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Landwirt: Streue sogar Wildblumen-Samen

Artikel vom 04.02.2010 - 10.00 Uhr

Landwirt: Streue sogar Wildblumen-Samen

Bad Nauheim (ihm). Die Bürgerinitiative (BI) Waldpark Skiwiese kritisiert die derzeitige Bewirtschaftung der Skiwiese. Durch Düngen und frühe Mahd gehe die Pflanzenvielfalt zurück. Am Dienstagabend wurde das Thema im Grünausschuss diskutiert. Hauptpächter ist ein Bad Nauheimer Landwirt, er mäht dort Futter für seine Tiere. »Ich mache das so umweltschonend wie möglich. Aber irgendwo hört es auf«, unterstrich er.
Zielkonflikt: Nach Ansicht der BI ist die Skiwiese ein denkmalgeschütztes Erholungsgebiet und keine »Hochleistungslandwirtschaft
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Zielkonflikt: Nach Ansicht der BI ist die Skiwiese ein denkmalgeschütztes Erholungsgebiet und keine »Hochleistungslandwirtschaft«. (Foto: ihm)
Die BI unterbreitete Vorschläge, wie sie sich die Nutzung vorstellt. Die Skiwiese sei ein denkmalgeschütztes Erholungsgebiet und keine »Hochleistungslandwirtschaft«. Schützenhilfe erhielt der Bauer von Stadtverordneten, die vom agrarwirtschaftlichen Fach sind, sowie von Bürgermeister Bernd Witzel.

 

Springender Punkt ist nach Ansicht der BI das Thema Silage: Grünfutter für Rinder, das konserviert und eingelagert wird. Sprecher Hartmut Backhaus erläuterte: »Die Kühe brauchen hohen Eiweißgehalt im Gras, damit sie viel Milch geben. Deshalb mäht der Landwirt das Gras bei 30 Zentimeter Höhe.« Grund: In diesem Stadium sei der Eiweißgehalt am höchsten. Bei früher Mahd kämen die Wiesenblumen jedoch nicht zur Blüte und könnten nicht aussäen. Weiteres Manko, so Backhaus: Silage müsse innerhalb kürzester Zeit eingefahren werden, da sonst durch die Verdunstung der Nährstoffgehalt sinke. Darum werde das Grünzeug auch abtransportiert, wenn es plötzlich regnet. Ist der Boden jedoch feucht, träten eher Schäden durch die Maschinen auf. Dritter Punkt: Die BI kritisiert »zu häufiges Düngen«. Dadurch verschwänden, wie überall in Deutschland, die seltenen Arten. Der Landwirt entgegnete, er dünge nur einmal pro Jahr mit Mineraldünger. Das könne er anhand seines elektronischen Aufzeichnungssystems nachweisen.

Die BI plädierte für folgende Lösung: Die Wiese soll nur zweimal pro Jahr gemäht und nicht gedüngt werden. Nur Heu - es eignet sich als Pferdefutter - soll gemacht werden. In erster Linie solle der bisherige Nutzer dabei zum Zuge kommen. Wolle er nicht, könnten andere Landwirte und ein Wanderschäfer in die Bresche springen. Die BI hat bereits Gespräche geführt.

Witzel warf der Initiative vor, sie wolle den jetzigen Pächter verdrängen. Backhaus wies das zurück. »So einfach geht das nicht. Der Betrieb macht das doch nicht aus Zeitvertreib. Wir sind froh, dass es gemacht wird«, stellte sich der Rathauschef hinter den Bauern. Nach Ansicht Witzels will die 3 B-Fraktion das Thema politisch ausnutzen. Das Bürger-Bündnis hatte letzte Woche im Stadtparlament beantragt, der BI zu folgen. Der Tagesordnungspunkt war vertagt worden. Grünausschuss-Vorsitzender Heinz Thönges (UWG) hatte gleichwohl Beratungsbedarf gesehen. Eine Entscheidung kann offenbar ohnedies nur der Magistrat fällen.

»Stadt ist darauf angewiesen«

Klaus Dietz (CDU) und Thönges sprangen dem Bauern bei. Thönges - er ist Ortslandwirt in Steinfurth - sagte: »Vor ein paar Jahren sollte die Skiwiese zum Golfplatz umgebaut werden. Damals argumentierte die BI, man könne einem Betrieb nicht die Futterbasis entziehen.« Bei der Skiwiese handele es sich um einen Nordhang, der weniger fürs Heumachen geeignet sei, da die Sonne nicht so einscheine. Dietz - er ist Agraringenieur - erklärte: »Ich sehe einen Zielkonflikt. Die Stadt ist darauf angewiesen, dass jemand das Gras mäht und abfährt.« Ein zahlender Pächter sei vorhanden. »Wenn ich sage, der Energiegehalt ist mir egal, sondern ich will eine andere Pflanzensoziologie - dann wird das schnell uninteressant für den Pächter.« Ein Wanderschäfer zahle keine Pacht. Nach Ansicht von Dietz darf nicht am Ende der Baubetriebshof die Arbeit erledigen müssen. »Das wäre der falsche Weg.«

Wie der Bauer berichtete, ist er seit den 70er Jahren auf der Skiwiese aktiv. »Ich finde das Engagement der BI wirklich lobenswert. Ich bin dem schon immer entgegengekommen. Da, wo nicht so viel wächst, habe ich nicht so viel gemäht«, sagte er. Zwei- bis dreimal jährlich mache er Silage, das betreffe etwa 40 Prozent des Areals. Auf der verbleibenden Fläche fahre er im Juni Heu ein, im Herbst mache er dort Silo-Futter. Bei der Mahd setze er Traktoren ein. Er versuche, die Schäden so gering wie möglich zu halten. Zur WZ sagte der Mann: »Ich habe sogar schon Wildblumen-Samen hingeworfen.«

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Artikel vom 04.02.2010 - 10.00 Uhr
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