Herztransplantation: Aus dem Schock wird eine Chance
Bad Nauheim (ihm). Pro Jahr werden in der Kerckhoff-Klinik über 2000 herzinsuffiziente Patienten behandelt. Es gibt unterschiedliche Ursachen, nach ihnen richtet sich die Therapie. Der Verlauf kann unterschiedlich schwer sein, die Behandlungsformen reichen von Arzneimittelgabe bis zur OP. Zwei Patienten, die von einer besonders schweren Insuffizienz betroffen waren und sind, erzählten der WZ ihre Geschichte.
Niko Gözupekli: »Ich sah den Mann, wie fit er war. Von da an dachte ich nicht weiter nach.«
Als Niko Gözüpekli morgens um 5 Uhr ans Telefon ging, hörte er folgende Worte: »Hier ist die Kerckhoff-Klinik. Wir haben ein Herz für Sie.« Eine halbe Stunde später war der 55-jährige Rosbacher in Bad Nauheim. Acht Stunden dauerte die Operation. Er erwachte auf der Intensivstation, die er mehrere Tage nicht verlassen würde. Zwei Monate währte sein Aufenthalt insgesamt. Schmerzen spürte Gözüpekli kaum. Was zählte, waren die Fortschritte. Nach drei Tagen verließ er erstmals das Bett. »Wie soll das gehen?«, fragte er vorher. Der Pfleger half, Gözüpekli lief vorsichtig durch den Raum. Als er die Intensivstation verlassen konnte, fühlte er sich bereits ziemlich fit.
Die Kerckhoff-Klinik kennt er seit 30 Jahren. 25 war er, als er auf dem Fußballplatz umfiel. Schwere Herzrhythmusstörungen waren der Grund. In der Klinik wurde er reanimiert, lebte fortan mit Tabletten. 1996 bekam er einen Defibrillator, 2002 erfolgte ein Austausch. 2008 verschlechterte sich sein Zustand, immer öfter litt er unter Luftnot. »Das Herz hat nicht mehr stark genug gepumpt. Es kam zu Wassereinlagerungen.« Dreimal wurde punktiert, bis Prof. Veselin Mitrovic (Medizinischer Direktor Kerckhoff-Forschungsgesellschaft) 2009 eine Transplantation vorschlug. »Das war zunächst ein Schock«, erinnert sich Gözüpekli. Er bat, einen Patient kennenzulernen, der einen solchen Eingriff hinter sich hat. »Ich sah den Mann, wie fit er war. Ab diesem Moment dachte ich nicht weiter nach.« Der Kerckhoff-Klinik vertraue er voll und ganz.
Bewusst befasste er sich gedanklich nie viel mit seinem Krankheitsbild. »Sonst wird man erst recht krank«, meint der zweifache Vater. Er will sich auf die angenehmen Seiten des Lebens konzentrieren: Spazieren gehen, auf dem Hometrainer schonend Fahrrad fahren. Wer der Organspender war, möchte er nicht wissen. Nur eins ist gewiss: »Ich danke Gott, dass mir derjenige das Herz geschenkt hat.«
Rainer Vogel: Ihm steht voraussichtlich eine Herztransplantation bevor. (Fotos: ihm)
Erkältung schlägt aufs Herz
Bei Rainer Vogel aus Butzbach-Ebersgöns begannen die gesundheitlichen Probleme vor zweieinhalb Jahren. Eine schwere Erkältung schlug aufs Herz, Wasseransammlungen und Luftnot waren die Folge. Er fühlte sich schlapp. »Ich konnte keine Treppen mehr steigen, nicht mehr liegen«, schildert er.