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Ärztestreik in der DRV: Ende ist nicht abzusehen

Artikel vom 06.01.2010 - 02.00 Uhr

Ärztestreik in der DRV: Ende ist nicht abzusehen

Bad Nauheim (bk). Die Tarifauseinandersetzung zwischen der Deutschen Rentenversicherung (DRV) und der Ärztegewerkschaft Marburger Bund über Bezahlung und Arbeitsbedingungen von Medizinern in Reha-Kliniken dauert bereits seit einem Jahr an - und ein Ende ist nicht absehbar. Gestern traten die Ärzte bundesweit erneut in den Streik, darunter auch einige Beschäftigte der Kliniken Taunus und Wetterau (beide Rehazentrum Bad Nauheim der DRV Bund) und des Rehazentrums am Sprudelhof (DRV Hessen).
Vom Marburger Bund zum Streik aufgerufen sind auch die Ärzte des Rehazentrums am Sprudelhof.
(Foto: nic)
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Vom Marburger Bund zum Streik aufgerufen sind auch die Ärzte des Rehazentrums am Sprudelhof. (Foto: nic)
Wie viele Mediziner aus der Kurstadt die Arbeit niedergelegt haben, war nicht genau zu erfahren. »In den drei Häusern sind etwa 40 Ärzte beschäftigt. Von den Medizinern, die streiken dürfen und nicht im Urlaub sind, haben sich rund 50 Prozent beteiligt«, sagte Andreas Wagner, stellvertretender Geschäftsführer des Marburger Bunds Hessen, im Gespräch mit der WZ. Aus der DRV-Zentrale in Berlin verlautete auf Anfrage, die Gewerkschaftsaktionen hätten keine Auswirkungen. Nach Informationen unserer Redaktion soll es durch die Streiks dagegen zu Problemen bei der Aufnahme von Patienten und damit zu Einnahmeverlusten kommen.

Erste Streiks im Rahmen der Auseinandersetzung hatten sich im März letzten Jahres ereignet. Damals waren leitende Angestellte der beiden Rehazentren noch zum Gespräch mit der WZ bereit, inzwischen wurde den Verantwortlichen von der DRV-Zentrale offensichtlich ein »Maulkorb« verpasst. Aus beiden Häusern hieß es »kein Kommentar«, zuständig für Auskünfte sei die DRV-Verwaltung in der Bundeshauptstadt. Die dortigen Mitarbeiter zeigten sich allerdings wenig auskunftsfreudig. Es wurde lediglich mitgeteilt, dass sich nur wenige Ärzte beteiligten. »Auswirkungen des Streiks werden durch rechtzeitige organisatorische Maßnahmen abgewendet«, hieß es weiter.

Nach WZ-Informationen verursacht die Arbeitsniederlegung dagegen durchaus Probleme, zumindest in den Kliniken Taunus und Wetterau. Während des Streiks im März 2009 hatten etwa 75 Prozent der angemeldeten Rehapatienten abgesagt, nachdem sie über die Aktion des Marburger Bundes informiert worden waren. Einige hatten Termine verschoben, nicht wenige waren auf andere Kliniken ausgewichen. Als Folge hatte das Rehazentrum Bad Nauheim einen deutlichen wirtschaftlichen Schaden zu verbuchen.

Wenn der aktuelle Streik länger anhält - Näheres war dazu gestern nicht zu erfahren - dürften die Konsequenzen ähnlich aussehen, zumal sich ein Teil des Personals im Urlaub befindet. Wegen der zurückliegenden Feiertage haben die Rehakliniken derzeit kaum Patienten, jetzt sollten sich die Betten eigentlich wieder füllen. Da kommt der Streik ungelegen. Wie gestern verlautete, können Rehakliniken ohnehin nur bei voller Belegung wirtschaftlich arbeiten.

