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Vogelschützer in Sorge: Flüchtlinge könnten Tiere stören

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Artikel vom 21.05.2015 - 14.02 Uhr

Vogelschützer in Sorge: Flüchtlinge könnten Tiere stören

Altenstadt (dab). In Lindheim sorgen einige Naturschützer für Befremden bei ihren Mitbürgern. In einem Schreiben an den Gemeindevorstand betonen Mitglieder der dortigen Natur- und Vogelschutzgruppe, sie bangten um die Erfolge ihrer ehrenamtlichen Arbeit. Gefahr geht in ihren Augen von den Flüchtlingen aus.

Bootsfluechtlingewerdenvonitali
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Manche Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, haben gerade noch ihr Leben retten können. Einige Naturschützer äußern nun die Sorge, die Fremden könnten durch ignorantes Verhalten das Leben von heimischen Vögeln in Gefahr bringen.
© DPA Deutsche Presseagentur
Bei der Beschreibung der besonderen Natur in dem Ortsteil wird den Aktivisten wohl niemand widersprechen. »In der Gemarkung Lindheim befindet sich das größte Naturschutzgebiet des Wetteraukreises. Dazu gibt es einige Landschaftsschutzgebiete. Das gesamte Grünland zählt zum Auenverbund Wetterau. Es steht deshalb unter besonderem Schutz der EU.« Und weiter: Diese Gebiete hätten sich »insbesondere durch unsere ehrenamtlichen Arbeitskräfte und im Ehrenamt verdienten Finanzmittel überdurchschnittlich positiv entwickelt«. Lindheim sei die storchenreichste Wetteraukommune, zwei Kraniche lebten seit Kurzem dort, »den Wiesenpieper gibt es nur noch bei uns« – die Auflistung lasse sich beliebig fortsetzen.

»Wie Gäste benehmen«

Wenig Zustimmung ernten die Naturschützer allerdings für ihre Forderung, »rechtzeitig« dafür zu sorgen, »dass ankommende Gäste entsprechend informiert und angewiesen werden und sich auch wie Gäste benehmen«. Ihre Begründung: »Schon in der Vergangenheit hatten wir mit einigen Ignoranten und Fremdsprachlern zu tun, die trotz Absperrung und Verordnungen die Gebiete in den sensiblen Zeiten betraten, ohne Rücksicht auf die Brut- und Setzzeit. Wir befürchten durch die demnächst erfolgende Ansiedlung von Migranten, dass Übergriffe in die Natur gang und gäbe werden. Sprachschwierigkeiten, Unkenntnis, Analphabetentum und Ignoranz wird den Ehrenamtlichen das Ehrenamt erschweren, wenn nicht gar unmöglich machen.«

Das sehen die Vorsitzenden der Ortsgruppen von BUND und NABU anders. Sie distanzieren sich deutlich von den Äußerungen der Vogelschutzgruppe. »Das Ziel der beiden großen Umwelt- und Naturschutzverbände ist der Schutz von Umwelt, Natur und Gesundheit und Leben von Menschen hier und weltweit. Der Schutz der Natur und der Schutz von Flüchtlingen ist kein Gegensatz. Die Achtung der Menschenwürde ist oberstes Gut«, betonen Dr. Werner Neumann und Kurt Jungkind in einer Presseerklärung. »Wir kennen selbst viele Ausländer- und Flüchtlingsfamilien, die ein gutes Bewusstsein für die Umwelt und Natur haben. Wir bieten den Flüchtlingen – wie auch Einheimischen – gerne an, ihre Umgebung und die hiesige Natur kennenzulernen.« Zahlreiche Flüchtlinge kämen aus Ländern, deren Lebensgrundlage auch durch den Energie- und Rohstoffhunger der Industrienationen und hierdurch hervorgerufene Klimaveränderungen schwer geschädigt worden sei. »Wir haben daher auch eine besondere Verantwortung gegenüber den Flüchtlingen.«

Unbegründete Ängste vor Flüchtlingen könne man nur mit Willkommen und Begegnung abbauen, sind sich Neumann und Jungkind sicher. Diese Auffassung teilt auch Bürgermeister Norbert Syguda. »Wir können die Menschen, die bei uns Zuflucht suchen, nicht im Regen stehen lassen«, appelliert er in einem Rundschreiben an die Bürger, bei der Flüchtlingsbetreuung mitzuhelfen – und mehr Wohnraum zur Verfügung zu stellen. 95 Flüchtlinge sind derzeit in Altenstadt untergebracht, darunter etwa 65 in der kreiseigenen Einrichtung in der Kerngemeinde.

»Entspannter aufeinander zugehen«

»Willkommenskultur darf kein Lippenbekenntnis bleiben, sie muss erlebbar sein«, sagt Syguda der WZ. Neben hauptamtlichen Kräften seien dazu viele ehrenamtliche Helfer nötig. Bei den Vereinen sehe er großes Potenzial. »Wenn man entspannter aufeinander zuginge, könnte eine Win-win-Situation entstehen.« So wäre es wünschenswert, wenn die Naturschützer die neuen Mitbürger mit den hier vorherrschenden Gepflogenheiten mit der Natur vertraut machten und womöglich noch neue Mitglieder gewinnen könnten.

