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Altehrwürdiger Hörsaal ist ein Sanierungsfall

Artikel vom 22.02.2012 - 23.23 Uhr

Altehrwürdiger Hörsaal ist ein Sanierungsfall

Bad Nauheim (pm/bk). Im altehrwürdigen Hörsaal-Gebäude des Kerckhoff-Instituts ging die Veranstaltung »80 Jahre Herz-Kreislauf-Forschung in Bad Nauheim« über die Bühne. Wie dabei bekannt wurde, muss der Hörsaal dringend saniert werden, was 3.5 Millionen Euro kostet. Geld, das der Eigentümer Max-Planck-Gesellschaft derzeit nicht aufbringen kann.

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Die Ehrenhalle des Kerckhoff-Instituts. Rund 50 Besucher hören die Vorträge über die Geschichte der Herz-Kreislauf-Forschung in Bad Nauheim. (Foto: pv)
Im Hörsaal des Instituts wurde in den vergangenen Jahrzehnten über zahlreiche Kardiologenkarrieren entschieden. Generationen junger Herzspezialisten mussten hier die Ergebnisse ihrer Forschungsarbeit einem breiten Fachpublikum präsentieren. Nahe liegend war es deshalb, das Gebäude als Ort für die Veranstaltung »80 Jahre Herz-Kreislauf-Forschung in Bad Nauheim« zu wählen.

Vom Rednerpult aus flößen die 650 in dunklem Holz gehaltenen Klappsitze des Hörsaals auch ohne Publikum gehörig Respekt ein. Um wie viel dramatischer muss es erst gewesen sein, als Generationen junger Kardiologen vor voll besetztem Auditorium die Ergebnisse ihrer Forschungsarbeit vorstellten. Wer hier bestehen konnte, hatte die Basis für seine Karriere als Herzspezialist gelegt. Für mehrere Jahrzehnte war Bad Nauheim Sitz der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie, die ihre Jahrestagungen über 60 Jahre hinweg im Hörsaal des Kerckhoff-Instituts veranstaltete. Vielen Bürgern ist die Bedeutung der Stadt als Wiege der deutschen Kreislaufforschung nicht bekannt, auch nicht, dass das heutige Max-Planck-Institut zu den weltweit führenden Herzforschungszentren gehört. Um hier Abhilfe zu leisten, hatte die Kerckhoff-Stiftung kürzlich zu einem Informationsnachmittag in die Ehrenhalle des Instituts geladen. Der Einladung waren rund 50 Besucher gefolgt.

Wie Wilfried Schmid, Vorsitzender der Kerckhoff-Stiftung, in seinem Vortrag zur Institutsgeschichte anmerkte, wurde diese immer wieder von persönlichen Schicksalen beeinflusst. Zunächst konnte William G. Kerckhoff, US-Industrieller und einer der großen Wissenschaftsmäzene seiner Zeit, seinen erklärten Willen nicht mehr selbst in die Tat umsetzen. Sein Ziel war gewesen, in Bad Nauheim ein Herzforschungsinstitut zu errichten. Nach seinem Tod gründete seine Witwe Louise 1929 die Stiftung und ließ das Kerckhoff-Institut in der Parkstraße bauen. Als Direktor des 1931 eröffneten Instituts wurde Prof. Franz Groedel auf Lebenszeit berufen. Nur zwei Jahre später, nach der Machtübernahme der Nazis, sah sich der renommierte Wissenschaftler jüdischer Herkunft gezwungen, das Land zu verlassen. Er kehrte nie mehr nach Bad Nauheim zurück.

Beitritt zur Max-Planck-Gesellschaft

Nach dem Krieg war der Fortbestand des Instituts laut Schmid ernsthaft in Gefahr. Durch Inflation und Währungsreform hatte die Kerckhoff-Stiftung ihr Vermögen verloren und konnte das Institut nicht mehr finanzieren. Durch den Beitritt zur Max-Planck-Gesellschaft wurde der Standort gesichert. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich das physiologisch und klinisch ausgerichtete Institut weiter, bis die Gesellschaft es Ende der neunziger Jahre schließen wollte. Es kam anders, und so wurde das Institut Ende 2004 als Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung neu gegründet.

Über die wissenschaftliche Neuausrichtung berichtete Professor Stefan Offermanns, geschäftsführender Direktor des Instituts. Mit modernsten Verfahren erforsche man die Entstehung von Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems. Vor allem auf molekularer Ebene seien die Zusammenhänge bei vielen Erkrankungen weitestgehend unbekannt. Als Beispiel nannte er die Arteriosklerose. Hier habe man kürzlich ein neues Schlüsselmolekül im Zusammenhang mit der Verkalkung der Blutgefäße entdeckt. Mit seinen Mitarbeitern verfolge er nun das Ziel, diese Erkenntnis für die Entwicklung einer Therapie zu nutzen. »Man muss beim Transfer von der Grundlagenforschung in klinische Anwendung allerdings von einem Zeitraum von 15 bis 20 Jahren ausgehen«, betonte Offermanns. Er sei sich aber mit den anderen Direktoren einig, dass Patienten mit Kreislauferkrankungen mittel- und langfristig von der Forschung am Institut profitieren würden.



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Artikel vom 22.02.2012 - 23.23 Uhr
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