Bad Nauheim (bk). Das Betreungsangebot »Ganztagschule nach Maß« ist nicht nur zeitgemäß, die Kurstadt ist ihrer Zeit damit ein kleines Stück voraus. In der Stadtschule an der Wilhelmskirche und der Dependance in der Rotdornstraße können rund 300 Kinder zwischen 7.30 und 16.30 Uhr neben dem Unterricht Hausaufgabenbetreuung, Mittagessen und zahlreiche Freizeitkurse in Anspruch nehmen. Jetzt kommt es zu einem Trägerwechsel.
Neuer Betreuungsträger gesucht: Die Stadtschule an der Wilhelmskirche.
»Viele Gerüchte und Desinformationen um den Weiterbestand unserer Ganztagsbetreuung schwirren im Moment durch Bad Nauheim und sorgen für Beunruhigung bei Eltern und Kindern«, heißt es in einem Schreiben von Stadtschul-Rektorin Hildegard Stephan-Jünemann. Der bisherige Träger des Betreuungskonzepts, der Verein Lichtblick, der die »Ganztagsschule nach Maß« von Anfang an begleitet hat, scheidet zum 1. August aus. »Finanzielle Gründe sind ausschlaggebend. Lichtblick hat erklärt, die Leistungen mit dem bisherigen Budget nicht mehr erbringen zu können«, erklärte Peter Krank, Fachbereichsleiter Soziales und Öffentliche Ordnung, auf Anfrage. Zwar sei noch kein neuer Vertrag unterzeichnet, an »Quantität und Qualität« werde sich aber nichts ändern.
Verursacherin der Gerüchte sei offenbar eine mangelhafte Kommunikation gewesen, räumte Krank ein. Wie Steffen Prietz, Vorsitzender des Schulelternbeirats, im Gespräch mit der WZ erklärte, hätten Eltern durch Zufall vom bevorstehenden Wechsel erfahren: »In einem Kindergarten war ein Betreuer tätig, der bislang für die Ganztagsschule arbeitete.« Das Ausbleiben von Informationen führte laut Prietz zur »Verunsicherung von Lichtblick-Mitarbeitern, die sich auf die Eltern ausgewirkt hat«. Jetzt sei es wichtig, für Kontinuität und Ruhe zu sorgen. Endgültige Klarheit könne erst geschaffen werden, wenn der Vertrag mit einem neuen Träger unterzeichnet sei. Dann werde auch ersichtlich, wie das bisherige Konzept aufrechterhalten werden soll, obwohl die Lichtblick-Verantwortlichen erklärt haben, das Budget sei nicht ausreichend.
Nach den Worten von Krank ist lediglich eine organisatorische Änderung vorgesehen. Für die Sommerferienspiele, die bislang ebenfalls von Lichtblick organisiert worden waren, wird wieder die Stadtverwaltung verantwortlich zeichnen. »Aufgrund der angespannten Haushaltslage war es nicht möglich, mehr Mittel für die Ganztagsschule nach Maß zu bewilligen«, betonte der Fachbereichsleiter. Derzeit liefen Verhandlungen mit einem neuen Partner. Sobald eine Vereinbarung geschlossen ist, sollen die Eltern Einzelheiten erfahren. Krank geht davon aus, dass die Lichtblick-Mitarbeiter vom neuen Träger weiterbeschäftigt werden.
Das werde nur zum Teil der Fall sein, wie Diplom-Psychologe Karl-Heinz Sohn, Vorstandsvorsitzender von Lichtblick, sagte. Seinen Worten zufolge haben bereits einige der 44 Mitarbeiter - meist handelt es sich um Honorarkräfte - auf Grund der unsicheren Lage gekündigt. »Wir sind an die Grenze der Finanzierungsmöglichkeiten gestoßen«, unterstrich Sohn, der als Hauptgrund den Anstieg der Personalkosten nannte, der vom tarifgebundenen Lichtblick-Verein nicht mehr aufgefangen werden könne. Zudem habe sich die Zahl der Kinder mit besonderem Betreuungsbedarf erhöht. Das verursache ebenso Mehrkosten wie der Betrieb von zwei Kantinen an den beiden Standorten. »Für Mitarbeiter, die nicht übernommen werden, suchen wir eine andere Beschäftigung innerhalb unseres Vereins«, sagte der Vorsitzende von Lichtblick, das in Bad Nauheim das Jugendhilfezentrum in Steinfurth und eine Gruppe für sozialpädagogische Familienhilfe in der Dieselstraße betreut.
Prietz sprach bezüglich der »Ganztagschule nach Maß« von einem hervorragenden Modell, das vor allem Kindern aus sozial schwachen Familien zugute komme und berufstätigen Eltern eine umfassende Betreuung ihrer Kinder garantiere. Der Verein Lichtblick sei zwischenzeitlich »vom Erfolg überrollt« worden, weil der starke Zulauf nicht leicht zu bewältigen gewesen sei. Aus der Elternschaft höre man bezüglich der Arbeit des Trägers unterschiedliche Urteile, was allerdings nicht verwunderlich sei: »Das reicht von Superklasse bis zur Aussage, man sei froh, wenn Lichtblick aufhört.«