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Mit Beil erschlagen: Mord in der Holzmühle

Artikel vom 31.07.2010 - 13.00 Uhr

Mit Beil erschlagen: Mord in der Holzmühle

Bad Nauheim-Rödgen (ihm). Fünf Jahre arbeitete Herbert Pauschardt an der Ortschronik Rödgens, die anlässlich der 750-Jahr-Feier des Stadtteils erschienen ist. In seinem Werk schreibt er auch über Gerichtsverfahren und Kriminalfälle, beispielsweise den Mord an einer Müllerstochter 1859.
Lokalhistoriker Herbert Pauschardt besichtigt die Überreste des historischen Wasserrads. 1859 ereignete sich ein Mord in der Müh
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Lokalhistoriker Herbert Pauschardt besichtigt die Überreste des historischen Wasserrads. 1859 ereignete sich ein Mord in der Mühle, der Täter ertränkte sich in der Wetter. (Foto: ihm)
Der Weg führt durch mehrere Gebäudeteile der alten Holzmühle in Rödgen. Der Eigentümer, ein Hobby-Landwirt, öffnet Lokalhistoriker Herbert Pauschardt eine Tür an der Rückwand. Dort geht es ins Freie zum Fluss Wetter. Üppige grüne Natur, das Wasser rauscht. Rechts steht das defekte, alte Mühlrad. Pauschardt schaut sich um. Vor einigen Wochen erschien seine 750 Seiten starke Ortschronik, Anlass war die 750-Jahr-Feier des Stadtteils. Fünf Jahre arbeitet er an dem Buch über die Geschichte des Dorfs, an dessen Beginn die Errichtung eines Römerlagers stand.

»In der Holzmühle war ich bisher noch nicht«, schildert der Autor. Einer der wenigen Kriminalfälle aus der Historie Rödgens geschah dort: Vor gut 150 Jahren wurde die Müllertochter Catharina H. mit einem Beil erschlagen. »Ich wurde über Sekundärliteratur auf den Fall aufmerksam«, erzählt Pauschardt. Er besorgte sich den Zeitungsartikel von 1859, der seinerzeit im Oberhessischen Intelligenzblatt erschienen war: Eine mehrseitige Beilage, die er in seiner Chronik in der Originalfassung wiedergibt.

Sonntagnachmittags war die 22-Jährige zu Hause geblieben, während ihre Eltern unterwegs waren. Die einzigen Menschen, die sich noch in der Mühle befanden, waren Catharinas 12-jährige Nichte und ein Dienstbote. Der 31-Jährige hatte Catharinas Mutter zuvor zugeredet, einen Ausflug zu unternehmen. Als die Eltern fort waren, kletterte die junge Frau auf den Dachboden des Kuhstalls. Sie wollte Eier aus dem Hühnerhaus holen. Der Dienstbote folgte ihr und fiel über sie her. Ein heftiger Kampf entbrannte, in dessen Verlauf er sein Opfer brutal umbrachte.

»Augenblicklich erwachter Hass«

Zwei mögliche Gründe nannte die Zeitung: Der Täter hatte Geld verlangt, das der Vater seiner Tochter morgens zum Aufheben gegeben hatte. Andere Überlegung des Intelligenzblatts: »Er wollte sich ihr nähern, angetrieben von einer längst gehegten Neigung.« Falls sich die junge Frau nicht »zur Beute seiner wilden Lust« hergegeben habe, sei sie »Opfer seines augenblicklich erwachten Hasses« geworden. Die Mordwaffe habe er offenbar schon vorher bereitgestellt.

Catharinas kleine Nichte hörte die Schreie und eilte herbei. »Dem Käthchen ist nicht gut«, wiegelte der Mörder zunächst ab. Plötzlich stürzte er sich auch auf die Jüngere, würgte sie, ließ sie letztlich aber gehen. Das Mädchen flüchtete, der Mörder stürzte sich in die Wetter und ertrank. 1000 Trauergäste kamen zur Beerdigung von Catharina. Bemerkenswert, so Pauschardt, da seinerzeit nur 170 Menschen im Dorf wohnten. »Die ausführliche Schilderung eines Mordfalls im Intelligenzblatt war ebenfalls äußerst unüblich. Dort wurden nur regierungsamtliche Mitteilungen und Anzeigen veröffentlicht«, erläutert er. Vermutlich habe der Bericht den Leser belehren wollen, ein moralisch einwandfreies Leben zu führen.

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Artikel vom 31.07.2010 - 13.00 Uhr
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