Bad Nauheim (jw). Vor etwas mehr als zwei Jahren wurde der Gesundheitsgarten eröffnet. Und wie bei nahezu allen öffentlichen Projekten in der Stadt hagelte es Kritik, obwohl die Anlage von vielen Besuchern Lob erhält. Zwei Kritikpunkte: der Eintrittspreis und die Öffnungszeiten.
Seele und Füße baumeln lassen: Die Strandkörbe am Gradierbau II laden zum Verweilen ein. Junge Leute würden das »Chillen« nennen. (Foto: Wagner)
Ein Obolus der Besucher ist notwendig, um die Anlage dauerhaft zu erhalten, sagt Frank Müller, Leiter des Kur- und Servicebetriebs (KuS). Bei den Öffnungszeiten hingegen wurde nachgebessert: Damit auch berufstätige Bad Nauheimer den Gesundheitsgarten nutzen können, ist er im Sommer ab sofort abends bis 21 Uhr geöffnet.
Freitagmittag in der Zanderstraße. Die Luft ist schwül und drückend, doch am Gradierbau II weht den Besuchern eine frische Meeresbrise entgegen. Allerdings sind es nicht arg viele Besucher. Ein Ehepaar entspannt auf den Liegestühlen auf der Wiese, zwei Männer sitzen auf einer Bank, eine Gruppe macht Gymnastik, ein junges Pärchen kuschelt sich im Strandkorb aneinander. Ab und zu läuft ein Passant vorbei. »Ich gehe hier nur durch«, sagt eine Bewohnerin des Elisabethhauses. Das ist auch ohne Eintrittskarte erlaubt, wie KuS-Leiter Müller sagt. »Die Türen sind immer offen, die Bad Nauheimer können den Garten als Fußweg nutzen.«
Wer sich allerdings länger dort aufhält, wird zur Kasse gebeten. 3 Euro kostet der Eintritt. Wer eine Kurkarte erworben hat, muss nicht extra zahlen (siehe Kasten). »Die jährlichen Unterhaltungskosten liegen bei knapp 100 000 Euro. Wer Eintritt zahlt, hilft mit, die Anlage dauerhaft zu erhalten«, sagt Müller und merkt an, auch dies sei eine Form von Bürgerengagement. Zwei Mitarbeiter des KuS kümmern sich um den Garten, der für rund 1,3 Millionen Euro angelegt wurde, dazu kommen 400-Euro-Kräfte, die Abfall beseitigen und sich um Pflegearbeiten kümmern. Auch Kontrollen nähmen die Mitarbeiter vor, erzählt Müller. Bei wem offenkundig sei, dass er keine Eintrittskarte habe, der werde verhalten angesprochen. Die Mitarbeiter würden aber nicht als Ordnungsdienst auftreten.
Bislang kein Vandalismus
Erfreulich ist, dass es bislang keine Fälle von Vandalismus gab. Dies wohl auch deshalb, weil die Anlage durch den Zaun geschützt ist, sagt Müller. Überhaupt erfreue sich der Gesundheitsgarten großer Beliebtheit. »Es gibt richtige Fans, die die Ruhe am Gradierbau genießen.« Damit dies in den warmen Monaten auch Berufstätige tun können, wird der Garten ab sofort bis 21 Uhr geöffnet, sagt Müller.
Neben der salzigen Luft am Gradierbau können die Besucher an verschiedenen Stationen Geschicklichkeit, Beweglichkeit und Kraft testen, können balancieren, barfuß den Untergrund »ertasten«, im Summstein akustische Signale am ganzen Körper spüren, metallenen Resonatoren lauschen oder die Füße ins Kneippbecken stecken. Das kam zuletzt hinzu, wie der Kräutergarten ist es eine Kooperation mit dem Kneipp-Verein. Was fehlt, ist eine dauerhafte Toilette. Derzeit steht am Eingang an der Sodenschmiede ein Dixie-Klo, das sich nur bedingt in die Landschaftsarchitektur einfügt. Demnächst soll es ersetzt werden, der KuS steht mit der Unteren Denkmalpflege in Verbindung, denn die Gradierbauten und die umgebenden Grünanlagen genießen Ensembleschutz. »Viele Gäste der LGS empfinden die Anlagen mit dem Gradierbau I, dem Rosengarten, dem Gesundheitsgarten und dem Südpark als zweite Landesgartenschau mitten in der Stadt«, sagt Müller. Viele andere scheinen hingegen bislang einen großen Bogen um den Gesundheitsgarten zu machen, denn selbst an Wochenenden wirkt er oft leer. Dabei zählt er zweifellos zu den schönsten Grünanlagen in der Stadt.
Bad Nauheim Karte
Der Kur- und Servicebetrieb wirbt für den Kauf einer Kurkarte. Die »Bad Nauheim Karte« gibt es für einen Tag (3 Euro, Familienkarten 6 Euro) oder für ein ganzes Jahr (70 Euro, Familien 140 Euro) in der Tourist Information und am Gradierbau I, am Gesundheitsgarten gibt es am Automaten Tageskarten. Die Kurkarte bietet eine Reihe von Vergünstigungen: Freien Eintritt gibt es im Gradierbau I mit Inhalatorium, Kneippbecken und Keltenpavillon sowie im Gesundheitsgarten, ferner bei Kur- und Jazzkonzerten; bei Gästeführungen spart man zwischen 1 und 3 Euro, im Kino Fantasia, im Eisstadion, im Rosenmuseum und bei Arztvorträgen 1 Euro, in der Therme am Park 2,10 Euro, die Wannenbäder im Sprudelhof sind um 3 Euro günstiger. (jw)