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Mit Flexibilität gegen den Abwärtstrend

Artikel vom 30.12.2009 - 02.00 Uhr

Mit Flexibilität gegen den Abwärtstrend

Friedberg/Bad Nauheim (buc). »Im Moment ist es ganz schlecht.« So oder ähnlich ist die erste Reaktion auf die Frage an heimische Unternehmer, ob sie Auskunft geben könnten, wie ihre Firma das Krisenjahr 2009 überstanden hat. Was vor zwei Jahren in Amerika mit einer Immobilien- und Finanzkrise begann, ist auch in der Wetterau angekommen.
Energiesparen ist sein Thema: Architekt Michael Frielinghaus im Gespräch mit Mitarbeiterinnen.
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Energiesparen ist sein Thema: Architekt Michael Frielinghaus im Gespräch mit Mitarbeiterinnen.
Aber nicht alle Branchen sind in gleicher Weise betroffen. Wie eine WZ-Umfrage zeigt, hat die Wirtschaftskrise ähnliche Spuren in der Umgebung von Bad Nauheim und Friedberg hinterlassen wie in Hessen und Deutschland insgesamt. Die relativ wenigen Fertigungsbetriebe in der Wetterau hatten besonders zu kämpfen, während das Geschäft - nach einem verhaltenen Start Anfang 2009 - für Betriebe der Baubranche vergleichsweise gut lief. Aber auch mit dem richtigen Gespür und durch rechtzeitige Anpassung gelang es einigen Geschäftsleuten, dem Abwärtstrend zu trotzen.



Wenn es jetzt mit dem Gespräch nicht klappt - wann ist denn ein besserer Zeitpunkt für einen Anruf? »Am besten im nächsten Jahr«, sagen die einen in einem Tonfall, der eher nach Stress, Hektik und Überarbeitung als nach Langweile klingt. Markus Conrad, Dachdeckermeister und Juniorchef der Firma Egon Roth in Bad Nauheim, ist in solch einer Stimmung. Sie könnten sich derzeit vor Aufträgen nicht retten und müssten potenzielle Kunden sogar auf einen späteren Termin vertrösten, berichtet er.

Viele Entlassungen

Andere zögern aus ganz anderen Gründen, Auskunft über ihre Erfahrungen im Geschäftsjahr 2009 zu geben. »Wir mussten in diesem Jahr viele Leute entlassen«, sagt Holger Wagner. Er ist Leiter des Marketings beim Automobilzulieferer Erich Jaeger GmbH in Friedberg. Zunächst wollte sich Wagner gar nicht gegenüber der Presse äußern - »aus Respekt vor den Mitarbeitern«, wie er sagt. Schließlich berichtet er aber doch davon, wie 2009 die Aufträge von Herstellern wegbröckelten, als die Wirtschaftskrise die Automobilindustrie in den Abwärtssog zog. Konjunkturprogramme wie die Abwrackprämie hätten zwar das Schlimmste verhindert. Um Entlassungen sei die Geschäftsleitung jedoch nicht umhin gekommen. Denn es gab kein Entrinnen: Für einen Spezialisten von Verkabelungen von Anhängerkupplungen sei es nicht möglich, die Produktion von jetzt auf gleich umzustellen oder andere Auftraggeber als die Hersteller von Pkw und Lkw zu gewinnen, erklärt Wagner. Für 2010 hofft er auf den Aufschwung.

Unternehmer in anderen Branchen ist es leichter möglich, sich an die veränderte Situation anpassen. Manchen gelingt es sogar, sich dem allgemeinen Trend zu widersetzen. Dies schaffte in Bad Nauheim beispielsweise Carsten Gelsebach, Inhaber des Restaurants »Zur Krone«. Obwohl die Gastronomie deutschlandweit deutlich spürte, dass die Leute weniger Geld ausgeben wollten, spricht Gelsebach von nahezu vollständiger Auslastung in seinem Restaurant. Die Gäste seien nicht sparsamer geworden. Er habe auch nicht versucht, Gäste mit niedrigeren Preisen zu ködern: »Das ist unglaubwürdig, wenn ich mit den Preisen um zehn oder zwanzig Prozent heruntergehe«, betont Gelsebach. Er biete seinen Gästen Qualität zu angemessenen Preisen - Wirtschaftskrise hin oder her. In diesem Jahr seien allerdings deutlich weniger Veranstaltungen von Unternehmen gebucht worden. Bereits Ende 2008 habe er auf den absehbaren Trend reagiert, indem er die Außer-Haus-Lieferung stärker beworben habe. Die Aussichten für das kommende Jahr sieht der Restaurantchef insgesamt optimistisch.

Manche Industriebranchen entwickelten sich unabhängig von der Wirtschaftskrise positiv. Beispiel Pharma: Fresenius Kabi, das in Friedberg Infusionslösungen produziert, profitiert von der steigenden Nachfrage nach pharmazeutischen Produkten. Nach Angaben von Matthias Link von der Konzernkommunikation wird Fresenius in den kommenden drei Jahren insgesamt 100 Millionen Euro in den Ausbau seines Friedberger Produktionsstandorts investieren. Derzeit sind hier rund 640 Mitarbeiter beschäftigt. Die Investitionen sollten dazu beitragen, diese Arbeitsplätze langfristig zu sichern, so Link.

Keine Abstriche bei Qualität



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