Altenstadt (geo). Ein Appell, sich auf theologischer Basis für Frauenrechte zu solidarisieren, ging von einer Veranstaltung der Ahmadiyya-Muslim-Gemeinde zum Weltfrauentag aus.
Saba Khawaja, Shazia Kahloon, Lubna Sagib, Khola Maryam Hübsch, Amtul Basit und Monaza Zafar (v. l.) gehören der Frauenorganisation der Ahmadyya Muslim Gemeinde an. (Foto: Lori)
»Assalam o Alaikum« bedeutet übersetzt »Friede sei mit Ihnen«. Mit diesem islamischen Grußwort hieß die Frauenorganisation der Ahmadiyya-Muslim-Gemeinde ihre Gäste am Dienstag in der Altenstadthalle willkommen. Durch das Programm führte Monaza Zafar, die für den interreligiösen Dialog in Altenstadt zuständig ist. Sie konnte neben interessierten Bürgern Vertreter der Gemeinde sowie der evangelischen und der katholischen Kirche begrüßen.
Begonnen wurde das Programm mit einer Rezitation aus dem Koran, erst auf Arabisch, dann ins Deutsche übersetzt. Laut Zafar versteht sich die Ahmadiyya-Muslim-Gemeinde als Reformbewegung innerhalb des Islam und wurde 1889 von Hadhrat Mirza Ghulam Ahmad in Indien gegründet. Das Bestreben sei, den ursprünglichen Islam zu leben, so wie er vom Propheten Muhammad gelehrt und gelebt worden sei. »Nach unserem Gemeindemotto ›Liebe für alle, Hass für keinen‹ veranstalten wir regelmäßig Dialogveranstaltungen und engagieren uns sozial«, so Zafar.
Der Hauptunterschied zu anderen muslimischen Gemeinden liege in der Frage der Ankunft eines Messias. Dieser wurde nach ihrer Ansicht 1835 im heutigen Qadian in Indien geboren, eben Hadhrat Mirza Ghulam Ahmad, der die Gemeinde gegründet hat. Seit 1922 hat die Bewegung eine Unterorganisation für Frauen, die Lajna Imaillah. Intern setzt diese sich für die Bildung und Organisation von Frauen und Mädchen ein.
Khola Maryam Hübsch sprach über die Stellung der Frau im Islam. Hübsch absolvierte ihren Magister in Publizistik, Psychologie und Germanistik in Mainz und ist für den interreligiösen Dialog bei der bundesweiten Lajna Imaillah zuständig. An diesem Abend stellte sie Auszüge aus ihrer Magisterarbeit »Der Islam in den Medien« vor. »91 Prozent aller Befragten verbinden mit dem Wort Islam die Benachteiligung von Frauen«, sagte Hübsch. Eine systematische Untersuchung darüber, ob anhand der Darstellung der muslimischen Frau in den Medien eine bestimmte Wahrnehmung des Islams forciert werde, gebe es nicht. Doch die in den Medien geführte Diskussion um Ehrenmorde, Zwangsheirat, das Kopftuchverbot und die Gleichberechtigung der Geschlechter im Islam sei nicht nur aktuell, sondern habe auch einen wesentlichen Einfluss auf die Integration der in Deutschland lebenden Muslime. »Ehrenmorde haben nichts mit dem Islam zu tun. Ehren- und Eifersuchtsmorde gibt es auch unter Christen«, betonte Hübsch.
Weil Muslime in Deutschland mit 3,1 Millionen eine Minderheit bildeten, hätten viele Deutsche keine ausreichenden »Primärerfahrungen«. Sehr oft werde die muslimische Frau als unterdrückt dargestellt. Dabei seien junge Musliminnen oft bildungsorientiert. Die Motive für das Kopftuch seien vielschichtig. 97 Prozent trügen es aus religiöser Pflicht, andere als Liebesbeweis für Gott und den Partner oder aus Demut. Hübsch forderte dazu auf, sich gemeinsam für Frauenrechte auf theologischer Grundlage einzusetzen. Ein Dialog bei Gebäck und Kaffee schloss sich an.