Bad Nauheim (ihm). Enttäuscht verließen die Mitstreiter des angehenden Vereins »Kunstvoll« das Rathaus. Gerade hatte der Haupt- und Finanzausschuss einstimmig die Entscheidung über die Zustimmung zum Galerie-Projekt in der Trinkkuranlage verschoben.
Der Magistrat soll bis Donnerstag, 18. März, ein alternatives Nutzungskonzept für die Galerie und ein Gesamtkonzept für das Jugendstil-Gebäudeensemble vorlegen. »Das sind politische Spielchen«, kritisierte Bürgermeister Bernd Witzel. Der Sport- und Kulturausschuss hatte das Kunstprojekt vor zwei Wochen befürwortet. »Kunstvoll« wird trotz allem gegründet: Am Montag (19 Uhr) im kleinen Saal des Sportheims.
Zahlreiche Zuschauer verfolgten die Diskussion. Auch der städtische Kulturamtsleiter Johannes Lenz war anwesend. Er kam allerdings ebenso wenig zu Wort wie die künftigen Mitglieder. Handelt es sich bei der Kritik am »Kunstvoll«-Projekt und dessen finanziellen Auswirkungen um eine Neid-Debatte oder werden berechtigte Einwände erhoben? Die Meinungen dürften geteilt sein. Einerseits - das hatte Lenz im Sport- und Kulturausschuss seinerzeit dargelegt - würde die Stadt Geld sparen. Dafür bekäme sie eine weit umfänglichere Leistung, als sie selbst umsetzen kann. 30 000 Euro soll der Verein ab 2011 jährlich erhalten, um ganzjährig Ausstellungen in der Trinkkuranlage auf die Beine zu stellen. Der Fachbereich Sport und Kultur hingegen könnte laut Lenz mit seinem Budget von 36 000 Euro lediglich fünf Veranstaltungen realisieren. Das hat etwas mit den Personalkosten zu tun, die bei »Kunstvoll« entfallen. Die Mitglieder würden unentgeltlich die Ausstellungsräume bewachen.
»Das Ganze ist konzeptlos«
Auf der anderen Seite stehen jene, die Bedenkzeit wünschen, etwa Jürgen Burdak (3B). »Man muss das nicht übers Knie brechen. Erst für 2011 ist geplant, dass der Verein die Arbeit aufnimmt.« Wie Burdak hervorhob, hätten andere Klubs bereits etwas erarbeitet und kein Geld bekommen. Er nannte die Wanderwege-Gruppe. Zudem fehle bislang ein Gesamtentwurf für die Nutzung der Trinkkuranlage, die als Kur- und Bürgerzentrum geplant ist. »Das Ganze ist konzeptlos«, bemängelte der Fraktionschef. 3 B begrüße die Gründung eines Vereins, der etwas für die Kultur in der Kurstadt tun wolle. Kultur beinhalte jedoch nicht nur die bildende Kunst.
Markus Theis (Wir und Andere) forderte, ein alternatives Nutzungskonzept für die Galerie auszuarbeiten. Das hätte der Magistrat nach einem Beschluss der parlamentarischen Gremien längst tun sollen. »Vielleicht gibt es ja Interessenten, die bereits sind, Miete zu zahlen«, betonte der Stadtverordnete. Aus den Reihen der Christdemokraten wurde ein fehlender Magistratsbeschluss moniert, wie Ausschussvorsitzender Sigwart Langsdorf (CDU) erläuterte.
Soll der Verein die Stadt an seinen Einnahmen beteiligen? Oder können eventuelle Erträge, die beispielsweise durch Eintritt zu den Ausstellungen erwirtschaftet werden, komplett für Vereinszwecke investiert werden? Ist die »exklusive Bespielung« der Galerie durch den Klub bedenklich? Oder kann von »exklusiv« nicht die Rede sein, da die Stadt einmal pro Jahr eine Veranstaltung machen dürfte? Auch das soll am 18. März weiter besprochen werden.
der Hinweis auf den Turnverein! Da ist ein erheblicher Unterschied zwischen einem Verein, der Jugendarbeit leistet und einem Verein der "bildende Kunst" fördern will. Klamme Stadtkasse mit Kunst verschönern, das hat was!
Da ist ein erheblicher Unterschied zwischen einem Verein, der Jugendarbeit leistet und einem Verein der "bildende Kunst" fördern will.
Klamme Stadtkasse mit Kunst verschönern, das hat was!