Bad Nauheim (bk). Auch wenn der diesjährige Haushalt ein Defizit von gut 10 Millionen Euro aufweist, hat die Stadt Bad Nauheim eine recht gute wirtschaftliche Substanz. Diesen Schluss zieht Kämmerer Armin Häuser aus der Eröffnungsbilanz der Kommune, die inzwischen vom Revisonsamt des Wetteraukreises testiert und am Donnerstagabend dem Haupt- und Finanzausschuss vorgestellt wurde.
Die Bilanzsumme liegt bei fast 195 Millionen Euro, das Eigenkapital beträgt gut 83 Millionen. »Mit einer Eigenkapitalquote von mehr als 40 Prozent sind wir recht gut aufgestellt«, sagte der Erste Stadtrat im Gespräch mit der WZ. Notwendig wurde das Aufstellen einer Eröffnungsbilanz zum Stand 31. Dezember 2007 durch die Einführung der doppelten Buchführung. Dieses Doppik genannte System löste vor drei Jahren das bis dahin in der Stadtverwaltung praktizierte Buchungsverfahren der Kameralistik ab. Über mehrere Jahre wurde das Vermögen der Stadt aufgelistet und den Verbindlichkeiten gegenübergestellt. Eine Herkulesarbeit war nicht zuletzt die Bewertung des Anlagevermögens, zu dem unter anderem Gebäude, Grundstücke, Kanäle, Straßen, der Stadtwald und die stadteigenen GmbHs gehören.
Nach Aussage von Häuser kann die Bilanz, die Jahr für Jahr fortgeschrieben wird, den Politikern als wichtige Entscheidungshilfe dienen. So ist aus dem Zahlenwerk beispielsweise einiges über den Zustand von Gemeindestraßen ablesbar, die in sechs Schadensklassen unterteilt wurden. Die Theresienstraße in Nieder-Mörlen taucht in der Bilanz beispielsweise mit einem Betrag von 2000 Euro auf, während die vor einigen Jahren ausgebaute und instand gesetzte Weingartenstraße mit 500 000 Euro bilanziert wird. Solche Zahlen geben einen Hinweis darauf, ob in naher Zukunft ein Sanierungsbedarf besteht oder nicht.
Gleiches gilt für Gebäude, deren Wert ebenfalls akribisch erfasst wurde. Ein Beispiel: Für das 1978 errichtete Bürgerhaus Rödgen/Wisselsheim wurden Baukosten von 223 000 Euro errechnet, die Summe der Abschreibungen durch Wertverlust ergibt 80 000 Euro - macht unter dem Strich einen Betrag von 145 000 Euro, der in der Eröffnungsbilanz auftaucht.
Wie sich dem Zahlenwerk weiter entnehmen lässt, umfasst das Anlagevermögen der Stadt insgesamt fast 160 Millionen Euro, wobei die nach 2007 gestarteten Projekte wie die Parkstraßensanierung oder die Investitionen im Vorfeld der Landesgartenschau noch nicht berücksichtigt sind. Zum Anlagevermögen gehören rund 3000 Grundstücke mit einem Gesamtwert von 34,1 Millionen Euro, 64 Gebäude (22,1 Millionen) sowie das Infrastrukturvermögen (93 Kilometer Straßen, 176 Kilometer Kanalisation, 27 Brücken und 11 Lichtsignalanlagen), das sich auf 47,3 Millionen Euro summiert. Hinzu kommt das Finanzanlagevermögen in Höhe von rund 42 Millionen Euro. Dabei handelt es sich um den Wert der Beteiligungen der Stadt an Unternehmen wie der Wohnungsbau GmbH, den Stadtwerken oder dem Gesundheitszentrum Wetterau.
»Die Bilanz einer Stadt lässt sich nur bedingt mit der eines Privatunternehmens vergleichen. Für einige Posten des Anlagevermögens ist zwar ein Wert ausgewiesen, sie ließen sich aber gar nicht vermarkten«, sagte der Kämmerer. Das gilt in erster Linie für die Infrastruktur wie Straßen, Brücken oder Ampeln, aber auch für den Stadtwald oder Liegenschaften wie die Friedhöfe. Im Vergleich zu anderen Kommunen, die viele ihrer Immobilien und Eigengesellschaften aufgrund finanzieller Zwänge bereits verkauft hätten, verfüge Bad Nauheim noch über ein ansehnliches Vermögen, das theoretisch zu Geld gemacht werden könnte.