Das schlägt auch SPD-Landtagsabgeordnete Lisa Gnadl vor, die in Lindheim lebt. Die Naturschützer könnten den Flüchtlingen eine Führung durch die Auenlandschaft anbieten, dabei ihr berechtigtes Schutzanliegen vermitteln und zugleich einen Beitrag zur Integration leisten. Den Brief der Vogelschützer bezeichnet sie als »zynisch«: »Millionen Menschen sind (...) auf der Flucht vor Krieg und Verfolgung. Tausende ertrinken bei dem Versuch, sich über das Mittelmeer in Sicherheit zu bringen. (...) Ich kann nicht nachvollziehen, wie angesichts dieser Notlagen und menschlichen Tragödien die größte Angst, die Sie (...) umzutreiben scheint, die ist, dass die Flüchtlinge (...) beim Spazierengehen brütende Vögel stören könnten.«

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Artikel vom 21.05.2015 - 14.02 Uhr
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Leserkommentare
(30.09.2015 19:21)
DerHarry
???
Ich verstehe Ihren Kommentar nicht ganz.
Ist das Menschenwohl verletzt, wenn man gefährdete Tiere in bestimmten Bereichen einfach in Ruhe lässt?
Und vor allem: warum ist offensichtlich nur das Wohl der Flüchtlinge verletzt, nicht aber das der Einheimischen? Ist es denn allen Ernstes zu viel verlangt, bestimmte Schutzgebiete zu meiden?
(30.09.2015 10:21)
Barbie-Girl
Gehts noch Leute
Wer Pauschal was gegen Flüchtlinge hat, vergisst wohl, dass Millionen von unseren Landsleuten auch Flüchten mussten.
Hier in unserem Verheuchelten Wohlfühlland gibt es keine Mitte mehr.
Wer Flüchtigen alles durchgehen lässt ist genauso Geistig Minderbemittelt wie der, dieser Vögel oder Sonstige Tiere teilweise noch vor das Menschwohl stellt.
Ihr solltet euch teilweise schämen ihr (Pseudogutmenschen) Pfui
(25.07.2015 09:02)
Bandog
Nachhaltig Mauser
Abgesehen dass D sowieso übervoelkert ist und damit die einheimische Fauna zunehmend unter Druck gerät, mausern sich zunehmend Vögel wie z. B. Realitätsverweigerer,Profilneurotiker,Heuchler und Pharisäer .Deutschland ist kein Zoo, wo man auf Dauer alles zusammenpferchen kann,auch wenn die Viererbande in Berlin das glaubt.
(25.07.2015 06:56)
jimmy-james
Vorzeitige Mauser
Ich finde es immer wieder schön, wenn ich seltene Vögel bei ihrem Treiben beobachten kann. Auch hier haben wir es wieder einmal mit seltenen Vögeln zu tun: Menschen, die ihre Fremdenfeindlichkeit mit Vogelliebe zu tarnen versuchen. Doch bietet ihre vorzeitige Mauser keinen schönen Anblick.
(22.05.2015 16:23)
lis74
Erklärung
Wenigstens einmal eine ehrliche PolitikerIn. Sie sagt selbst, das sie keine Ahnung hat. Liebe Frau Lisa Gnadl, ich helfe Ihnen gerne mit einer kleinen Erklärung des Sachverhaltes. Wenn Menschen auf Vogelnestern steigen, stört das die darin liegenden Eier erheblich. Auch Lagerfeuer, permanentes lautes Verhalten stört die Vögel. Und nicht nur diese.
Ich glaube, das würde sogar ein sehr kleines Kind verstehen. Aber nicht unsere Politiker!
Der Herr Bürgermeister sollte sich lieber um die Bürger kümmern, welche ihn legitimiert haben, und deren Anliegen. Erst weit danach um reine Leistungs-Bezieher welche für nichts werterhaltendes bürgen.
(22.05.2015 15:16)
LupulusLotarius
Naturschutz
Zum Naturschutz gehören auch Menschen. Vielleicht darf man irgendwann einmal auch öffentlich auf die Frage hinweisen: "Stören die neuen Einwanderer vielleicht auch Menschen?"
Falls diese Frage als politisch nicht einwandfrei beurteilt wird, kann die WZ einmal eine Umfrage unter der Leserschaft durchführen und entsprechende Erfahrungen sammeln.
Gruß
(22.05.2015 09:21)
DerHarry
Zusammenfassung:
Flüchtlinge dürfen alles, und darüber soll sich auch bloß keiner beschweren! Das müssen wir aushalten, da müssen wir halt mit leben, dass eventuell unsere mühsam wieder aufgepeppelte Natur zerstört wird. Aber bloß nicht ansprechen, dann ist man sofort böse!
Danke für diese erneute Bestätigung.
Davon abgesehen finde ich den Vorschlag mit den Führungen gut, das hat was!
(21.05.2015 22:04)
bla
Brütende Vögel stören
Da lacht der Gießener Busfahrer.
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