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Kirgisischem Au-pair droht Ausweisung

Artikel vom 03.01.2010 - 19.00 Uhr

Kirgisischem Au-pair droht Ausweisung

Bad Nauheim (khn). Gulzira Dzhentaeva will eigentlich Deutsch lernen, das Land jenseits der Bücher aus ihrer Uni-Bibliothek kennen lernen. Also entschließt sich die 23-jährige Kirgisin zu einem Au-pair-Aufenthalt. Bis zum 31. Juli gilt ihr Vertrag. Doch mit ihrer ersten Gastmutter hat sie große Probleme. Sie muss die Familie verlassen. Schnell findet Dzhentaeva aber in Bad Nauheim bei Adela Yamini ein neues Zuhause. Doch der nächste Schlag folgt bald.
Gulzira Dzhentaeva lernt jede freie Minuten Deutsch, obwohl sie wegen ihrer ungewissen Zukunft in Deutschland zugibt: »Ich kann
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Gulzira Dzhentaeva lernt jede freie Minuten Deutsch, obwohl sie wegen ihrer ungewissen Zukunft in Deutschland zugibt: »Ich kann kaum noch klar denken.« (Foto: khn)
Das Ausländeramt des Wetteraukreises nimmt der jungen Frau den Pass weg und setzt ihr eine Frist: Bis zum 5. Januar muss sie das Land verlassen. Der Grund: Sie ist zu spät bei der Behörde vorstellig geworden. Außerdem hat die ehemalige Gastmutter die junge Frau als illegal gemeldet. »Das ist ein Schock für mich, ich kann kaum mehr klar denken«, sagt Dzhentaeva.

Die Kirgisin ist seit dem 8. August in Deutschland. Zuerst bei einer Gastfamilie in einem Dorf nahe Koblenz. »14 Tage lang war alles okay«, sagt die 23-Jährige. »Aber dann gingen die Probleme los.« Die Gastmutter ist alleinstehend, hat zwei Kinder und war nach Angaben der jungen Kirgisin vier Tage in der Woche für ihre Arbeit unterwegs in Luxemburg. »Das bedeutete eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung der Kinder statt der im Vertrag festgesetzten 30 Stunden pro Woche.« Außerdem sei es ihr nicht möglich gewesen, am Wochenende mehr vom Land zu sehen. »Busse fuhren nicht, und meine Gastmutter konnte ich nicht ständig fragen, ob sie mich fährt.«

Dzhentaeva studiert in Kirgisistan Deutsch. Sie möchte einmal Lehrerin werden. Die Gastfamilie habe sich verpflichtet, ihr Zeit für Sprachunterricht zu geben. »In dem Dorf ging das nicht«, sagt die junge Frau. Als die Probleme zunehmen, wendet sie sich an ihre Au-pair-Agentur in Pforzheim. Sie erkundigt sich nach einem Familienwechsel. Außerdem sucht sie am 25. Oktober das Gespräch mit ihrer Gastmutter. Doch dieses habe mit einem Rausschmiss geendet: »Sie setzte mich vor die Tür, sagte ›Pack deine Sachen und geh‹«. Dabei habe sie laut Vertrag eine Kündigungsfrist von zwei Wochen. »Das war ein Schock für mich«, sagt die junge Frau. Außerdem habe ihre Gastmutter über mögliche Konsequenzen ihrer Abreise kein Wort verloren. Noch am selben Tag kommen Freunde und holen sie ab. Bis heute habe die Gastmutter ihr Gehalt für Oktober - immerhin 260 Euro - nicht überwiesen.

Die 23-Jährige ruft ihre Agentur an und bittet darum, eine neue Familie vermittelt zu bekommen. »Die wollten sich darum kümmern, schafften es aber nach einer Woche nicht.« Übers Internet findet sie die Telefonnummer der Friedberger Agentur Mundt. Drei Tage später erhält sie das Angebot, als Au-pair-Mädchen bei der Afghanin Adela Yamini zu arbeiten. »Am 4. November stellte sie sich vor und blieb zehn Tage, damit wir einander kennenzulernen können«, erzählt diese. »Die Kinder mochten sie sofort, sie fühlte sich wohl, also unterschrieb ich den Vertrag.« Direkt danach - am 15. November - meldete Yamini die junge Kirgisin in Bad Nauheim bei der Behörde an. Zu spät, wie sich herausstellte.

Am 17. Dezember werden die beiden nach Friedberg bestellt. Ein Mitarbeiter des Ausländeramts nimmt Dzhentaeva den Pass weg und fordert sie auf, bis zum 5. Januar das Land zu verlassen. Der Grund: Sie habe sich nicht sofort bei der Behörde gemeldet. Außerdem: »Die alte Gastmutter schrieb an das Ausländeramt ihres Kreises, Gulzira sei verschwunden und halte sich damit illegal in Deutschland auf«, sagt Yamini. »Dabei hat sie mich rausgeworfen«, wirft Dzhentaeva ein. Der Brief wurde an den Wetteraukreis weitergeleitet.



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Artikel vom 03.01.2010 - 19.00 Uhr
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