Bad Nauheim (ihm). Die Kerckhoff-Klinik sieht sich gut aufgestellt. 4,4 Millionen Euro betrug der Gewinn 2009.
Zufrieden mit Betriebsergebnis: (von links) Prof. Christian Hamm, Prof. Friedrich Grimminger, Dr. Walter Arnold, Prokurist Detlef Schneider, Ulrich Jung und Prokurist Matthias Müller. (Foto: ihm)
Das teilten die Verantwortlichen gestern im Rahmen einer Pressekonferenz mit. Über Ärztemangel kann das Herz- und Rheumazentrum nicht klagen. Auch in medizinischer Sicht fiel das Fazit erfreulich aus, wie Qualitätsparameter belegten. Innovation, Investition und Vernetzung seien die Ursachen. Ex-Staatssekretär Dr. Walter Arnold würdigte die Verdienste des kürzlich verstorbenen Herzchirurgen Prof. Wolf-Peter Klövekorn.
»Wir sind auf gutem Kurs«, unterstrich Arnold. Es habe sich ausgezahlt, auf bewährte Kräfte zu setzen. Die Klinik habe 2009 Einnahmen von 85,6 Millionen Euro erwirtschaftet. Dem stünden Ausgaben von 77,1 Millionen Euro gegenüber. Nach Steuerabzug liege das Ergebnis bei 4,4 Millionen. Schmerzhaft habe man den Tod Klövekorns erlebt. Der Chirurg habe sich bleibende Verdienste erworben. »Er hat dieses Haus groß gemacht«, betonte Arnold.
Ulrich Jung (Kaufmännischer Geschäftsführer) sagte: »Die Kerckhoff-Klinik hat sich durch kontinuierliche Investitionen in Krankenversorgung, Infrastruktur und Qualität zu einem der führenden Zentren für Herz-, Lungen- und Rheumaerkrankungen entwickelt.« 267 Plan- und 22 Intensivbetten halte die Klinik vor. 2009 sei der »Case-Mix-Index« erhöht worden. Heutzutage werde nicht nur in Fallzahlen gemessen, es komme auch auf die Schwere der Erkrankung an. Eine Steigerung des Index beeinflusse die Einnahmesituation positiv. »Über 5000 operative Eingriffe erfolgten letztes Jahr«, blickte Jung zurück. Unter anderem sieht er eine strukturierte Prozessplanung und die hohe Prozesseffizienz als Ursache für die guten Ergebnisse. Bei der Übertragung ärztlicher Aufgaben in die Pflege habe die Klinik bundesweit Pilotcharakter. Gemeint seien administrative und einfache medizinische Arbeiten wie subkutane Injektionen oder Blutentnahmen. »Die Kapazitäten, die bei den Ärzten dadurch freiwerden, kommen direkt dem Patient zugute«, betonte der Geschäftsführer. Er nannte Beispiele für Qualitätsparameter. Da sei etwa das Gebiet der Operationen an Herzkranzgefäßen. »Möglichst häufig soll bei der Bypass-OP die innere Brustwandarterie verwendet werden. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 92,5 Prozent, in der Kerckhoff-Klinik sind es 94,54 Prozent.« Ab August wird am Neubau über dem Haupteingang gearbeitet.
Ärztlicher Direktor Prof. Christian Hamm wies auf die neue Herzkatheter-Einheit hin, die im August eröffnet wird. Neben den Standardverfahren zum Einsatz des Katheters werde die Abteilung auch auf Eingriffe an Herzklappen spezialisiert sein. Hamm kam auf den Ärztemangel in Deutschland zu sprechen: »Wir haben keine Probleme.« Prof. Friedrich Grimminger (Koordinator Onkologisches und Radiologisches Netzwerk) ging auf die Vernetzung ein. »Die positiven Zahlen sind ein guter Beleg für den Erfolg«, stellte er fest. Grenzen seien auf vier Gebieten eingerissen worden: Zwischen benachbarten Kliniken, unter Ärzten verschiedener Fachrichtungen, zwischen Ärzten und Pflegern sowie bei Sektoren wie Ambulanz und Rehabilitation.