BI: Naturschonende Bewirtschaftung der Skiwiese ist möglich
Bad Nauheim (jw). Das Stadtparlament hat mit den Stimmen von CDU und UWG den Antrag von 3 B und Grünen zur ökologisch verträglichen Bewirtschaftung der Skiwiese abgelehnt. Die Bürgerinitiative Waldpark Skiwiese (BI) bedauert diese Entscheidung und die vorausgegangene »unsachliche Diskussion im Grünausschuss«. Wie BI-Sprecher Hartmut Backhaus mitteilt, habe man im Auftrag von Stadtplanungsamt und Grünamt alternative Konzepte zur Bewirtschaftung ausgearbeitet, diese seien aber nicht zur Kenntnis genommen worden.
Die BI bemängelt den Rückgang der für die Wiese typischen Magerrasenflora und die Zunahme von Pflanzen, die auf verdichtete, gedüngte und vernässte Böden schließen ließen. Wiesenblumen hätten abgenommen, Gräser und Ampferarten zugenommen. Die Beeinträchtigungen durch Traktorreifen, tiefe Spuren im feuchten Wiesenboden und der Abrieb der Wiesenvegetation beim Wenden der Fahrzeuge und im Bereich von Hängen habe man mit Fotos dokumentiert. Die BI wollte den Landwirt, der die Skiwiese bewirtschaftet, zu einer verminderten Düngung und einer schonenderen Bewirtschaftung bewegen, dieser sei aber zu keinen Zugeständnissen bereit gewesen. Wie Backhaus in einer Pressemitteilung schreibt, handele es sich »nicht um irgendeine beliebige Wiese, sondern um ein Kleinod, das von den Stadtvätern zu Beginn des vorigen Jahrhunderts als Herzstück des denkmalgeschützten Waldparks für Bürger und Kurgäste unter erheblichen Kosten geschaffen worden ist«. Mit ihrer Blütenflora, ihrem Artenreichtum und ihrer Lage als stadtnahe Waldwiese sei die Skiwiese einzigartig in Bad Nauheim.
Die BI hatte laut Backhaus alternative Konzepte zur Bewirtschaftung ausgearbeitet. Vorschläge in drei Varianten seien dem Grünamt und den Fraktionen ausgehändigt worden: »Diese sollten während der Grünausschusssitzung Gegenstand einer Diskussion sein. Es stellte sich aber heraus, dass ein erheblicher Teil der Grünausschussmitglieder die Vorschläge der BI nicht zur Kenntnis genommen hatte.« Auf Seiten von CDU und UWG seien die Gespräche »von Voreingenommenheit und Parteilichkeit geprägt« gewesen. CDU-Fraktionsvorsitzender Klaus Dietz, Grünausschussvorsitzender Heinz Thönges und Bürgermeister Bernd Witzel (beide UWG) seien auf die Konzepte der BI nicht eingegangen, hätten polemisiert und offen Partei für die Interessen des anwesenden Landwirts ergriffen.
Die Aussage von Dietz, dass die Stadt die Pflege der Wiese selbst übernehmen müsse, wenn der Landwirt sie nicht mehr in der derzeitigen Form bewirtschaften könne, stimme nicht. Die BI habe Gespräche mit anderen Landwirten und mit einem Schäfer geführt und alternative Bewirtschaftungsformen erarbeitet. Dadurch entstünden der Stadt keine Kosten oder zusätzlichen Arbeiten. Der Waldpark Skiwiese sei ein Kulturdenkmal, weshalb die BI fragt, ob man das Befahren mit schweren Traktoren und Erntemaschinen sowie die Düngung zu landwirtschaftlichen Zwecken einfach hinnehmen müsse. Backhaus: »Die Erhaltung eines stadtnahen attraktiven Erholungsgebietes sollte allen Entscheidungsträgern unserer Stadt, gleich welcher Partei sie angehören, am Herzen liegen.«