zuständig – und fürs Polieren, falls gewünscht.

dab_en_Waschanlage3_100117
Lupe - Artikelbild vergrössern
Bitte nicht bremsen: Schreckmoment für Waschstraßenanfänger. (Foto: Engel)
© Red
»Kratzer sind kein Thema in einer sorgsam arbeitenden Waschstraße«, verteidigt Börstler die maschinelle Reinigung gegen die häufig gehörte Kritik der Schwamm-und-Ledertuch-Fraktion. Wichtig sei auch hier die manuelle Vorarbeit, die Mini-Kratzer kämen zustande, wenn der grobe Dreck auf dem Lack gleich mit den automatischen Bürsten bearbeitet werde. Der Betriebsleiter: »Das läuft so bei den Billigheimern, die mit alter Ausstattung und womöglich den billigsten Pflegemitteln die schnelle Mark machen wollen.« Schonende Textilbürsten seien mittlerweile in allen besseren Waschstraßen Standard.

Bis zu 900 Autos rollen an Spitzentagen durch die Waschstraße, jetzt nach den Feiertagen ist es bedeutend ruhiger, bei unbeständigem Wetter und Dauerregen sowieso. Voll wird’s wieder ab Februar, wenn das Salz des Hochwinters vom Blech gespült werden soll, wenn die ersten Sonnentage den Schmutz brutal anstrahlen, und wenn’s in den Osterurlaub geht. Mancher Autofahrer kommt jede Woche und noch öfter, andere begnügen sich mit der Generalreinigung im Frühling – das ist weniger eine Frage von Zeit und Geld, mehr eine des individuellen Stellenwerts der Karosse – »das ist mir mein Auto wert«, erfährt man auf die Frage nach dem Grund für den Waschstraßenbesuch.

dab_en_Waschanlage2_100117
Lupe - Artikelbild vergrössern
Herr der vier Monitore: Medayin Sancar überwacht das Geschehen in der Waschstraße per Video. (Foto: Engel)
© Red
Natürlich stehen auf dem Gelände auch Selbstbedienungs-Boxen. Man wirft seinen Obolus in den Automaten und kann selbst zu Werke gehen. Vor Jahren war das eine kostengünstige Alternative zur maschinellen Wäsche, der Trend läuft aber auf ein Patt hinaus zwischen SB-Box und Waschstraße, und auch das nur im Sommer. Im Winter ist das bequeme Sitzenbleiben im Auto deutlich beliebter als das Gefühl der Zufriedenheit, wenn man mit eigener Hände Arbeit für Sauberkeit und Glanz gesorgt hat.



Artikel Drucken Drucken  Versenden
Artikel vom 11.01.2017 - 18.00 Uhr
Social Networks
Facebook Twitter studiVZ meinVZ schülerVZ MySpace  Del.icio.us
X Diesen Artikel versenden






* Bitte füllen Sie alle Felder aus.
Kommentar schreiben
Impressum Kontakt AGB Nutzungsbedingungen Datenschutz
TopSeitenanfang