Nach Angaben von Wagner hat sich der Marburger Bund gezwungen gesehen, wieder zum Mittel des Streiks zu greifen. Nach der Aktion im März habe die Ärztegewerkschaft ein halbes Jahr lang mit der DRV verhandelt - vergeblich. »Der Arbeitgeber hat sich nicht bewegt, deshalb mussten wir die Gespräche abbrechen«, sagte der stellvertretende Geschäftsführer. Der Marburger Bund fordert in erster Linie einen »arztspezifischen Tarifvertrag« für die bei der DRV in Krankenhäusern und der Verwaltung beschäftigten Mediziner. Die DRV berufe sich dagegen auf einen existierenden Tarifvertrag, der mit der Gewerkschaft ver.di geschlossen wurde. Wagner: »Die Ärzte in DRV-Häusern verdienen zehn Prozent weniger als Kollegen in kommunalen Krankenhäusern. Wir fordern eine Anpassung. Auch die Arbeitsbedingungen sind schlechter.«

Völlig anders wird die Situation in der DRV-Zentrale beurteilt. Man habe dem Marburger Bund ein Angebot unterbreitet, das eine monatliche Entgeltsteigerung von durchschnittlich 360 Euro beinhalte. »Diese Anhebung in wirtschaftlich schwierigen Zeiten als völlig unzureichend zurückzuweisen, ist in keiner Weise nachzuvollziehen«, heißt es vonseiten der DRV. Auch die Kritik an den Arbeitsbedingungen sei schlicht falsch. Das Gegenteil sei der Fall: Die DRV-Ärzte müssten viel weniger Wechselschichten, Nacht- und Wochenenddienste sowie Rufbereitschaft leisten als ihre Kollegen in Akutkrankenhäusern.

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Artikel vom 06.01.2010 - 02.00 Uhr
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Leserkommentare
(06.01.2010 13:26)
rehadoc
"Schöne Worte sind nicht wahr!
Was Insider besser wissen, aber in der Oeffentlichkeit vin der DRV falsch verkauft wird: Die von der Deutschen Rentenversicherung grosszuegig angebotene Entgeltsteigerung von 360 Euro monatlich betrifft nur einen kleinen Teil der Reha-Aerzte, welche noch nach dem alten Bundesangestellten-Tarif - unveraendert seit Ende 2004! - bezahlt werden wenn diese sich in den derzeit ohnehin gueltigen TVOeD /TVUe ueberleiten liessen. Dies ist aber ueberhaupt gar nicht Gegenstand der Arbeitskampfmassnahmen, sondern eben die Angleichung des TVOeD/TVUe an den durchschnittlich 10% hoeheren Tarif fuer Aerzte in kommunalen Krankenhaeusern!
Die Behauptung, Reha-Aerzte muessten weniger Bereitschaftsdienste leisten als Kollegen in Akuthaeusern, kann ebenfalls nicht richtig sein, da sich die Diensthaeufigkeit pro Monat logischerweise durch die Anzahl der vorhandenen Aerzte ergibt: Sowohl im Assistenz- als auch oberaerztlichen Bereich gibt es i.d.R. in Akuthaeusern immer mehr Planstellen als in der Reha, so dass sich hier die Dienste auf mehrere Schultern verteilen! Dem Umstand, dass die Inanspruchnahme der Aerzte im Bereitschaftsdienst im Akuthaus hoeher ist als in der Reha, wird durch die wesentlich bessere Nachtdienstverguetung in diesem Bereich Rechnung getragen.
Die Anforderungen an die Qualität ärztlicher Fähigkeiten sind in der Reha nicht geringer, da auch hier in ausreichendem Umfang Facharztstatus gewährleistet sein muss und auch gerade bei niedrigerer Notfallfrequenz selbstverständlich die Voraussetzungen zur adäquaten Notfallbehandlung erfüllt sein müssen, da ja in der Regel die schnelle Verweisbarkeit an den Notarzt / Intensivmediziner nicht möglich ist wie im Akut-Krankenhaus. Im übrigen behandelt ein Reha-Arzt mindestens die doppelte, wenn nicht gar dreifache Anzahl an mitunter schwer! chronisch erkrankten Patienten wie der Arzt in der Akutklinik.
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