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Eisstadion ist keine heilige Kuh mehr

Artikel vom 20.01.2010 - 02.00 Uhr

Eisstadion ist keine heilige Kuh mehr

Bad Nauheim (bk). So langsam klopfen die im Stadtparlament vertretenen Parteien und Gruppierungen ihre Standpunkte in Sachen Eisstadion-Zukunft fest. Nach Informationen unserer Zeitung dürften sich letztlich die zerstrittenen Ex-Kooperationspartner CDU und UWG zusammenraufen und für eine Sanierung der bestehenden Sportstätte am Großen Teich votieren, deren Kosten mit etwa 2 Millionen Euro zu veranschlagen sind. Fast alle anderen Fraktionen sind dagegen eher skeptisch, ob ein Erhalt des Eissports angesichts der prekären Finanzsituation der Kurstadt - Stichwort: rund 10 Millionen Euro Haushaltsdefizit in diesem Jahr - überhaupt noch zu finanzieren ist.
Für die von Bürgermeister Bernd Witzel angestrebten Neubaupläne ist eine Mehrheit in weite Ferne gerückt.
Die Christdemokraten versammeln sich hinter ihrem Ersten Stadtrat Armin Häuser und haben sich offensichtlich bereits auf die Sanierungsvariante festgelegt. Die größte Fraktion möchte in diesem Jahr etwa 1 Million Euro investieren, um das Dach des Colonel-Knight-Stadions instand zu setzen. Wird diese Sanierung nicht vorgenommen, muss die Sportstätte nach den Erkenntnissen eines Gutachters im Anschluss an die laufende Saison geschlossen werden. WZ-Informationen zufolge wollen Magistratsvertreter demnächst ein Gespräch mit Landrat Joachim Arnold in dessen Funktion als Kommunalaufsicht führen. Ziel: Arnold soll der Stadt vorab die Aufnahme eines Millionenkredits bewilligen, damit das Stadiondach ohne genehmigten Haushalt 2010 (der Bad Nauheimer Etat ist noch gar nicht vom Parlament beschlossen) erneuert werden kann. 2011 sollen nach dem Willen der Union zusätzlich zwischen 800 000 und 1 Million Euro bereitgestellt werden, um Fenster und Fassade zu erneuern. Laut Gutachten könnte das Stadion dann für weitere 10 bis 15 Jahre betrieben werden.

Wie Christian Weiße, Vorsitzender der UWG, im Gespräch mit der WZ erklärte, werde die Wählergemeinschaft eine Mitgliederversammlung zu diesem Thema veranstalten. »Wir werden mit dem Ex-Kooperationspartner CDU eine Mehrheit für den Erhalt des Eissports finden«, machte der UWG-Vorsitzende klar. Das heißt: Ist der von Witzel (UWG) angestrebte Neubau nicht durchsetzbar, dürfte die Unabhängige Wähler-Gemeinschaft auf die CDU-Linie pro Sanierung einschwenken. Laut Weiße muss das Dach auf jeden Fall in Kürze saniert werden - fraglich sei lediglich, welchen Umfang die Instandsetzungsarbeiten haben sollen.

Für vier andere Fraktionen scheint das Eisstadion angesichts der desolaten Finanzlage dagegen keine heilige Kuh mehr zu sein. So hatte SPD-Fraktionschef Dr. Helmut Francke kürzlich gegenüber der WZ erklärt, seine Partei sei notfalls bereit, auf Großprojekte wie Eisstadion-Sanierung oder -Neubau zu verzichten, um zum Beispiel dringend erforderliche Mittel für Jugendarbeit und Kinderbetreuung weiter zur Verfügung stellen zu können. Ähnlich äußerte sich Grünen-Fraktionsvorsitzende Brigitta Nell-Düvel, die ebenfalls bezweifelt, dass sich eine Kleinstadt wie Bad Nauheim angesichts der wirtschaftlichen Lage noch ein Eisstadion leisten kann.

Für 3 B stellt sich derzeit die Frage Neubau oder Sanierung nicht. Zunächst müsse geklärt werden, wie künftig die Unterhaltungskosten für das Eisstadion finanziert werden sollen. Nach Angaben von Bürgermeister Witzel muss die Stadt jedes Jahr 600 000 Euro zuschießen, wobei in diesem Betrag Sanierungskosten noch nicht enthalten sind. Wie 3 B-Fraktionschef Jürgen Burdak sagte, gebe es neben dem Stadion das Usa-Wellenbad, das Thermalbad, den Kurpark und viele andere Einrichtungen, die Jahr für Jahr enorme Summen verschlingen. Die Stadt habe diese Ausgaben früher schultern können, jetzt seien aber die Steuereinnahmen eingebrochen, und vor 2013 sei nach Aussagen von Kämmerer Häuser keine Erholung zu erwarten. »Nun gilt es, die Ausgaben der neuen Einnahmesituation anzupassen«, forderte der 3 B-Stadtverordnete Matthias Küchenmeister. Nach Aussage Burdaks hat bislang weder Häuser für seinen Stadionsanierungsvorschlag noch Witzel für sein Neubau-Konzept erklärt, wie die erforderlichen Ausgaben gegenfinanziert werden sollen. 3 B verlangt eine Prioritätenliste, in der festgelegt werden soll, welche Einrichtungen vorrangig erhalten werden müssen. »Unbequeme Entscheidungen müssen zur rechten Zeit getroffen werden«, unterstrich Burdak.

Einen konkreten Vorschlag in Sachen Eisstadion unterbreitet die neue Fraktion Wir und Andere (Liste Wir-Vertreterin Gisela Cherubim und die zwei SPD-Mitglieder Dr. Hans-Joachim Simon und Markus Theis). Nach Ansicht dieser Gruppierung lässt sich weder die von der CDU favorisierte Sanierungsvariante noch der Neubau-Plan des Bürgermeisters (»Ein Wolkenkuckucksheim«) realisieren. Simon schätzt die jährlichen finanziellen Belastungen bei einer Instandsetzung auf bis zu 250 000 Euro. Hinzu kämen die Unerhaltungskosten von rund 600 000 Euro und nach einigen Jahren zusätzliche Investitionen, beispielsweise für die Erneuerung der Technik. »Zwischen nicht finanzierbaren Vorstellungen der voraussichtlichen Bürgermeister-Kandidaten Witzel und Häuser sowie den Abrissplänen anderer Fraktionen ist eine bescheidene und machbare Lösung denkbar«, heißt es in der Erklärung von Wir und Andere. Der Fraktion schwebt ein Verzicht auf das Dach und den Profi-Eishockeysport vor, es sei denn die EC Rote Teufel GmbH wolle die Sanierung selbst bezahlen. Gleichzeitig könne die Eislaufsaison auf den Zeitraum 15. Oktober bis 15. März verkürzt werden. Das Stadion könne dann für vertretbare Kosten saniert werden und allein für den Breiten- und Jugendsport zur Verfügung stehen. Durch den Wegfall des Profisports würden sich nach Ansicht von Wir und Andere die Einnahmen der Stadt erhöhen, weil mehr Zeit für den öffentlichen Eislauf bleibe. Simon zufolge gehört die Behauptung, Eishockey sei ein Werbeträger für die Stadt, »zu den üblichen Allgemeinplätzen, die sich Bad Nauheimer Politiker einfallen lassen«. Derzeit spielten nur drei Bad Nauheimer Eigengewächse im Profikader. »Das Eisstadion in seinem jetzigen Betrieb ist keine sozialpolitische Errungenschaft, sondern Luxus, den sich die Bürger der Stadt nicht mehr leisten können«, unterstrich Markus Theis.

Nicht abschließend über die Eisstadion-Zukunft diskutiert hat die FDP, wie Vorsitzender Pascal Coppieters auf Anfrage sagte. Den Liberalen lägen erst seit kurzer Zeit alle notwendigen Unterlagen vor. Deshalb habe man um eine Verschiebung der Beratung in den Ausschüssen gebeten. Die für Donnerstag vorgesehene gemeinsame Ausschuss-Sitzung zu diesem Thema wurde daraufhin abgesagt.

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Artikel vom 20.01.2010 - 02.00 Uhr
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Leserkommentare
(20.01.2010 17:56)
Cameron-Poe
Eisstadion keine heilige Kuh?
ich finde es nur noch lächerlich es werden hundertausende für diese missrable Gartenschau ausgegeben es wird der Park saniert es werden parks errichtet die im nachhinein kein schwein mehr braucht es werden kilometer lange straßenabschnitte erneuert wo es nicht nötig hätten und alles nur für die diese agrtenschau und dann ist net mal ein bisschen geld und anstand für das Eis STadion was ja zu Nauheim dazu gehört aber da werden lieber dann Eigentums Wohungen errichtet ^wo absolut nicht in die gegend da oben passen aber so ist das eben die großen machen sich die säcke voll und die kleinen bleiben auf der strecke. das muste ich jetzt einfach mal los werden da ich sehr gerne zum ICE Hockey in Bad Nauheim gehe.
(20.01.2010 16:04)
Hoelzinger
Eisstadion keine heilige Kuh?
liebe Stadtpolitiker und Verantwortliche,
hier muss jetzt dringend machbares und realistisches beschlossen, umgesetzt und kommuniziert werden. (Basta) Es macht absolut kein Sinn in der heutigen Zeit weiter Neubaupläne (Fiktionen) zu verfolgen, ebenso ist es völlig verrückt an Schliessung, oder Dachabriss des alten Stadions zu denken, und eine Verbannung des aktiven und passiven Eissportes. Unsere Kur- und Kleinstadt im Herzen der Natur in Mittelhessen, muss sich eine vernünftige ziel und zeitgerichtete Sanierung des bestehenden Stadions und Fortführung an diesem richtigen Standort leisten können und müssen. Warum werden hier eigentlich nicht lokale Gutachter und Architekten, sowie Bauunternehmer mit einbezogen. Benötigen wir zur Entscheidungsfindung wirklich fremde Gutachterfirmen aus Süddeutschland oder Berlin ? Wenn z.B. Finanzmittel da sind/waren für massive Umbauarbeiten z.B. Trinkkuranlage, Rosenallee, etc (die eigentlich kein Mitbürger will/wollte), dann müssen definitiv auch Gelder für o.g. Massnahmen freigesetzt werden. Notwendige und mögliche Sanierungen können auch über einen bestimmten Zeitraum verteilt und in Auftrag gegeben werden.
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